Was so alles in der Redaktion landet …
In diesem Sinne …
Passend zum letzten Eintrag diese Karte, die ich in einer Berliner Kneipe gefunden habe.
In diesem Sinne, tell me doch nothing from the horse!
“Rieche ich nach Pferd?”
Manchmal denke ich, ich ziehe komische Menschen an. Ganz ohne es zu wollen. Die Frage hätte mich daher nicht wundern sollen. Wobei dieser Mensch eigentlich recht normal aussah. Schlaksig, ein paar Zentimeter größer als ich, stark angegraute, kurze Locken. Eigentlich nicht ungewöhnlich. Einzig die Augen wirkten etwas unruhig, irgendwie nervös.
“Rieche ich nach Pferd?”, wiederholte der Mann. “Ich möchte nämlich noch einkaufen gehen.”
Ich wusste nicht, dass man nach Pferd riechen muss, wenn man noch einkaufen gehen möchte. Aber ich kann ja auch nicht alles wissen. Dieser Mann roch jedenfalls nicht nach Pferd. Aber konnte ich ihm das so direkt sagen?
“Ich war den ganzen Tag im Stall, wissen Sie?”, sagte der Mann, der nicht nach Pferd roch und noch einkaufen wollte. Dabei begann er nervös hin und her zu wippen. “Deswegen befürchte ich, dass ich nach Pferd riechen könnte. Dabei will ich doch noch einkaufen.” Der Mann hielt mir einen Ärmel seiner Jacke unter die Nase.
Der Ärmel roch nicht nach Pferd. Als ich dem Mann das sagte, wirkte er erleichtert. Und traurig. Irgendwie beides zugleich.
“Dann gehe ich jetzt einkaufen”, sagte er schließlich fröhlich. “Auf wiedersehen.” Ich bin dann nach Hause gegangen. Dabei habe ich mich mich gefragt, warum ich eigentlich so ein Talent habe, komische Menschen anzuziehen. Selbst sie nicht nach Pferd riechen.
In diesem Sinne, woher kommt eigentlich dieser Ziegengeruch?
Meine Zwangsschwangerschaft ist ja schon eine Weile her (Muttergefühle Teil I und Teil II), es wird also Zeit, dass ich endlich wieder ganz Frau bin. Das findet zumindest eine Firma, deren Name ich hier nicht nennen werde, die mich aber freundlicherweise schon jetzt an einen wichtigen Pressetermin in der Landeshauptstadt erinnert.
“Save the date” betitelte Schreiben, also vorab-Erinnerungen an Einladungen, die noch nachgereicht werden, machen mich ja ohnehin misstrauisch. Was heute in einem halb-transparenten Din-A4-Umschlag und mit meinem Namen versehen im Redaktionsbriefkasten lag, beweist, dass ich mit meinem Misstrauen Recht habe.
“xxx-Woman wurde von Frauen für Frauen entwickelt, ist eindeutig für Frauen positioniert und erfüllt die Bedürfnisse von Frauen die Wert auf eine gesunde und ausgewogene Lebensweise legen.” Allein im ersten Satz wird fünf Mal das Wort “Frau” verwendet. An anderer Stelle ist außerdem von einer “Weltneuheit” ist die Rede und dass jede (ja, jede!) Frau es trinken sollte. Das könnten mir dann auch “verschiedene Experten” erläutern – ich müsse nur der Einladung folgen.
Worum es geht? Um ein “Blüten-Beeren-Pflanzensaft-Getränk”. Aber das spielt ja nicht wirklich eine Rolle. Was zählt ist das “neue Ich”, das in der Überschrift versprochen wird. Und irgendwie ist es ja auch nett, dass ich als Mann da mitmachen darf. Ihr könnt mich dann Loretta nennen.
In diesem Sinne, danke für die Einladung!