Homer Simpson

Vor zwei oder drei Jahren gab es in den USA eine Umfrage mit einem seltsamen Ergebnis: ein nicht geringer Prozentsatz der befragten Amerikaner gab an, am liebsten sein zu wollen wie Homer Simpson.

Das ist gleich in mehrerer Hinsicht überraschend: zum einen ist Homer Simpson kein Mensch, sondern eine Zeichentrickfigur. Zum anderen zeichnet er sich weder durch besondere Intelligenz, noch durch besonders gutes Aussehen oder sonstige vermeintlich erstrebenswerte Eigenschaften aus. Im Gegenteil: Homer Simpson hat genau drei Haare auf dem Kopf, ist übergewichtig, faul und nicht besonders schlau. 

Dass sein Leben offenbar trotzdem so erstrebenswert ist, liegt wohl vor allem daran, dass er so leicht zufrieden zu stellen ist. Es braucht nicht viel, um Homer glücklich zu machen: einen Doughnut, ein kaltes Bier – seine Ansprüche sind nicht besonders hoch. Auch wird sein Glück nicht durch großes Grübeln geschmälert. Er nimmt, was er bekommt und macht sich nicht großartig Gedanken über den Rest. 

Beneidenswert – oder?
Mal angenommen, die sprichwörtliche gute Fee käme vorbei und böte einem an, seinen IQ mal eben auf die Hälfte zu reduzieren. Damit einhergehend das Versprechen, danach zwar um einiges dümmer, aber eben auch um einiges zufriedener und glücklicher zu sein. Würde man für mehr Zufriedenheit auf Intelligenz verzichten wollen?

Homer Simpson hätte eine klare Antwort. In Folge 257 wird festgestellt, dass Homer einen Buntstift im Gehirn stecken hat (als Kind hatte er sich immer Buntstifte in die Nase geschoben). Der Stift wird entfernt und Homer um einiges klüger – allerdings auch unglücklicher. Am endet bittet er den Kneipenbesitzer Moe, den Stift wieder zurück zu stecken. 

In diesem Sinne, immer vorsichtig beim Malen nach Zahlen!

Kopf oder Zahl

Ein Koffer und eine Tasche – mehr braucht es nicht. Das findet jedenfalls Thomas Linde. Dann stirbt er. Das ist ärgerlich für ihn, aber gut für seinen Schöpfer, Uwe Timm. Die Nahtod-Erfahrung seines Protagonisten gibt dem Schriftsteller nämlich die Möglichkeit, die letzten Tage im Leben des Alt-68ers, Jazzkritikers und Beerdigungsredners besonders effektvoll Revue passieren zu lassen. 

“Rot” ist Timms stärkstes Buch, allerdings ist das hier nicht das Thema. “Ich lebe in weißen leeren Räumen, ohne Ballast [...] Zwei leere Zimmer in einer Dachwohnung”, lässt Timm seine Hauptfigur gleich am Anfang des Buches, auf Seite 10, erklären. ”Ein Koffer und eine Tasche, das ist mein Hausstand. Ich kann jederzeit weiterziehen.”

Ein großartiges Konzept. Ich habe schon einmal geschrieben, dass ich es mag, mit leichtem Gepäck zu reisen. Und auch wenn man gerade mal nicht unterwegs ist, wie befreiend muss es sein, sein Hab und Gut prinzipiell jederzeit unter den Arm klemmen und weiterziehen zu können? 

Aber ist es wirklich so einfach?
Habe ich nicht gerade (im letzte Post) noch genau das Gegenteil beschworen?

Um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht.
Ich liebe es, on the road zu sein. Gleichzeitig kann es aber auch ein sehr schönes Gefühl sein, wenn man anfängt, irgendwo Wurzeln zu schlagen; wenn man spürt, dass man gerade dabei ist, irgendwo anzukommen.

In diesem Sinne, Kopf oder Zahl?

Popelalarm

Warum, wollte die Stimme aus dem Radio wissen, bohrt jemand im Auto in der Nase, während er im Stau steht oder an roten Ampel auf grün wartet. Rechnet er nicht damit, von allen Seiten beäugt und bei dieser verpönten Handlung missgünstig beobachtet zu werden? Würde er es, auf frischer Tat ertappt, zugeben? Wohl nicht.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, worum es in besagter Radiosendung ging, oder warum der Moderator ausgerechnet diese Frage stellte. Man könnte den Sachverhalt allerdings noch auf allerlei andere Dinge ausdehnen. Etwa wieso jemand seine Wohnung nicht aufräumt, wenn er doch genau weiß, dass er Besuch bekommt. Oder warum es eine Katastrophe ist, nach dem Essen noch Spinat oder Salat zwischen den Zähnen zu haben. Kurz: warum jemand sich nicht zumindest bemüht, den guten Schein zu wahren.

Mal ehrlich – welchen Sinn hat es, so zu tun, als hätte man noch nie in der Nase gebohrt, masturbiert oder in der vollbesetzten Bahn einen fahren lassen? Wieso gibt es eine offenbar ganze Reihe von Dingen, die jeder tut (oder die zumindest jedem passieren können), die aber trotzdem als böser Fauxpas gelten und die es daher tunlichst zu überspielen gilt? Wieso ist es trotzdem irgendwie desillussionierend, wenn man sich bewusst macht, dass wohl kaum einer diese Dinge zugeben würde, sich aber trotzdem, davon bin ich überzeugt, keiner davon ganz freisprechen kann?

Wir leben in einer Welt voller Schauspieler, und selbst die werden regelmäßig desillussioniert, im wahrsten SInne des Wortes. “Früher träumte ich davon, für immer von exotischer Frauenwäsche umgeben zu sein”, sagt John Cusack alias Rob in der Romanverfilmung von High Fidelity bezogen auf das Zusammenziehen mit einer Frau, “inzwischen weiß ich, daß die ihr bestes Model für die Nacht aufsparen, in der sie mit jemandem schlafen.”

Wir müssen uns wohl damit abfinden: auch schöne Frauen tragen manchmal ganz gewöhnliche Alltagsunterwäsche, und wenn man nur lange genug wartet, wird man wohl auch Brad Pitt mit dem Finger in der Nase erwischen können.

In diesem Sinne, alles wird gut!

Sex im Flugzeug II

Eindeutig zu wenig Sex!

Dieser Schluss liegt jedenfalls nahe, wenn ich mir die Zugriffsstatistik meines Blogs der letzten drei Monate angucke. Demnach ist gut ein Viertel der Besucher von Felix-Welt über eine Google-Suche hier gelandet – mit zum Teil recht eindeutigen Suchbegriffen. 

Gut, der mit Abstand häufigste Suchbegriff ist (immer noch) schlicht “Felix Welt”, was mich, ich gebe es ja zu, schon freut. Andererseits wird gehen die Google-Anfragen schon ab Platz drei in eine gänzlich andere Richtung: “Riga Sex” steht hier nur knapp vor “Sex im Flugzeug”. Später folgen “Mottoparty Nutten” (Platz 8), “Porno im Flugzeug” (Platz 11) und “Weltsex” (Platz 15) – was immer damit gemeint ist. 
Leider ist davon auszugehen, dass keiner dieser ach so verzweifelt Suchenden bei mir fündig geworden ist. Traurig, eigentlich. Außerdem hinke ich, so ganz ohne Sex, meiner Zeit ohnehin eindeutig hinterher – und das um fast 50 Jahre!
Sex verkauft Spinat” titelte schon 1961 Die Zeit und beschrieb die Marketingstrategie einer Lebensmittelfirma, die ihre Waren vor allem fernmündlich via Telefon an den Mann zu bringen versuchte: “Dem Kaufmann wird es leicht, einem anderen Mann ein ‘Nein’ durch den Draht an den Kopf zu werfen”, zitiert der Autor des Artikels einen Angestellten der Firma und konkludierte: “Wie wäre es [...] wenn eine schöne Frauenstimme den Kaufmann zärtlich umwerben und sozusagen um die Order buhlen werde? Dann würde der Kaufmann nicht mißmutig auf den Gefrierschrank schielen und den Hörer auflegen, sondern, das wöchentliche zärtliche Telephonat freudigst erwarten.”
Die meisten meiner Einträge hier haben nichts (oder nur wenig) mit Sex zu tun. Oft sind es ganz alltägliche Situationen, die ihren Weg in mein Notizbuch und letztlich in mein Blog finden. Trotzdem werden sie gelesen – und dafür möchte ich mich bedanken!
In diesem Sinne – und bis bald!

Tod durch Bloggen

Geschätzter Leser, ich muss Dich warnen: das Lesen dieses Blogs könnte gefährlich sein. Wenn nicht für Dich, dann doch wenigstens für mich. Ersehnter Leser, nimm es mir nicht übel, aber möglicherweise bist sogar Du verantwortlich für meine drohende Nahtod-Erfahrung, die zwar noch nicht spürbar, aber sicher schon sehr nahe ist.

Writers blog till they drop“, titelte gestern die New York Times und verwies auf gleich zwei Todesfälle im Blogger-Milieu binnen kurzer Zeit. Ein dritter Blogger habe nur mit knapper Not den Herzanfall überlebt, den ihm diese äußerst stressige und fordernde Tätigkeit beschert hatte. “To be sure”, räumt die Times zwar ein, “there is no official diagnosis of death by blogging” – aber deswegen das Risiko einfach als Blödsinn abtun?

Zugegeben: Ich mag mein Blog, allerdings hätte ich auch nie gedacht, dass es so gefährlich sein könnte. Andererseits wäre es sonst ja auch irgendwo langweilig. Ein bisschen Risiko braucht der Mensch schließlich – oder?

Im Augenblick scheint es eine Art Trend zu sein, sich um seine Altersvorsorge zu bemühen. Ob Riester-Rente oder Bausparen – für jeden ist was dabei. Man verfolge nur einmal die Werbeunterbrechungen im Vorabendprogramm. Und damit man auch etwas von den so angesparten Millionen hat, erklären unzählige Bücher, Zeitschriften und Seminare zudem bereitwillig, wie man ein mindestens biblisches Alter erreicht, um all die angesparten Freuden im Alter auch noch genießen zu können.

Nicht dass ich das für falsch halten würde. Altersvorsorge ist wichtig! Auch sich einen halbwegs gesunden Lebensstil anzugewöhnen, ist sicherlich nicht die schlechteste Wahl. Aber muss man es immer gleich übertreiben?

“Ich höre auf zu Trinken, höre auf zu trinken, lebe eine Woche länger und dann – in dieser Woche regnet es”, hat der Theaterregisseur Luc Bondy einmal gesagt. Das ist eine reichlich sarkastische, aber längst nicht falsche Sichtweise.

Ich bin kein Fan von Extremen, aber extremes Mittelmaß ist wohl auch kein Lösung.

In diesem Sinne, keine Angst beim Lesen – ich komm schon drüber weg …

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