Gefräßig

Journalisten müssen als sehr hungrig gelten. Oder als sehr gefräßig, je nachdem. Das würde zumindest erklären, warum auf Einladungen zu Presseterminen immer wieder darauf hingewiesen wird, dass “für das leibliche Wohl gesorgt ist”. Oder dass es “auch einen Imbiss geben wird”.

Manchmal wird die Einladung auch gleich in Großbuchstaben mit “Pressefrühstück” oder auch “Pressebrunch” betitelt – damit es auch die lesefaulen unter den gefräßigen Journalisten in jedem Fall sehen.

Zugeben würden das diejenigen, die die Einladungen schreiben, natürlich niemals. Vielmehr wisse man doch, wie stressig und kräftezehrend der Beruf des Journalisten sei, so ein Pressesprecher, als ich ihn darauf ansprach. Und dass zwischen der Hetze von Termin zu Termin oft einfach keine Zeit bliebe, um auch noch etwas zu essen.

Journalisten sind da gelassener. Nur unter halb vorgehaltener Hand gestand mir vor einiger Zeit ein frei arbeitender Kollege, dass er sich die Termine durchaus auch nach kulinarischen Gesichtspunkten aussuchen würde. “Erzählt wird ja doch immer das selbe – beim Essen dagegen geben sich die meisten noch richtig Mühe!”

Ich gebe zu, ein gutes Licht wirft das nicht auf meinen Berufsstand. Mal ganz abgesehen davon, dass mir nach diesem Blogeintrag keiner mehr glauben wird, dass für mich die Art der Verpflegung bei einer Pressekonferenz oder einem ähnlichen Termin nicht wirklich ausschlaggebend ist. Oder sagen wir: fast nicht ausschlaggebend. Denn eine Ausnahme gibt es: ein Hintergrundgespräch mit einem Vertreter der kassenärztlichen Vereinigung.

Da ich seit Jahren nicht mehr richtig krank und mindestens eben so lange nicht mehr beim Arzt war (sieht man vom Zahnarzt ab), habe ich bei diesem Termin wirklich gerne und auch sehr gut gegessen. Irgendwie muss ich mir schließlich meinen monatlichen Abzug für die Krankenversicherung wieder reinholen – und sei es auch nur ansatzweise. Wobei … natürlich wäre ich auch ohne Essen zu dem Termin gegangen.

In diesem Sinne, auf gute Gesundheit!

Domina-Gedanken

Manche Gespräche sollte ich hier lieber nicht wiedergeben. Ihr könntet sonst einen falschen Eindruck von mir bekommen. Zum Beispiel heute. Da sind wir in der Redaktion in nur dreieinhalb Sätzen vom Thema einer banalen Pressekonferenz über betrunkene Flirtversuche weiter zu Facebook und schließlich zum Thema Bondage und zu Domina-Spielen mit Hundeleine gekommen. Und es war nicht mal sonderlich kompliziert.

Das ist natürlich nicht immer so. Manchmal unterhalten wir uns auch ganz normal. Trotzdem ist es eigentlich kein Wunder, wenn man sich mal überlegt, wie das menschliche Gehirn so funktioniert.

Unser Kopf gleicht nämlich einem gewaltigen, dreidimensionalen Spinnennetz. Es gibt unzählige Knotenpunkte, die alle in irgendeiner Form miteinander verbunden sind. Zwischen diesen Knotenpunkten gibt es ein reges Hin und Her. Ständig schießen feine, elektrische Impulse auf den Verbindungen von A nach B nach C und wieder zurück. Stellt sich eine Verbindung als besonders erfolgreich heraus, etwa zwischen “heiße Kochplatte” und “Schmerz”, wird sie ausgebaut. Bewährt sich eine Verbindung nicht, verkümmert sie.

Auf eine ähnliche Art und Weise werden Erinnerungen und Gedanken sortiert. Hören wir ein Lied oft genug im Urlaub, entsteht eine Verbindung, die dafür sorgt, dass wir in Zukunft bei diesem Lied an diesen Urlaub denken. Von dort geht es via Nervenimpuls auf der gut ausgebauten Impulsautobahn weiter zur Erinnerung an unsere Urlaubsbekanntschaft aus eben jenem Sommer. Ein anderer Impuls geht gleichzeitig in Richtung des Konzerts, wo wir das besagte Lied zum ersten Mal gehört haben.

Je weiter sich das Ganze nun verzweigt, desto kurioser kann es werden. Viele Wege führen nach Rom und noch mehr von einem Gedanken zum nächsten. Hinzu kommt, dass unser Gehirn nicht in der Lage ist, nichts zu denken. Ist es unterbeschäftigt, fängt es an, wahllose neue Verbindungen auszuprobieren.Der Volksmund nennt das übrigens Kreativität.

Überlegt man nun, was passieren kann, wenn man die Köpfe von mehreren Menschen gemeinsam vor sich hinspinnen lässt, scheint die Diskussion heute vormittag eigentlich gar nicht mehr so komisch. Bedenkt man außerdem, dass Journalisten sich ja schon von Berufswegen andauernd mit mehr oder weniger seltsamen Menschen rumschlagen, wäre es eigentlich sogar ungewöhnlich, wenn das Gespräch anders oder zumindest weniger kurios verlaufen wäre. Ihr braucht Euch also keine Sorgen um mich zu machen. Zumindest nicht all zu viele.

In diesem Sinne, woran denkt Ihr eigentlich beim Thema Hundeleine?

Generation Zahnarzt

“Herr Neubüser, was muss man hier anstellen, um endlich ein Bier bestellen zu können?”

Wer diese Frage nicht komisch findet, sollte wissen, dass sie von meinem Zahnarzt kam. Und nein, er hat sie nicht in seiner Praxis gestellt, sondern quer durch den Schankraum einer Wuppertaler Kneipe gerufen. Dort hatte ich zwar nicht ihm gerechnet, aber wenn ein Zahnarzt seine Patienten auch am Tresen erkennt, ist das auf eine ganz eigene Art sympathisch.

Die Geschichte ist schon ein paar Jahre her. Inzwischen war ich bei diversen weiteren Zahnärzten. Trotzdem habe ich lange Elternbesuche in der alten Heimat genutzt, um auch gleich nach meinen Zähnen sehen zu lassen (dann doch in der Praxis, nicht in der Kneipe).

Für einen Zahnarztbesuch ein paar hundert Kilometer zu fahren scheint in meiner Generation alles andere als ungewöhnlich zu sein. Vielleicht, weil wir unterm Strich doch alle ein wenig Angst vor diesem Pflichttermin haben und ihn deshalb am liebsten bei jemanden absolvieren, zu dem wir über die Jahre vertrauen aufgebaut haben. Vielleicht auch einfach, weil eine Generation, die stellenbeschreibungsflexibel immer wieder den Wohnort wechselt, sich zumindest für eigenen die Zähne etwas mehr  Stabilität wünscht.

Für Zahnärzte ist uns kein Weg zu weit, scheint es. Ähnliches gilt übrigens auch für Autowerkstätten. Welch Glück ist es da, dass oft die Eltern in der alten Heimat die Stellung halten und eine feste Anlaufstation bieten, sei es nun für die Jahresinspektion am Motor oder im Mund.

Manchmal frage ich mich allerdings, wie es wird, wenn ich selbst Kinder habe. Schon jetzt muss ich einen Moment überlegen, wenn ich die Wohnorte der vergangenen Jahre chronologisch aufzuzählen versuche. Wird sich irgendwann trotzdem ein Ort herausschälen, den ich meinem Nachwuchs als Zahnarzt- und Automechanikerheimat anbieten kann?

Immerhin: heute war ich das erste Mal bei einem Zahnarzt in Karlsruhe. Eine liebe Kollegin (und Freundin) hatte ihn mir empfohlen. Bier hat er mir nicht angeboten, trotzdem habe ich mich wohl gefühlt – zumindest soweit das bei einem Zahnarzt möglich ist. Mit anderen Worten: ich habe ein gutes Gefühl. Und ich werde künftig in Karlsruhes Kneipen die Augen offen halten. Vielleicht kann ich ja mit Bier aushelfen.

In diesem Sinne, Prost!

Gefahrenzulage

Ich muss mit meinem Chef sprechen – denn ich glaube, er weiß gar nicht, welcher Gefahr er mich täglich aussetzt. Mir war das ja selbst bis vor kurzem nicht klar. Dabei hätte es mir schon vor Monaten ins Auge springen sollen.

“WARNUNG” steht in großen, weißen Lettern auf einem kleinen, unauffälligen Schild, das auf der Tastatur meines Büro-Rechners angebracht ist. “Einige Experten sind der Meinung, dass die Verwendung von Tastaturen Gesundheitsschäden hervorrufen kann”, heißt es weiter. Für nähere Informationen solle man die Tastatur umdrehen und auf der Rückseite weiterlesen.

Das habe ich natürlich nicht gemacht – jetzt, wo ich weiß, wie gefährlich meine Tastatur ist. Wie schon gesagt: ich glaube (und möchte zu seinen Gunsten annehmen), dass mein Chef gar nicht weiß, welcher Gefahr er mich tagtäglich aussetzt. Aber eins ist ja wohl klar: um weiter mit diesem Todeswerkzeug zu arbeiten, will ich eine Gefahrenzulage!

In diesem Sinne, ein Wunder, dass ich noch so gesund bin!

Angesprochen

Hin und wieder werde ich auf Felix’ Welt angesprochen. Eigentlich ist es komisch, dass mich das überrascht. Ich blogge unter meinem vollen Namen. Diese Zeilen im Internet zu finden, ist nun wirklich nicht schwer. Ich gehe nicht damit hausieren, dass ich blogge, aber ich verschweige es auch nicht, wenn man mich danach fragt.

Dass ich blogge, hat mir geholfen, meinen aktuellen Job zu bekommen. Ich arbeite bei einem Online-Medium, da gilt Bloggen als Indiz für Online-Affinität.

Zugleich macht es allerdings das bloggen schwieriger, wenn man weiß, dass der Chef unter Umständen mitliest. Ein stellvertretender Chefredakteur einer größeren Tageszeitung und damit früherer Vorgesetzter von mir hat mich zum Beispiel mal mitten im vollbesetzten Newsroom auf meine Liebe zu Hotelzimmern angesprochen. Das war schon seltsam.

Bloggen macht kreativ, habe ich mal irgendwo gelesen. Das gilt nicht nur für den Blogger selbst, der sich ja quasi selbst dazu verpflichtet hat, in regelmäßigen Abständen und auch noch öffentlich kreativ zu sein. Auch Blog-Leser könne durchaus kreativ werden.

So etwa eine liebe Freundin von mir aus Berlin. Sie war ganz beseelt von der Idee, meine Blogeinträge auf bunte Zettel drucken zu lassen und wahllos in Berliner Kneipen und Cafés auszulegen. Haben wir nie gemacht, was auch (aber keineswegs nur) daran lag, dass ich kurz darauf aus Berlin weggezogen bin.

Angesprochen werde ich trotzdem weiter auf mein Blog. Zum Beispiel heute. Da war ich mit einer Kollegin mittags im Supermarkt, die sich schon vor längerer Zeit als regelmäßige Felix’ Welt Konsumentin geoutet hat. Trotzdem bin ich immer wieder aufs Neue irritiert, wenn sie mich mit wohlüberlegten Stichworten auf einzelne Beiträge anspricht.

Ihr macht das Spaß, glaube ich. Ich gönne ihr das. Vermutlich wird sie es morgen wieder tun. Schließlich habe ich ihr jetzt wieder einen Grund gegeben.

In diesem Sinne, viel Spaß dabei!

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