Free Pizza

Italiener haben ein grosses Ego. Und sie moegen es nicht, wenn man daran kratzt. Das gilt auch und insbesondere in Rom. Dieser Tatsache verdanke ich kostenlose Pizza. Aber ich sollte anders anfangen.

Wir, ein Amerikaner, ein weiterer Deutscher und ich, waren auf ein Bier in einer Bar in der Naehe des Termini (Bahnhofs) in Rom. Im Fernsehen lief Fussball, neben uns lief der Kellner und/oder Koch, so genau weiss ich es nicht, erregt auf und ab. Sein Ego war merklich angekratzt. Schuld daran war die Brasilianerin, die am Nachbartisch sass. Die hatte es naemlich gewagt, zu behaupten, sie habe die beste Pizza Roms gegessen. Woanders – nicht in dem Lokal, in dem wir sassen.

Das konnte der Mann natuerlich nicht auf sich sitzen lassen. Es wurde ein bisschen diskutiert, dann verschwand der Italiener eingeschnappt. Wie konnten wir es wagen zu behaupten, jemand anders und nicht er wuerde die beste Pizza der Stadt machen?

Zehn Minuten spaeter war er wieder da. Mit Pizza. Die sollten wir doch nun bitte probieren und ihm danach noch einmal sagen, wo es die beste Pizza in Rom gebe.

In diesem Sinne – free Pizza, danke Brasilien!

PS: Das Foto ist übrigens zwei Tage nach der beschriebenen Diskussion in Trastevere entstanden. Das free-Pizza-Lokal war dagegen in Esqulino. Wo genau wird aber nicht verraten. Ich fand es irgendwie passend.

Social Seating

Im Facebook-Profil gelogen? Künftig kann das sogar über den Wolken Folgen haben. Die niederländische Fluggesellschaft KLM will Sitznachbarn im Flieger ab 2012 nämlich auf Basis ihrer Facebook-Profile zusammenbringen. “Social Seating” nennt sie das. Auch wenn es wie ein Aprilscherz klingt – die Idee ist durchaus ernst gemeint. Schon seit Anfang des Monats wird darüber in diversen Flug-Foren diskutiert, auch KLM hat den Plan inzwischen bestätigt.

Demnach will die Fluglinie mit dem Angebot vor allem Geschäftsreisende ansprechen. Die sollen so in der Luft beim erfolgreichen Netzwerken unterstützt werden. Einfach beim Online-Check-In das Facebook- oder LinkedIn-Profil freigeben, eine Software sucht dann abhängig von den dort angegebenen Interessen den passenden Sitznachbar.

Ob man den auch ablehnen oder gar aus mehreren Vorschlägen auswählen kann, ist derzeit noch offen. Überhaupt hält sich die Fluggesellschaft noch reichlich bedeckt, wie “Social Seating” konkret funktionieren soll. Angst um ihre Privatssphäre bräuchten Passagiere allerdings nicht zu haben. Funktionieren würde das Ganze nur, wenn beide potenzielle Sitznachbarn ihr Profil freigegeben haben, so ein KLM-Sprecher gegenüber CNN. Zumindest dass wäre dann ja schon eine Gemeinsamkeit.

Bei den deutschen Fluggesellschaften wird der Vorstoß der niederländischen Fluglinie derzeit noch neugierig beäugt. Konkrete Pläne gebe es aber nicht, KLM das “Social Seating” nachzumachen. ”Bei uns ist so etwas nicht in Planung. Unser Kerngeschäft ist, Leute von A nach B zu bringen”, sagte kürzlich ein Lufthansa-Sprecher dem Handelsblatt.

Welchen entscheidenen Einfluss der Sitznachbar im Flugzeug auf das eigene Leben haben kann, durfte mein nach Neuseeland ausgewanderter Cousin übrigens schon vor einigen Jahren am eigenen Leib erfahren: er hat seine neuseeländische Ehefrau im Flugzeug kennengelernt – ganz ohne Social Seating.

In diesem Sinne, guten Flug!

Heißes Wasser

Es geht nicht ohne heißes Wasser. Niemals. Nirgends. Darum bekommen argentinische Babies statt einer Flasche mit warmer Milch auch eine Thermoskanne mit eben diesem. Das vermute ich jedenfalls. Und ich kann es verstehen.

Mit einer Thermoskanne unter dem Arm rumzulaufen ist in Argentinien auch als Erwachsener nichts ungewöhnliches. Der Grund ist ein alter Brauch, den die Argentinier noch heute pflegen. Mindestens vier von fünf Argentiniern mindestens einmal die Woche, behauptet mein Reiseführer. Meiner Erfahrung nach ist das noch untertrieben.

Mate ist als Argentiniens Nationalgetränk und ein ständiger Alltagsbegleiter. In Deutschland eher als Tee und, seit kurzem, als Eistee-Verschnitt “Club Mate” bekannt, werden die Blätter des mit der Stechpalme verwandten immergrünen Mate-Strauches südlich des Äquators nach einem genau festgelegtem Ritual mit heißem Wasser aufgegossen. Als Trinkgefäß dient ein ausgehöhlter Flaschenkürbis, der mindestens bis zur Hälfte mit yerba mate (gehexelte Mate-Blätter) gefüllt wird.

Getrunken wird aus dem Bombilla, einem Strohhalm aus Metall mit einer Art Sieb am Ende. Dabei wird der ausgehöhlte Kürbis (manche Argentinier benutzen auch ein Gefäß aus Holz) immer wieder neu mit heißem Wasser gefüllt und in der Gruppe herumgereicht. Heißes Wasser gibt es in jedem Laden und an jeder Tankstelle.

Yerba Mate, von dem es dutzende unterschiedliche Sorten gibt, wird in Argentinien vor allem in 500-Gramm-Packungen verkauft, die an deutsche Kaffee-Verpackungen erinnern und ganze Regalwände in den Supermärkten füllen. Dem Inhalt werden beinahe magische Fähigkeiten zugeschrieben: er soll Hunger unterdrücken, wirkt wegen dem darin enthaltenen Koffein aufputschend und zugleich harntreibend und entschlackend. Außerdem scheint ein Zug aus dem bombilla er für viele Argentinier die Zigarette zu ersetzen.

Mit einem argentinischen Reiseleiter und einer Gruppe Backpacker aus aller Welt war ich einmal in der Nähe der chilenischen Grenze in Nordpatagonien zu einer White-Water-Rafting-Tour unterwegs. Auf dem Hinweg verlor der Anhänger, auf dem die beiden Schlauchboote transportiert wurden, ein Rad. (Kein Platten, es ist einfach der komplette Reifen abgefallen). Das erste, was der argentinische Guide tat, war seine Thermosflasche zu zücken. Erstmal einen Schluck Mate.

Auf dem Rückweg ging uns irgendwo im Nirgendwo das Benzin aus. Der argentinische Guide lächelte nur. Noch bevor er den Daumen rausstreckte, um Rückfahrgelegenheiten für unsere kleine Gruppe zu organisieren, zückte er seine Thermoskanne. Erstmal ein Schluck Mate.

Das alles ist fast auf den Tag genau sieben Jahre her. Ich habe mir damals in Argentinien Mate und Bombilla gekauft und einige Pfund yerba mate nach Deutschland geschickt. Dem Internet sei dank ist Nachschub heute ja kein Problem mehr. Nur Argentinien fehlt mir manchmal. Aber das ist eine andere Geschichte.

In diesem Sinne, noch jemand einen Zug aus dem Bombilla?

Reise-Rang

Vielleicht sollte es Rangabzeichen für Reisende geben. Je länger jemand unterwegs ist, mit je weniger Geld er sich durchschlägt und natürlich um so weniger “tourimäßig” jemand reist, desto höher der Rang. Denn machen wir uns nichts vor: Reisen ist harter Wettbewerb!

Nicht von ungefähr ist “Seit wann bist Du schon unterwegs” eine der ersten Fragen des gewöhnlichen Traveller-Smalltalks – lange bevor den Gegenüber nach dem Namen fragt. Rangabzeichen würden hier vieles einfacher machen – und man käme viel früher dazu, sich namentlich vorzustellen.

Ein Land wäre allerdings sehr wahrscheinlich ruiniert, wenn meine Idee umgesetzt werden würde: Laos. Denn von dort kommt das Beer-Lao-T-Shirt – weltweit anerkannter Ersatz für offizielle Reise-Ränge. Glaubt mir: Nur eine Woche auf einer der typischen Backpacker-Routen irgendwo auf der Welt, und Ihr begegnet mindestens einem Beer-Lao-T-Shirt-Träger.

Wie kann das sein? Ausgerechnet das Bier aus einem der ärmsten und touristisch noch weitestgehend unerschlossenen Länder Südostasiens tritt auf T-Shirts einen weltweiten Siegeszug in den Rucksäcken der Backpacker an? Ja – und zwar gerade deswegen.

Südostasien und insbesondere Thailand gilt als ideales Einstiegsland für Backpacker aus Europa und den USA. Die Flüge dorthin sind erschwinglich, das Reisen selbst ist billig und einigermaßen einfach, dennoch schwingt überall dieser Hauch fotogener Exotik mit, der den Daheimgebliebenen später ein staunendes “Oh” oder “Wow” entlockt.

Allerdings ist gerade Thailand inzwischen auch ein beliebtes Ziel für Pauschalreisende. Die können zu Hause dann vielleicht nicht von der Zwei-Euro-Hütte direkt am Strand und den Kakerlaken in derselben erzählen. Dennoch entzaubern diese 0-8-15-Touristen schnell den Hauch von Abenteurer, mit dem sich Rucksackreisende doch so gern umgeben.

Wir praktisch, dass Laos direkt nebenan liegt - und trotzdem vom Massentourismus noch weitestgehend unbeachtet geblieben ist (vielleicht liegt es an den fehlenden Stränden). Wer sagt, er war in Laos, kann zumindest hin und wieder noch punkten. Und wie nett, dass die Laoten praktisch nur eine Biermarke haben – diese aber kaum exportieren. Wer Beer Lao trinken möchte muss und sollte das in Laos tun. Dazu rät sogar die Backpacker-Bibel Lonely Planet: Beer Lao wird im Südostasien-Guide sogar kurzerhand zum besten Beer der Region erklärt. Obwohl ich persönlich ja Chang vorziehe – auch wenn es “nur” aus Thailand kommt.

In diesem Sinne, Prost!

Ankommen und so

In einem Traveller-Magazin in Granada habe ich von meiner alten Heimat gelesen. Prenzlauer Berg in Berlin – dort müsse man nun unbedingt hin, hieß es dort auf Englisch. Neben dem eineinhalb Seiten umfassenden Artikel war ein Ausschnitt aus einem Stadtplan abgedruckt. Nummern in kleinen Kreisen wiesen die Must-See, Must-Drink-In und Must-Tell-From-Orte aus. Rechts im Plan oben meine alte Straße. Werden nun Reisende aus der ganzen Welt an meinem alten Haus vorbeilaufen?

Das Schönste und das Schlimmste am Reisen ist das Ankommen. Natürlich hat man von seinem nächsten Zielort schon mal gehört oder gelesen. Trotzdem sieht der Ort immer anders aus, als man ihn sich vorgestellt hat. Das fängt schon damit an, dass Stadtpläne immer eben sind – echte Orte aber gerne bergig oder mindestens hügelig. Was auf dem Papier platt und einfach zu überblicken aussieht, irritiert in der Realität gerne mit steil ansteigenden Straßen, verwinkelten Gassen und/oder unerwarteten Bäumen. Manchmal stimmt auch die Karte, trotzdem stellt sich die Wirklichkeit quer.

So passiert ist mir das in Cadiz. Im Reiseführer gab es glücklicherweise eine Skizze der Innenstadt, in der sogar mein Hostel eingezeichnet war. Trotzdem weigerte sich die Karte konsequent, mich vom Busbahnhof aus auch dorthin zu führen. Wo auf der Karte ein Hafen war, stand in der Realität eine Lagerhalle. Wo die Karte eine Kreuzung verortete, gab es nur eine steil ansteigende, kurvige Straße.

Des Rätsels Lösung: ich war eine (nicht eingezeichnete) Haltestelle zu früh aus dem Bus aus Ronda ausgestiegen – und war nun keine 500 Meter, sondern nur noch 50 Meter von meiner Unterkunft entfernt. Es hat fast eine halbe Stunde gedauert, bis ich das begriffen hatte. Mein Hostel war also direkt nebenan. Nur: wie hätte ich es auch wissen sollen? Ich war vorher noch nie in Cadiz!

Manchmal hilft es, einfach drauf los zu laufen. In Madrid bin ich um halb elf in der Nacht gelandet. Das ist besonders unangenehm, denn nachts sehen neue Städte weder ihrem Reiseführer-Ich noch dem Stadtplan ähnlich. Als ich nach zwei Mal Umsteigen die Metro verließ und ins Freie trat, war es, als wäre ich in einer anderen Welt. Die Straße war voll von Menschen. Die Bürgersteige waren übersät mit Tischen und Stühlen aus den Restaurants, um mich herum waren tausend fremde Stimmen. Ich wusste, ich bin richtig – nur in welcher Richtung. Ausnahmsweise hat meine Intuition mich in die richtige Richtung gelenkt. Ich war selten so froh über ein Straßenschild.

Wie wird es den Menschen in Berlin gehen, wenn sie durch meine Straße laufen? Ich weiß nicht, ob das argentinische Restaurant in meiner (Ex-)Straße inzwischen in Reiseführern verzeichnet ist. Oder die eigensinnige Kneipe hinter der Greifenhagener Brücke. Wenn ja, sie wäre es zu Recht.

In diesem Sinne, auf das Ankommen … und so!

PS: Die Karte oben zeigt meine Ankommen- und Weiterreise-Route in Andalusien. Die dazugehörigen Fotos gibt es hier.

The Rock (Gibraltar)

Sogar das Wetter war britisch. Über zwei Stunden lang hatten wir bis zum Grenzort La Línea in der prallen Sonne im Stau gestanden. Nur ein paar Meter weiter lag Gibraltar trotzdem unter einer dichten, grauen Wolke. Als hätten 400 Jahre britische Herrschaft inzwischen sogar das Wetter beeinflusst. Es hätte mich nicht gewundert, wenn es auch noch geregnet hätte.

Wer Gibraltar besucht, kommt fast automatisch über den den Flughafen. Das ist durchaus wörtlich zu verstehen, denn die einzige Straße führt direkt über Start- und Landebahn. Eine rote Ampel signalisiert, wenn hier gerade ein Flugzeug landet. In diesem Fall ist der Durchgang verboten. Der einzige Weg, um nicht über das Rollfeld einzureisen, ist per Schiff zu kommen. Oder zu schwimmen, wobei das meines Wissens verboten ist.

Gibraltar ist eines der am dichtesten besiedelten Gebiete der Erde. Auf dem gerade mal 6 x 1,2 Kilometern großen Stück Erde leben rund 30.000 Menschen. Dabei ist ein großer Teil der Halbinsel nicht bebaut, sondern wird von dem schon von weitem sichtbaren, 426 Meter hohen Felsberg “The Rock” eingenommen. Er ist die größte und eigentlich auch einzige Landmarke Gibraltars. Ansonsten ist die britische Enklave einigermaßen langweilig.

Direkt hinter der Grenze weist ein englisches Schild darauf hin, dass es verboten ist, Müll auf den Boden zu werfen. Wer es trotzdem tut, muss 20 Pfund Strafe zahlen. Die betont britischen Pubs in der sauber herausgeputzten Hauptstraße überbieten sich mit “Fish and Chips”-Angeboten. Bezahlt wird in Gibraltar Pfund, das eins zu eins in britische Pfund umgerechnet wird, oder in Euro. Eine Ausnahme ist das Postamt, das seit 2005 den Titel “Royal” führen darf und ausschließlich Gibraltar Pfund akzeptiert.

Verlässt man die Hauptstraße, wird Gibraltar hässlich. Viele Häuser wirken heruntergekommen. Ein “Senior Club” wirbt um die Gunst der immer älter werdenden Bevölkerung und weist ausdrücklich darauf hin, das auch Senioren aus anderen Ländern willkommen sind. Zumindest die sichtbare Hauptattraktion des Senior-Club: Spielautomaten, wie man sie aus deutschen Eck-Kneipen kennt.

Es gibt es wahrlich schönere Orte auf dieser Welt als Gibraltar. Und sonnigere. Warum offenbar trotzdem genügend Leute nach Gibraltar reisen, dass es für über zwei Stunden Stau reicht, erfahren wir bei der Ausreise – bei der Einreise war es uns gar nicht aufgefallen. Direkt hinter der Grenze reihen sich die Zigaretten- und Schnapsläden dicht an dicht. Einkaufen auf Gibraltar ist zollfrei möglich – die Packung Marlboro kostet 2,50 Euro.

In diesem Sinne, frohes Rauchen!

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