Komische Gedanken

Kennt Ihr das? Wenn einem plötzlich Dinge auffallen, über die man vorher nie nachgedacht hat. Zum Beispiel wenn man das Stück Papier, mit der die neue Rolle Mülltüten zusammengehalten wird, in der ersten Tüte von dieser Rolle entsorgt.

Hat was von einem Tankwagen, der eine Tankstelle mit Diesel beliefert und anschließend an dieser Tankstelle tankt. Oder von einem Fließband, das man braucht, um die Teile für ein Fließband herzustellen. Naja, Ihr wisst schon, was ich meine.

In diesem Sinne – mehr Mut zu komischen Gedanken!

Janua…bähhh

Ich mag den Januar nicht. Aus Gründen. Mehreren sogar:

  • Weil Weihnachten vorbei ist. Da kann man den Dezember über so schön drauf hinleben. Weil man dann Urlaub hat, seine Familie und lauter alte Freunde wiedersieht. Im Januar ist das erstmal vorbei. Was für ein gemeines Loch sich da plötzlich auftut.
  • Weil für einen Nicht-Karnevalisten auch die drohende Fastnacht da nichts dran ändern kann.
  • Weil auf einmal all die Sachen anstehen, die man vor wenigen Tagen noch großzügig auf “nächstes Jahr” verschoben hat.
  • Weil der Januar ein gemeiner Nimmersatt auf meinem Konto ist: Autoversicherung, Kfz-Steuer, Zeit-Abo, Hausratversicherung, usw. – da ist man arm kaum hat man das Dezembergehalt auch nur von weitem gesehen.
  • Weil der Winter im Januar erst richtig loslegt.
  • Weil der Winter aber nicht mehr verschneit-romantisch ist wie manchmal in Dezember oder wenigstens knackig-kalt wie früher in Berlin, sondern nass, ungemütlich und undefinierbar.
  • Weil es draußen immer noch mehr dunkel als hell ist.
  • Weil nach dem Januar nur der Februar kommt – und der ist auch nicht besser (nur kürzer).

In diesem Sinne, ich bin dann mal Winterschlaf machen …

Stundenweise

Acht Stunden sind Quatsch. Weil sie nicht durch 1,5 teilbar sind. 1,5 Stunden dauert ein durchschnittlicher Schlafzyklus beim Menschen. Von leichtem Schlaf über eine Tiefschlaf-Phase zur Traumphase und wieder zurück. Wird man während einer Tiefschlafphase aus demselben gerissen, ist man müde, desorientiert und unerholt.

Darum empfehlen Wissenschaftler, lieber sechs, siebeneinhalb oder – wenn schon, denn schon – gleich neun Stunden zu schlafen. Mit anderen Worten: wer nach sechs Stunden aufsteht ist vermutlich erholter als jemand, der sich die sprichwörtlichen acht Stunden genehmigt. Viereinhalb Stunden sind besser als fünf Stunden und drei besser als vier.

Leider ist das gar nicht so einfach. Es bedeutet nämlich, dass man so ins Bett geht, dass man eben so lange vor dem Weckerklingeln einschläft. Das Kapitel noch zu Ende lesen? Ist nicht! Und wehe man ist nach dem Ausschalten des Lichts nicht sofort weg.

Diese Tatsache haben sich nicht nur die Produzenten von Weckern inzwischen zunutze gemacht. Schlaue Schlafphasen-Wecker gibt es inzwischen sogar als Smartphone-App. Alles was man tun muss ist, die gewünschte späteste Weckzeit einzuprogrammieren und das Handy in der Nähe in der Nähe des Kopfkissens unter dem Laken zu platzieren.

Per Bewegungssensor des Telefons misst dann, wie oft und intensiv der Schläfer sich im Schlaf bewegt und schließt daraus, in welcher Schlafphase er sich wohl gerade befindet. Rückt die gewünschte Weckzeit näher, sorgen viele Bewegungen automatisch dafür, dass das Handy in den Weckmodus wechselt. Statt unsanft aus dem Tiefschlaf gerissen zu werden, gleitet der Schläfer entspannt in die Wachphase – selbst wenn die gewünschte Weckzeit noch einen halben Traum weit weg ist.

Soweit die Theorie. Die Praxis sieht leider anders aus. Ich neige nämlich leider dazu, nachts öfter kurz aufzuwachen. Das ist meist auch kein Problem – zumindest, wenn kein Handy meinen Bewegungsdrang bewertet.

Habe ich mich früher nach einem nächtlichen Aufwachen automatisch noch einmal umgedreht habe, traue ich mich das nun nicht mehr. Das Telefon könnte aus meiner Bewegung ja schließen, dass ich nun wohl besser aufstehen sollte. Statt entspannt noch einmal einzuschlafen, liege ich also angespannt neben meinem Telefon und hoffe, das Gerät merkt nicht, dass ich viel zu früh aufgewacht bin. Mit der Nachtruhe ist es dann natürlich vorbei.

Um es kurz zu machen: inzwischen schlafe ich wieder allein – ohne Telefon. Deswegen schlafe ich nicht zwangsläufig besser. Aber wenigstens bin in wieder alleine Herr über meine Tiefschlafphasen.

In diesem Sinne – gute Nacht!

Oben

Ich war noch nie in der ersten Etage. Bis gestern. Und das, obwohl ich nun schon seit über eineinhalb Jahren in diesem vierstöckigen Haus wohne. Hochparterre. Gestern war ich dafür gleich ganz oben, im vierten Stock.

Ist es nicht komisch, wie oft wir das Naheliegende ignorieren? An einem normalen Tag laufe ich mindestens vier Mal an der Treppe vorbei, die in meinem Haus nach oben führt. Zwei Mal, wenn ich morgens die Zeitung reinhole, einmal auf dem Weg zur Arbeit und noch einmal, wenn ich abends wieder nach Hause komme. In den 19 Monaten, die ich nun schon hier wohne, habe ich die Treppe trotzdem kein einziges Mal benutzt. (Dabei wurde die Reinigung derselben natürlich in meiner Nebenkostenabrechnung aufgeführt.)

Dass ich nun zum ersten Mal doch nach oben gegangen bin, war der Paketbote schuld – und ich fürchte, der mag mich nun nicht mehr. Frei nach dem Motto “wenn schon – denn schon” musste er nämlich bis ganz nach oben laufen. In den anderen Etagen hätte ihm niemand aufgemacht, so jedenfalls mein Nachbar aus dem 4. Stock. Darum habe er das Paket für mich angenommen und der Paketbote eben bis ganz nach oben laufen müssen. So wie ich, als ich das Paket abgeholt habe.

Normalerweise lasse ich Pakete direkt in die Redaktion liefern. Hier wird das Paket auf jeden Fall angenommen. Außerdem riskiere ich hier nicht, dass es zwar angenommen wird, danach aber tagelang bei einem Nachbarn liegt, der nach der Paketannahme erstmal tagelang nicht zu Hause ist.

Dieses Paket habe ich allerdings nicht selbst bestellt, es war ein Geschenk. Zu Umwegen werden wir fast immer von außen gezwungen. Manchmal ist das auch gar nicht schlecht. Manche von uns würden sich sonst vermutlich nie bewegen.

In diesem Sinne, einen Gruß an den Paketboten!

Kühlschrank – ganz privat

Als Anna mich das erste Mal in meiner Wohnung besucht hat, hat sie in meinen Kühlschrank geguckt – einfach so. Ich fand das schon ein wenig dreist. Ein Kühlschrank ist schließlich nicht einfach nur ein Ort, um Lebensmittel aufzubewahren. Ein Kühlschrank ist Teil der Persönlichkeit!

Es beginnt damit, dass man zu Hause auszieht und das erste Mal dauerhaft selbst dafür verantwortlich ist, was im Kühlschrank ist – und ob überhaupt etwas darin ist. Plötzlich steht man vor Fragen wie Aldi oder Rewe, Butter oder Margarine und Familienpackung oder Kleinstration.

Im Regelfall sind das keine essentiellen Fragen. Man muss die Entscheidung auch nicht ein für allemal treffen – und genau deswegen sagt unser Kühlschrank vielleicht mehr über unsere Persönlichkeit aus als manche Grundsatzentscheidung.

In Filmen schauen dauerbeschäftigte Großstadtsingles gerne aus dramaturgischen Gründen in den Kühlschrank. Die Kamera filmt die Protagonisten dann aus der Perspektive der nicht vorhandenen Lebensmittel, vorbei an einem leeren Jogurtbecher und irgendetwas Verschimmelten. Die Darsteller setzen dazu in der Regel einen überraschten bis erwartet-enttäuschten Blick auf. So als hätten sie mit einem leeren Kühlschrank zwar gerechnet, hatten aber unmöglich sicher sein können.

Statt zumindest die verschimmelten Reste zu entfernen, schließen sie den Kühlschrank anschließend wieder. Doch das ist gar nicht das Unrealistische an der dargestellten Situation. Völlig an der Wirklichkeit vorbei geht vielmehr, dass sie so tun, als wären sie überrascht, dass der Kühlschrank leer war.

Ich sage nicht, dass ein Kühlschrank seinen Besitzer nicht überraschen kann. Auch ich finde immer mal wieder Dinge, die ich aus einem spontanen Impuls heraus gekauft, in den Kühlschrank gelegt und dann vergessen habe. Zugleich habe ich aber eine ganze Reihe von Dingen, die eigentlich immer in meinem Kühlschrank liegen – tun sie es nicht, weiß ich das und sie werden sie früher oder später nachgekauft.

Dazu gehört zum Beispiel Orangensaft fürs Frühstück, Jogurt, Feta-Käse, kaltes (logisch) Bier, Pesto, Senf, Butter und einige, über die Jahre immer wieder variierende weitere Dinge. Manches davon kenne ich schon von Kindertagen an. Anderes habe ich irgendwann angefangen zu kaufen, gerade weil es fast nie im Kühlschrank meiner Eltern lag. Es gibt Sachen, die sind irgendwie nach Beziehungen hängen geblieben. Sie landen seitdem immer wieder in meinem Einkaufskorb, weil ich sie inzwischen selbst gerne esse. Wieder andere Dinge habe ich nach Nächten bei Freunden auf der Couch in mein Standard-Repertoire aufgenommen.

Wie sehr ein Kühlschrank eine Persönlichkeit widerspiegelt, zeigt sich für mich auch immer wieder dann, wenn ich meine Eltern besuche – eigentlich der einzige Ort außer meiner Wohnung, wo ich ungeniert einfach so an den Kühlschrank gehe. Über 20 Jahre war ich hier zu Hause. Stehe ich vor dem geöffneten Kühlschrank wird mir ganz deutlich bewusst, dass ich hier schon lange nicht mehr wohne.

Aus Anna und mir ist übrigens nichts geworden. Ich glaube nicht, dass es an meinem Kühlschrank lag. Zumindest nicht nur.

In diesem Sinne, viele Grüße an Annas Kühlschrank!

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