Landwirt(innen)

Ich bin käuflich. Zumindest was meine berufliche E-Mail-Adresse angeht. Die steht nämlich in verschiedenen Datenbanken, bei denen Werbetreibende sich gegen Entgeld einen E-Mail-Verteiler mit Journalisten-Adressen zusammenstückeln können.

Wie teuer ich bin, weiß ich nicht genau. Auch nicht, ob es mich vielleicht sogar auf Raten gibt. Wirklich unerschwinglich kann ich allerdings nicht sein. Das merke ich daran, dass ich immer mal wieder E-Mails bekomme, mit denen ich so gar nichts anfangen kann.

Die Highlights derzeit sind:

  • Informationen zu einem Musiker, von dem ich noch nie etwas gehört habe, dessen (Künstler?)Name ins Deutsche übersetzt aber so viel bedeutet wie “Massenvergewaltigung”.
  • Nachrichten über Kerzen, die je nach Jahreszeit für einen besonders gelungenen Winterabend, Valentinstag, Ostersonntag oder Sommerabend sorgen und/oder ideal sind für einen Tag im Herbst oder Winter. (An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön: Ich gebe immer mal wieder Seminare zum Thema Pressearbeit und nutze diese Pressemitteilungen hier gerne und anonymisiert als Negativbeispiele)
  • Pressemappen zu Kreuzfahrten diversen Reedereien
  • relativ neu: Newsletter für den verkappten Landwirt in mir (Bild oben).

Bedenkt man, dass die Kosten für Werbung und meine E-Mail-Adresse ja in irgendeiner Form auf das jeweilige Produkt aufgeschlagen werden, wird einem schon manchmal etwas anders. Andererseits: So teuer kann es ja nicht gewesen sein. Sonst würden ja zumindest die E-Mail-Adressen zur Werbezielgruppe passen. Und meine wäre dann nicht dabei.

In diesem Sinne – noch jemand eine Portion Sommergetreide?

Janua…bähhh

Ich mag den Januar nicht. Aus Gründen. Mehreren sogar:

  • Weil Weihnachten vorbei ist. Da kann man den Dezember über so schön drauf hinleben. Weil man dann Urlaub hat, seine Familie und lauter alte Freunde wiedersieht. Im Januar ist das erstmal vorbei. Was für ein gemeines Loch sich da plötzlich auftut.
  • Weil für einen Nicht-Karnevalisten auch die drohende Fastnacht da nichts dran ändern kann.
  • Weil auf einmal all die Sachen anstehen, die man vor wenigen Tagen noch großzügig auf “nächstes Jahr” verschoben hat.
  • Weil der Januar ein gemeiner Nimmersatt auf meinem Konto ist: Autoversicherung, Kfz-Steuer, Zeit-Abo, Hausratversicherung, usw. – da ist man arm kaum hat man das Dezembergehalt auch nur von weitem gesehen.
  • Weil der Winter im Januar erst richtig loslegt.
  • Weil der Winter aber nicht mehr verschneit-romantisch ist wie manchmal in Dezember oder wenigstens knackig-kalt wie früher in Berlin, sondern nass, ungemütlich und undefinierbar.
  • Weil es draußen immer noch mehr dunkel als hell ist.
  • Weil nach dem Januar nur der Februar kommt – und der ist auch nicht besser (nur kürzer).

In diesem Sinne, ich bin dann mal Winterschlaf machen …

Vorsätzlich

Ich habe sie gesehen. Hunderte von ihnen. All die guten Vorsätze für 2012 waren heute bei mir im Fitnessstudio. Mehr Sport treiben und gesünder zu leben ist schließlich ein Klassiker unter den frommen Wünschen für das neue Jahr – entsprechend voll war es. In der Umkleide, an den Laufbändern, an den Geräten – eigentlich überall. Hätte ich mir eigentlich auch vorher denken können.

Ich bin nur froh, dass gute Vorsätze ja in der Regel nicht all zu lange halten. Entsprechend dürfte es schon in ein paar Wochen wieder angenehm leer (oder wenigstens leerer) sein. Und irgendwie ist es ja auch ganz unterhaltsam, all die Leute mal wiederzusehen, die man zuletzt vor einem Jahr hat hier schwitzen sehen.

Ein wenig Sorgen mache ich mir nur um eine weitere Aktivität, die ich eigentlich noch diese Woche erledigen wollte: ich muss nämlich zum Friseur. Und gehören neue Frisuren nicht auch irgendwie zu den klassischen Neujahrs-Vorhaben? Von wegen neuer Anfang, neues Aussehen?

In diesem Sinne, ich stelle mich wohl besser auf eine längere Wartezeit ein …

Vater der Kellnerin

Sie könnte Deine Tochter sein. Früher habe ich immer gedacht: Wenn einem dieser Satz durch den Kopf geht, dann ist man alt. Inzwischen denke ich: Noch schlimmer ist es, wenn jemand anderes diesen Satz zu Dir sagt.

Mit Kellnerinnen zu flirten ist einfach. Zumindest wenn man die Definition des Wortes “flirten” nicht vom Erfolg des Flirt-Versuchs abhängig macht. Kellnerinnen können schlecht weglaufen. Außerdem sind sie darauf getrimmt, zunächst einmal freundlich zu sein. Jeder noch so plumpe Flirtversuch wir daher zunächst zumindest mit einem Lächeln quittiert. Gar nicht unbedingt wegen eines etwaig zu erwartenden Trinkgeldes, sondern weil es zum professionellen Kellnern nun einmal dazu gehört, freundlich zu lächeln.

Neben der Tatsache, dass sie Biernachschub bringen, ist das vermutlich einer der Hauptgründe, warum Männer Kellnerinnen toll finden. Egal wie schlecht der Witz ist, den sie gerade erzählen, die Frau mit dem Tablett gibt zumindest vor, sich genau so sehr darüber zu amüsieren wie der Witzerzähler selbst.

Ich würde lügen, wenn ich mich davon freisprechen würde. Ich kann nicht nur großartig schlechte Witze erzählen, sondern gucke hin und wieder auch selbst mit sehnsüchtigem Blick einer gutaussehenden Kellnerin hinterher. Vor Jahren hat das sogar mal für eine Verabredung nach Feierabend gereicht.

Das ist allerdings schon eine ganze Weile her – und sie war damals schon zwei Jahre jünger als ich. Kellnerinnen, zumindest die hübschen, sind nämlich meist Studentinnen – und damit liegen zwischen ihnen und mir heute oft zehn oder gar zwölf Jahre Altersunterschied. “Sie könnte Deine Tochter sein!” Gut, so ganz stimmt das nicht – noch nicht. Manchmal ist es allerdings frustrierend, wie nah ich mittlerweile an dieser Aussage bin.

In diesem Sinne, Danke D. fürs dran Erinnern ;-)

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