Stundenweise

Acht Stunden sind Quatsch. Weil sie nicht durch 1,5 teilbar sind. 1,5 Stunden dauert ein durchschnittlicher Schlafzyklus beim Menschen. Von leichtem Schlaf über eine Tiefschlaf-Phase zur Traumphase und wieder zurück. Wird man während einer Tiefschlafphase aus demselben gerissen, ist man müde, desorientiert und unerholt.

Darum empfehlen Wissenschaftler, lieber sechs, siebeneinhalb oder – wenn schon, denn schon – gleich neun Stunden zu schlafen. Mit anderen Worten: wer nach sechs Stunden aufsteht ist vermutlich erholter als jemand, der sich die sprichwörtlichen acht Stunden genehmigt. Viereinhalb Stunden sind besser als fünf Stunden und drei besser als vier.

Leider ist das gar nicht so einfach. Es bedeutet nämlich, dass man so ins Bett geht, dass man eben so lange vor dem Weckerklingeln einschläft. Das Kapitel noch zu Ende lesen? Ist nicht! Und wehe man ist nach dem Ausschalten des Lichts nicht sofort weg.

Diese Tatsache haben sich nicht nur die Produzenten von Weckern inzwischen zunutze gemacht. Schlaue Schlafphasen-Wecker gibt es inzwischen sogar als Smartphone-App. Alles was man tun muss ist, die gewünschte späteste Weckzeit einzuprogrammieren und das Handy in der Nähe in der Nähe des Kopfkissens unter dem Laken zu platzieren.

Per Bewegungssensor des Telefons misst dann, wie oft und intensiv der Schläfer sich im Schlaf bewegt und schließt daraus, in welcher Schlafphase er sich wohl gerade befindet. Rückt die gewünschte Weckzeit näher, sorgen viele Bewegungen automatisch dafür, dass das Handy in den Weckmodus wechselt. Statt unsanft aus dem Tiefschlaf gerissen zu werden, gleitet der Schläfer entspannt in die Wachphase – selbst wenn die gewünschte Weckzeit noch einen halben Traum weit weg ist.

Soweit die Theorie. Die Praxis sieht leider anders aus. Ich neige nämlich leider dazu, nachts öfter kurz aufzuwachen. Das ist meist auch kein Problem – zumindest, wenn kein Handy meinen Bewegungsdrang bewertet.

Habe ich mich früher nach einem nächtlichen Aufwachen automatisch noch einmal umgedreht habe, traue ich mich das nun nicht mehr. Das Telefon könnte aus meiner Bewegung ja schließen, dass ich nun wohl besser aufstehen sollte. Statt entspannt noch einmal einzuschlafen, liege ich also angespannt neben meinem Telefon und hoffe, das Gerät merkt nicht, dass ich viel zu früh aufgewacht bin. Mit der Nachtruhe ist es dann natürlich vorbei.

Um es kurz zu machen: inzwischen schlafe ich wieder allein – ohne Telefon. Deswegen schlafe ich nicht zwangsläufig besser. Aber wenigstens bin in wieder alleine Herr über meine Tiefschlafphasen.

In diesem Sinne – gute Nacht!

Schlussmachen²

Darf man zwei Mal mit derselben Frau schlussmachen?

Die Frage ist jetzt nicht hypothetisch, sondern durchaus praktisch gemeint. Die Gründe, warum man sich einmal in einen Menschen verliebt hat, verschwinden ja mit der Trennung meist nicht einfach. Sie werden eben nur von Schlussmach-Gründen überlagert. Die Chancen, sich wieder in denselben Menschen zu verlieben, stehen also gar nicht so schlecht. Zahlreiche Fälle in meinem Bekanntenkreis beweisen das.

Allerdings ist es mit den Schlussmach-Gründen oft nicht anders als mit ihren Kontraparts: sie verstecken sich vielleicht, so richtig verschwinden tun sie aber nicht. Oft lauern sie statt dessen nur darauf, still und heimlich wieder unter der gemeinsamen Couch hervor zu kriechen.

Ich habe bisher noch keine Beziehung zwei Mal beendet. Ich träume aber manchmal davon. Normalerweise ist mir schon im Traum klar, dass auch dieser zweite Versuch mit der Ex nicht erfolgreich sein wird – und frage mich, wieso ich ihn überhaupt wage. Ich sollte die Reißleine ziehen, bevor es zu spät ist, denke ich dann. Meist ist es dann in meinem Traum aber schon zu spät. Ehe ich mich versehe, bin ich in einer Beziehung, von der ich weiß, dass sie nicht funktionieren wird.

Die dazugehörige Frau sieht das leider anders. Für sie ist nun endlich wieder zusammen, was zusammen gehört. In ihren Augen habe ich meine Fehlentscheidung von damals korrigiert während ich verzweifelt nach Argumenten suche, warum nun diese Entscheidung eine Fehlentscheidung war.

Zwei Mal mit derselben Frau schlussmachen – ist das nicht irgendwie grausam, gerade wenn die erste Trennung schon schmerzhaft genug war?

Ich kenne Paare, die haben sich getrennt und wiedergefunden. Inzwischen sind sie verheiratet, glücklich, so weit ich weiß. Ich glaube, für so etwas bin ich zu konsequent. Doch auch für mich gilt: keine Regel ohne Ausnahme – Konsequenz ist immer auch irgendwie relativ.

In diesem Sinne, darf man zwei Mal mit derselben Frau schlussmachen?

Glory Days


Ich glaube, ich war 15, als ich das erste Mal von den glorreichen Tagen gehört habe. Bruce Springsteen trug ein Hemd, das er an den Armen hochgekrempelt und an der Knopfleiste runtergeknöpft hatte. Außerdem sang er von einer Zeit, die er anscheinend vermisste, die aber zugleich schon oder noch nicht so weit weg war, dass man nicht nach ein paar Bier in einer Bar an der Straße darauf zu sprechen kommen konnte.

Mit 15 Jahren ist es schwer, sich so etwas vorzustellen. In der Pubertät kommt einem ein halbes Jahr schon wie ein halbes Leben vor, und man ist normalerweise froh, es hinter sich zu lassen und noch ein Stück erwachsener zu werden. Nostalgie ist nun einmal ein Gefühl, das Zeit braucht, um sich zu entwickeln. Und einen halbwegs gesicherten Standpunkt, von dem aus man damit anfangen kann.

Inzwischen ist es Freitagabend, 2011, und ich sitze zuhause vor meinem Laptop. Es ist mit Sicherheit keiner dieser Abende, an die ich mich später einmal erinnern werde. Zugleich erinnere ich mich aber an so manchen anderen Freitagabend, der noch nicht ganz so lange her ist.

Bruce Springteen hat “Glory Days” 1982 aufgenommen. Springsteen war damals 33 Jahre alt – ich war drei. Heute, mit 31, frage ich mich manchmal, ob es da eine Schwelle gibt; einen Punkt, an dem die neuen Erlebnisse einfach nicht mehr gegen die alten Erlebnisse ankommen. Wenn es auf einmal naheliegender ist, in einer Kneipe beim Bier zu sitzen und über alte Erlebnisse zu sinnieren, statt neue Erlebnisse zu sammeln.

Ich werde dieses Jahr 32 Jahre alt, Bruce Springsteen 62. Erst im vergangenen Jahr hat “der Boss” ein neues Album veröffentlicht. Ich werte das mal als gutes Zeichen.

In diesem Sinne – working on a dream!

Nebeneinander

Manchmal ist es ganz schön anstrengend, neben jemandem zu stehen. Zumindest wenn es nicht irgendjemand ist. Wenn dieser jemand einem nämlich etwas bedeutet, das Gefühl aber nicht erwidert, dann kann es sogar richtig schmerzhaft sein.

Ich weiß nicht, ob ich damals verliebt gewesen bin. Verknallt in jedem Fall, was in meinen Augen schon noch etwas anderes ist. Wir haben zusammen gearbeitet, einander aus dem Weg zu gehen war also schwierig. Dass sie kein Interesse an mir hatte, hat sie mir allerdings recht schnell signalisiert. Ich fand das damals sehr fair. Geholfen hat es nicht. Gefühle kann man eben nicht einfach abschalten.

Was tut man in so einer Situation? Kann man so eine Situation überhaupt mit dem Verstand bewältigen? Der Kopf ist nur dazu da, den Bauch zu legitimieren, habe ich an anderer Stelle einmal sinngemäß geschrieben. Leider kann der Kopf manchmal ganz schön ratlos dastehen, wenn der Bauch (oder eben das Herz) nicht bekommt, was er (es) will – ganz egal, was man sich einzureden versucht.

In diesem Sinne – öfter mal den Stehplatz wechseln!

PS: Für alle, die das Foto kennen – nein, es war nicht die darauf abgebildete Dame.

Der Koma-Freund

Manchmal nennt sie ihn den Koma-Freund. Allerdings meint sie das nicht böse. Sie ist einfach nur frustriert. Sie hat einen interessanten Mann kennengelernt, und dessen Freundin liegt tatsächlich im Koma. Und jemand, der im Koma liegt, dem spannt man doch nicht den Freund aus – oder vielleicht doch?

Zugegeben, das klingt eher nach der Kurzbeschreibung eines Filmplots als nach dem wahren Leben. Trotzdem ist die Geschichte nicht erfunden¹. Das ist auch der Grund, warum ich ein wenig ratlos war, als besagte Freundin mir vorhin davon erzählt hat. Bei einem Film hätte ich zumindest empfehlen können, einfach zum Happy End vorzuspulen – im wahren Leben geht das leider (noch) nicht.

Im Krieg und in der Liebe sei alles erlaubt, hat Napoleon einmal gesagt. Aber stimmt das? Zum Ausspannen gehören immer drei: 1. Jemand, der ausspannt; 2. jemand der ausgespannt wird und 3. jemand, dem jemand ausgespannt wird. Letzterer muss normalerweise damit leben, wenn sein Partner oder seine Partnerin sich “abwerben” lässt. Das ist dann schmerzhaft, aber letztlich der Lauf des Lebens.

Anders ist es, wenn der Verlassene nicht wirklich wehren konnte – ja nicht mal mitbekommt, wie ihm geschieht und auch keine Chance hat, das Blatt noch zu seinen Gunsten wenden. So etwas auszunutzen erscheint uns unmoralisch, man tut es einfach nicht. Genau so, wie man ja auch keinen Einbeinigen zum Hundertmeterlauf herausfordert.

Was aber, wenn hinter der Ziellinie die Frau bzw. der Mann des Lebens wartet? Überlässt man dann dem Einbeinigen das Feld, bloß weil dieser eben nur ein Bein hat? Was meint Ihr?

In diesem Sinne, ready, set, go!

¹allerdings auf Bitte derjenigen, die sie mir erzählt hat, ein wenig verfremdet

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...