Tag Archive for 'Lebenshilfe'

Nebeneinander

Manchmal ist es ganz schön anstrengend, neben jemandem zu stehen. Zumindest wenn es nicht irgendjemand ist. Wenn dieser jemand einem nämlich etwas bedeutet, das Gefühl aber nicht erwidert, dann kann es sogar richtig schmerzhaft sein.

Ich weiß nicht, ob ich damals verliebt gewesen bin. Verknallt in jedem Fall, was in meinen Augen schon noch etwas anderes ist. Wir haben zusammen gearbeitet, einander aus dem Weg zu gehen war also schwierig. Dass sie kein Interesse an mir hatte, hat sie mir allerdings recht schnell signalisiert. Ich fand das damals sehr fair. Geholfen hat es nicht. Gefühle kann man eben nicht einfach abschalten.

Was tut man in so einer Situation? Kann man so eine Situation überhaupt mit dem Verstand bewältigen? Der Kopf ist nur dazu da, den Bauch zu legitimieren, habe ich an anderer Stelle einmal sinngemäß geschrieben. Leider kann der Kopf manchmal ganz schön ratlos dastehen, wenn der Bauch (oder eben das Herz) nicht bekommt, was er (es) will – ganz egal, was man sich einzureden versucht.

In diesem Sinne – öfter mal den Stehplatz wechseln!

PS: Für alle, die das Foto kennen – nein, es war nicht die darauf abgebildete Dame.

Der Koma-Freund

Manchmal nennt sie ihn den Koma-Freund. Allerdings meint sie das nicht böse. Sie ist einfach nur frustriert. Sie hat einen interessanten Mann kennengelernt, und dessen Freundin liegt tatsächlich im Koma. Und jemand, der im Koma liegt, dem spannt man doch nicht den Freund aus – oder vielleicht doch?

Zugegeben, das klingt eher nach der Kurzbeschreibung eines Filmplots als nach dem wahren Leben. Trotzdem ist die Geschichte nicht erfunden¹. Das ist auch der Grund, warum ich ein wenig ratlos war, als besagte Freundin mir vorhin davon erzählt hat. Bei einem Film hätte ich zumindest empfehlen können, einfach zum Happy End vorzuspulen – im wahren Leben geht das leider (noch) nicht.

Im Krieg und in der Liebe sei alles erlaubt, hat Napoleon einmal gesagt. Aber stimmt das? Zum Ausspannen gehören immer drei: 1. Jemand, der ausspannt; 2. jemand der ausgespannt wird und 3. jemand, dem jemand ausgespannt wird. Letzterer muss normalerweise damit leben, wenn sein Partner oder seine Partnerin sich “abwerben” lässt. Das ist dann schmerzhaft, aber letztlich der Lauf des Lebens.

Anders ist es, wenn der Verlassene nicht wirklich wehren konnte – ja nicht mal mitbekommt, wie ihm geschieht und auch keine Chance hat, das Blatt noch zu seinen Gunsten wenden. So etwas auszunutzen erscheint uns unmoralisch, man tut es einfach nicht. Genau so, wie man ja auch keinen Einbeinigen zum Hundertmeterlauf herausfordert.

Was aber, wenn hinter der Ziellinie die Frau bzw. der Mann des Lebens wartet? Überlässt man dann dem Einbeinigen das Feld, bloß weil dieser eben nur ein Bein hat? Was meint Ihr?

In diesem Sinne, ready, set, go!

¹allerdings auf Bitte derjenigen, die sie mir erzählt hat, ein wenig verfremdet

Verschwommen

2009-01-17-nebelDas Monster fehlt, ansonsten ist das Setting ist perfekt. Nebelschwaden wabern durch das Bild, man kann kaum zehn Meter weit sehen. Nur vereinzelt dringen Geräusche durch die Dunstwolken. Man hat tatsächlich das Gefühl, mitten in einem Horrorfilm zu sein.

Eigentlich sollte ich mich ja mittlerweile  den Bodensee-Nebel gewöhnt haben, der zu dieser Jahreszeit morgens, abends und nachts allgegenwärtige Dunst fasziniert mich noch immer. 

Vom Bahnhof zu meiner Wohnung sind es zu Fuß ungefähr zehn bis 15 Minuten. Im Nebel scheinen diese Zeitangaben allerdings gänzlich ihre Bedeutung zu verlieren. Was hinter mir ist verschwimmt ebenso plötzlich, wie das, was vor mir liegt. Alles reduziert sich auf die paar sichtbaren Meter um mich herum. Manchmal wünsche ich mir, der Rest des Lebens wäre ebenfalls so übersichtlich. 

Komisch eigentlich, denn manchmal frage ich mich, ob die Dinge außerhalb des Nebels wirklich so kompliziert sind – oder ob wir sie nur so kompliziert machen.

In diesem Sinne, nicht einhüllen lassen!

Fluchtpunkt

2009-01-11-jever1Gerade weil sie vorbei ist, ist sie gefährlich. An manchen Tagen ist es leicht, sich in ihr zu verlieren. Gut ist das nicht. Sich zu sehr auf die Vergangenheit zu konzentrieren bedeutet, das Hier und Jetzt zu vernachlässigen. 

Trotzdem gibt es diese Tage, an denen ich einfach nicht anders kann. Eine Erinnerung jagt die nächste. In süßer Melancholie gefangen spaziere ich in Gedanken die alten Wege ab, verliere mich in Reiseerinnerungen und Momentaufnahmen früherer Leben.

Immer neue Bilder tauchen vor meinen Augen auf. Gerüche, Gedanken, sogar Geschmäcke. Etwa das herbe Jever-Aroma, das ich immer noch auf der Zunge spüre, wenn ich an die ersten Besuche in Wuppertal denke, als ich noch in Berlin gewohnt habe. Es war das Bier, das mein Vater kalt gestellt hatte, wenn ich am Abend in Wuppertal aus dem ICE gestiegen bin. 

Die Biersorte hat mittlerweile gewechselt, doch der Vorteil der Reise ins Damals liegt auf der Hand: Die Vergangenheit ist wie ein gelesener Roman, man kennt ihr (vorläufiges) Ende. Bei den Dingen, die mir heute Sorgen machen, weiß ich noch nicht, wie sie sich entwickeln. Das “Früher” ist da deutlich unkomplizierter. Ein toller Fluchtpunkt für die Gedanken eben. 

Hinzu kommt, dass die zeitliche Distanz relativierend wirkt. Rückblickend, im Gesamtkontext betrachtet, wirkt heute vieles leichter, was früher tonnenschwer auf meinen Schultern zu lasten schien. Wie erfrischend unbedeutend sind heute die Sorgen von damals, denn fast alle davon haben sich – so oder so – erledigt.

Keine neue Erkenntnis, eigentlich. Komisch wird das Ganze trotzdem. Nämlich immer dann, wenn man sich bewusst macht, dass auch das Jetzt irgendwann zu einem Früher und damit ebenfalls zu einem potenziellen Ziel für eine Flucht aus der Realität wird.

In diesem Sinne, gute Reise auch!

Lebenshilfe II

Noch mal was zum Thema Lebenshilfe von Google:
“Ist Felix ein Arsch”, war die Frage, die ein Suchender oder eine Suchende gestern in das Suchfeld des Quasi-Monopolisten eingetippt hat – und damit prompt auf Felix Welt gelandet ist.

Ich wüsste zu gern, ob er oder sie hier eine Antwort gefunden hat …

In diesem Sinne, nicht verzagen – Google fragen!

Lebenshilfe

Googles Dominanz unter den Suchmaschinen ist wohl hinreichend bekannt: mehr als 90% der deutschen Internetnutzern navigieren mit Hilfe der Seite mit den bunten Buchstaben durchs Netz.

Einige von ihnen erhoffen sich von Google offenbar sogar echte Lebenshilfe: “ist felix der richtige mann für mich”, suchte eine Dame (oder ein Herr) vorgestern – und landete auf meiner Seite.

Ob sie hier eine Antwort gefunden hat, weiß ich nicht, ein wenig schmunzeln musste ich aber schon.

In diesem Sinne, unbekannterweise einen schönen Gruß!

Fehlinvestitionen

Der gedachte Versuchsaufbau ist einfach: der Proband sitzt an einem einfachen Tisch und wird aufgefordert, sich zu entscheiden: “In welche Firma möchten Sie investieren: A oder B?” Der Proband entscheidet sich und bekommt nach einer kurzen Pause das Ergebnis seiner Wahl mitgeteilt: sie war falsch. Hat er sich für Firma A entschieden, war es Firma B, die sich am Markt deutlich besser behaupten konnte, präferierte er Firma B, war es Firma A, die die schwärzeren Zahlen schrieb.

Interessant wird es nun, wenn der Proband erneut entscheiden muss, in welche Firma er bei der nächsten Runde investieren möchte: die Mehrheit der Versuchspersonen hält an der ersten Entscheidung fest und das nicht nur in dieser, sondern auch in weiteren Runden. Er investiert weiter in Firma A respektive B, egal wie rot die Zahlen sind, die diese schreibt.

Die Erklärung ist simpel: die erste Investition soll nicht umsonst gewesen sein. Dies gilt um so mehr, je mehr Geld die Versuchsperson fiktiv in den Sand gesetzt hat. Je größer die Fehlinvestition, desto größer auch der Verlust, der mit einer Umkehr eingestanden wäre. Entsprechend hält der Proband an seiner Wahl fest, selbst wenn die Verluste den zu erwarteten Gewinn längst überholt haben.

Auch wenn der tatsächliche Versuchsaufbau normalerweise komplexer ist (es hat nämlich wirklich einige Versuche in dieser Richtung gegeben), das Ergebnis bleibt im Großen und Ganzen gleich: der Mensch neigt dazu, an Einstellungen und Entscheidungen festzuhalten, selbst wenn diese sich rational betrachtet als unsinnig erwiesen haben.

Dies gilt leider nicht nur für die Finanzwelt, sondern auch für das ganz “normale” Leben. Wer einmal eine vermeintlich falsche Richtung eingeschlagen hat, ist oft nur schwer wieder davon abzubringen.

Vielleicht ist das der Grund, warum wir uns immer wieder in Beziehungen stürzen, von denen wir schon nach kurzer Zeit wissen, dass sie nicht gut für uns sind. Vielleicht halten wir deshalb an Jobs fest, die uns keinen Spaß machen, oder an Freundschaften, die eigentlich mehr Belastung als Bereicherung sind? In jedem Fall Wert, mal darüber nachzudenken.

In diesem Sinne, Firma A oder Firma B?