Domina-Gedanken

Manche Gespräche sollte ich hier lieber nicht wiedergeben. Ihr könntet sonst einen falschen Eindruck von mir bekommen. Zum Beispiel heute. Da sind wir in der Redaktion in nur dreieinhalb Sätzen vom Thema einer banalen Pressekonferenz über betrunkene Flirtversuche weiter zu Facebook und schließlich zum Thema Bondage und zu Domina-Spielen mit Hundeleine gekommen. Und es war nicht mal sonderlich kompliziert.

Das ist natürlich nicht immer so. Manchmal unterhalten wir uns auch ganz normal. Trotzdem ist es eigentlich kein Wunder, wenn man sich mal überlegt, wie das menschliche Gehirn so funktioniert.

Unser Kopf gleicht nämlich einem gewaltigen, dreidimensionalen Spinnennetz. Es gibt unzählige Knotenpunkte, die alle in irgendeiner Form miteinander verbunden sind. Zwischen diesen Knotenpunkten gibt es ein reges Hin und Her. Ständig schießen feine, elektrische Impulse auf den Verbindungen von A nach B nach C und wieder zurück. Stellt sich eine Verbindung als besonders erfolgreich heraus, etwa zwischen “heiße Kochplatte” und “Schmerz”, wird sie ausgebaut. Bewährt sich eine Verbindung nicht, verkümmert sie.

Auf eine ähnliche Art und Weise werden Erinnerungen und Gedanken sortiert. Hören wir ein Lied oft genug im Urlaub, entsteht eine Verbindung, die dafür sorgt, dass wir in Zukunft bei diesem Lied an diesen Urlaub denken. Von dort geht es via Nervenimpuls auf der gut ausgebauten Impulsautobahn weiter zur Erinnerung an unsere Urlaubsbekanntschaft aus eben jenem Sommer. Ein anderer Impuls geht gleichzeitig in Richtung des Konzerts, wo wir das besagte Lied zum ersten Mal gehört haben.

Je weiter sich das Ganze nun verzweigt, desto kurioser kann es werden. Viele Wege führen nach Rom und noch mehr von einem Gedanken zum nächsten. Hinzu kommt, dass unser Gehirn nicht in der Lage ist, nichts zu denken. Ist es unterbeschäftigt, fängt es an, wahllose neue Verbindungen auszuprobieren.Der Volksmund nennt das übrigens Kreativität.

Überlegt man nun, was passieren kann, wenn man die Köpfe von mehreren Menschen gemeinsam vor sich hinspinnen lässt, scheint die Diskussion heute vormittag eigentlich gar nicht mehr so komisch. Bedenkt man außerdem, dass Journalisten sich ja schon von Berufswegen andauernd mit mehr oder weniger seltsamen Menschen rumschlagen, wäre es eigentlich sogar ungewöhnlich, wenn das Gespräch anders oder zumindest weniger kurios verlaufen wäre. Ihr braucht Euch also keine Sorgen um mich zu machen. Zumindest nicht all zu viele.

In diesem Sinne, woran denkt Ihr eigentlich beim Thema Hundeleine?

Generation Zahnarzt

“Herr Neubüser, was muss man hier anstellen, um endlich ein Bier bestellen zu können?”

Wer diese Frage nicht komisch findet, sollte wissen, dass sie von meinem Zahnarzt kam. Und nein, er hat sie nicht in seiner Praxis gestellt, sondern quer durch den Schankraum einer Wuppertaler Kneipe gerufen. Dort hatte ich zwar nicht ihm gerechnet, aber wenn ein Zahnarzt seine Patienten auch am Tresen erkennt, ist das auf eine ganz eigene Art sympathisch.

Die Geschichte ist schon ein paar Jahre her. Inzwischen war ich bei diversen weiteren Zahnärzten. Trotzdem habe ich lange Elternbesuche in der alten Heimat genutzt, um auch gleich nach meinen Zähnen sehen zu lassen (dann doch in der Praxis, nicht in der Kneipe).

Für einen Zahnarztbesuch ein paar hundert Kilometer zu fahren scheint in meiner Generation alles andere als ungewöhnlich zu sein. Vielleicht, weil wir unterm Strich doch alle ein wenig Angst vor diesem Pflichttermin haben und ihn deshalb am liebsten bei jemanden absolvieren, zu dem wir über die Jahre vertrauen aufgebaut haben. Vielleicht auch einfach, weil eine Generation, die stellenbeschreibungsflexibel immer wieder den Wohnort wechselt, sich zumindest für eigenen die Zähne etwas mehr  Stabilität wünscht.

Für Zahnärzte ist uns kein Weg zu weit, scheint es. Ähnliches gilt übrigens auch für Autowerkstätten. Welch Glück ist es da, dass oft die Eltern in der alten Heimat die Stellung halten und eine feste Anlaufstation bieten, sei es nun für die Jahresinspektion am Motor oder im Mund.

Manchmal frage ich mich allerdings, wie es wird, wenn ich selbst Kinder habe. Schon jetzt muss ich einen Moment überlegen, wenn ich die Wohnorte der vergangenen Jahre chronologisch aufzuzählen versuche. Wird sich irgendwann trotzdem ein Ort herausschälen, den ich meinem Nachwuchs als Zahnarzt- und Automechanikerheimat anbieten kann?

Immerhin: heute war ich das erste Mal bei einem Zahnarzt in Karlsruhe. Eine liebe Kollegin (und Freundin) hatte ihn mir empfohlen. Bier hat er mir nicht angeboten, trotzdem habe ich mich wohl gefühlt – zumindest soweit das bei einem Zahnarzt möglich ist. Mit anderen Worten: ich habe ein gutes Gefühl. Und ich werde künftig in Karlsruhes Kneipen die Augen offen halten. Vielleicht kann ich ja mit Bier aushelfen.

In diesem Sinne, Prost!

Schwanzvergleich

Glaubt man einigen psychologischen Lehrbüchern, tun wir Männer ohnehin den lieben langen Tag nichts anderes: vergleichen, wer von uns den Längsten und Größten hat.

Alternativ können natürlich Autos, gefüllte Geldbörsen oder auch Egos herhalten. Schön, dass es diese Koblenzer Kneipe einfach mal auf den Punkt bringt: 8, 12 oder doch 19 Zentimeter – bitte am richtigen Pissoire anstellen …

In diesem Sinne, Gruß ans “Schiffchen”!

Muttergefühle II

Ja, was wird es denn nun? Ganz klar: Zwillinge! Das behauptet wenigstens der Supermarkt, bei dem ich auf dem Weg von der Arbeit nach Hause öfter einkaufe.

Hier wurden heute alle Kunden an der Kasse gefragt, ob sie Kinder hätten. Bejahten sie, bekamen sie ein Geschenk für die Kinder in die Hand gedrückt (eine Packung mit Sammelkarten). Es wurde ausnahmslos jeder gefragt – außer mir. Ich bekam das Geschenk für meine Kinder einfach so in die Hand gedrückt – und zwar nicht eins, sondern zwei.

In diesem Sinne, ich bin gerührt …

Meine Muttergefühle


Ich werde Mutter. Zumindest wäre das eine Erklärung. Ich frage mich nur, warum ich als letzter davon erfahre.

Als ich am Montag das erste Mal nach meinem Urlaub wieder in der Redaktion kam, wartete dort schon ein länglicher, brauner und etwas ausgebeulter Umschlag auf meinem Schreibtisch. Eine freundliche Firma aus dem Norden hatte mir einen Bio-Baby-Body geschickt. Nett, dachte ich mir, und schenkte  den Bio-Baby-Body einem Kollegen, der ihn derzeit nötiger braucht als ich (zumindest dachte ich da noch, dass er ihn nötiger braucht!).

Einen Tag später bekam ich eine Email. Eine andere Firma, ein anderer Pressesprecher. Aber auch er schrieb von Babies und Gegenständen, die doch jede werdende Mutter unbedingt bräuchte und die, welch Zufall, seine Firma verkaufen würde. Ich solle doch so freundlich sein, dies auch den Lesern meiner Online-Zeitung mitzuteilen. Die Mail landete im digitalen Mülleimer – ich wusste es ja nicht besser.

Erst als heute der Paketbote mit einem babypuderweißen Paket in die Redaktion stolperte und mich um eine Unterschrift bat, dämmerte es mir: ich werde Mutter! Wozu sonst würde mir jetzt auch noch die freundliche Drogeriekette Babytücher, eine Babyrassel und allerlei andere Dinge schicken, die mit dem Präfix “Baby-” beginnen? Es gibt doch eigentlich keine andere Erklärung, oder? Und ja, Ihr ahnt es schon – jetzt ärgere ich mich, dass ich den Bio-Baby-Body verschenkt habe!

In diesem Sinne, wir freuen uns natürlich über weitere Geschenke!

Alkoholhalbverbot

Alkohol nur noch für Autofahrer. Das ist kein Scherz, das ist Bayern. Dort diskutieren sie nämlich gerade den nächtlichen Alkoholverkauf an Tankstellen. Der soll, so die Idee vom bayerischen Innenminister Joachim Herrmann (CSU), künftig kommunal geregelt werden. Und das treibt durchaus seltsame Blüten:

In Regensburg etwa soll künftig Alkohol an Tankstellen ab 20 Uhr nur noch an “Reisende” abgegeben werden. Konkret heißt das, wer abends noch ein Bier an der Tanke kaufen will, muss mit dem Auto vorfahren. Wer dagegen mit dem Bus, zu Fuß oder mit dem Fahrrad kommt, geht leer aus. Immerhin: Auch Autofahrer können nicht nach Belieben “tanken”, die Höchstgrenze für den Einkauf lieht bei vier Bier (zwei Liter), einem Liter Wein oder 0,1 Litern Schnaps.

Des Einen Leid ist allerdings des Anderen Freud: “Geschäftsidee! Man stellt sich mit seinem Auto in die Nähe einer Tanke und bietet den Beifahrersitz zum In die Tanke Fahren feil. Für 5EUR wird man dann auf das Gelände der Tanke gefahren. Ob man die Tanke auch NACH der Transaktion mit dem Auto verlassen muss und ob einem der Kassier dann nachrennt müsste man ausprobieren, notfalls ist bei den 5EUR nat. der Abtransport auch mit drin”, zitiert ein Regensburger Blogger die Facebook-Kommentare zum Thema bei der in Regensburg erscheinenden Mitteldeutschen Zeitung.

Zugegeben, es ist leicht über die Bayern zu lästern. Ganz fair ist es nicht. Schon seit über einem Jahr darf nämlich in Geschäften und an Tankstellen in Baden-Württemberg nach 22 Uhr gar kein Alkohol mehr verkauft werden. Sogar dann nicht, wenn man mit dem Auto vorfährt.

In diesem Sinne, Prost!

 

Klugscheißer!

Habe ich mich verhört? Ich bin bis heute nicht sicher. Wir saßen in einem Café. Der Kellner, ein junger Mann mit halblangen, braunen Haaren und Bart, kam an unseren Tisch und wischte mit einem feuchten Lappen einige Krümel Zigarettenasche weg, die ein anderer Gast darauf zurückgelassen hatte.

“Wisst Ihr schon, was Ihr trinken wollt?”, fragte er, während er wischte. Mein Begleiter nickte und bestellte ein großes Pils. Ich nickte ebenfalls und sagte: “das selbe”. “Das heißt das gleiche”, korrigierte der Kellner. Zumindest glaube ich, dass er das sagte, während der sich umdrehte und unsere Bestellung im Gehen in ein Gerät eintippte. Wenn dem so war – naja, das steht in der Überschrift zu diesem Eintrag.

In diesem Sinne, noch mal das selbe bitte!

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