Herren-WC

In Boston war ich beeindruckt, als im Herren-WC über den Pissoirs der Sportteil der örtlichen Zeitung zum Lesen ausgehängt war. In den Ecken der Toilette hingen außerdem Fernseher, auf denen ein Sportkanal lief.

Doch der Mann lebt nun einmal nicht vom Sport allein. Das scheinen sich jedenfalls die Betreiber dieser Karlsruher Studentenkneipe gedacht zu haben. Die Toilette ist inzwischen Kult. Und auch auf dem Frauen-WC sieht es angeblich ähnlich aus – nur eben geschlechterverkehrt.

In diesem Sinne … ich bin dann mal pinkeln!

Digitaler Hunger

Eigentlich wundert es mich, dass ich im realen Leben nicht andauernd auf Menschen stoße, die gerade ihr Essen fotografieren. Die Welt müsste voll von ihnen sein. Das will mir zumindest das Internet weismachen.

Wenn ich Zeit und Langeweile habe, klicke ich mich manchmal einfach so von Blog zu Blog. Das ist einfach, denn die meisten Blogs haben inzwischen umfassende Blogrolls, also Linklisten, über die man wieder auf weitere Blogs mit weiteren Blogrolls kommt. Bei Blogs, die von Frauen geführt werden, scheint es zudem üblich, immer wieder per Kommentar auf das eigene Internet-Tagebuch zu verweisen (besonders wichtig: dabei möglichst oft das Wort “süß” zu benutzen).

Eines der liebsten Themen neben dem “Outfit of the day” sind Lebensmittel und deren Zubereitung in Wort und Bild. Vor allem Bild.

“Was ich schreibe ist im Grunde genommen egal”, so kürzlich eine befreundete Bloggerin zu mir, die sich eigentlich auf Reiseberichte spezialisiert hat, “aber sobald ich Fotos von meinem Essen einstelle, gehen die Zugriffszahlen sofort nach oben.”

Ich frage mich, wie das kommt. Ob es was mit den Genen zu tun hat? Es sind fast ausschließlich Frauen, die den Drang haben, ihr Essen, ihre Backerfolge und ihre Restaurantbesuche im Bild festzuhalten. Männer dagegen scheinen immun. Allerdings halten die sich auch bei den Outfit-Posts eher zurück.

Noch mehr als die Frauen-Männer-Frage irritiert mich allerdings, dass ich in der realen Welt so selten Menschen sehe, die mit Kamera und Belichtungsmesser um ihre Mahlzeiten herumspringen. So allgegenwärtig, wie dieser Trend in der Blogosphäre ist, müsste doch ein gewöhnlicher Restaurantbesuch inzwischen dem roten Teppich bei der Oscar-Verleihung gleichen. Nur dass die Stars nicht die Schauspieler, sondern das Steak, die Nudeln oder der Salat sind. Dem war zumindest aus meiner Sicht bisher (noch?) nicht so.

Oder habe ich bisher vielleicht einfach noch nicht genau genug hingesehen?

In diesem Sinne, hier ein Bild meines Weihnachtsessen aus dem vergangene Jahr (leider musste ich mich erst stärken, bevor ich fotografieren konnte):

Vater der Kellnerin

Sie könnte Deine Tochter sein. Früher habe ich immer gedacht: Wenn einem dieser Satz durch den Kopf geht, dann ist man alt. Inzwischen denke ich: Noch schlimmer ist es, wenn jemand anderes diesen Satz zu Dir sagt.

Mit Kellnerinnen zu flirten ist einfach. Zumindest wenn man die Definition des Wortes “flirten” nicht vom Erfolg des Flirt-Versuchs abhängig macht. Kellnerinnen können schlecht weglaufen. Außerdem sind sie darauf getrimmt, zunächst einmal freundlich zu sein. Jeder noch so plumpe Flirtversuch wir daher zunächst zumindest mit einem Lächeln quittiert. Gar nicht unbedingt wegen eines etwaig zu erwartenden Trinkgeldes, sondern weil es zum professionellen Kellnern nun einmal dazu gehört, freundlich zu lächeln.

Neben der Tatsache, dass sie Biernachschub bringen, ist das vermutlich einer der Hauptgründe, warum Männer Kellnerinnen toll finden. Egal wie schlecht der Witz ist, den sie gerade erzählen, die Frau mit dem Tablett gibt zumindest vor, sich genau so sehr darüber zu amüsieren wie der Witzerzähler selbst.

Ich würde lügen, wenn ich mich davon freisprechen würde. Ich kann nicht nur großartig schlechte Witze erzählen, sondern gucke hin und wieder auch selbst mit sehnsüchtigem Blick einer gutaussehenden Kellnerin hinterher. Vor Jahren hat das sogar mal für eine Verabredung nach Feierabend gereicht.

Das ist allerdings schon eine ganze Weile her – und sie war damals schon zwei Jahre jünger als ich. Kellnerinnen, zumindest die hübschen, sind nämlich meist Studentinnen – und damit liegen zwischen ihnen und mir heute oft zehn oder gar zwölf Jahre Altersunterschied. “Sie könnte Deine Tochter sein!” Gut, so ganz stimmt das nicht – noch nicht. Manchmal ist es allerdings frustrierend, wie nah ich mittlerweile an dieser Aussage bin.

In diesem Sinne, Danke D. fürs dran Erinnern ;-)

Just married

Danke für die Glückwünsche. Sowohl zum Geburtstag – als auch zur Hochzeit. Die Braut, Ihr Bräutigam und ich haben uns sehr gefreut.

Ich weiß, ich habe das auch vor einem Jahr schon geschrieben, trotzdem bin ich immer noch fasziniert: seit Facebook an Geburtstage erinnert, gratulieren mir Leute, die ich seit Jahrzehnten (!) und zum Teil sogar noch nie gesehen habe. Dieses Jahr allerdings nicht nur zum Geburtstag, was zwei Gründe hat.

  1. Vor eineinhalb Wochen war ich auf der Hochzeit einer lieben Freundin am Bodensee. Neben zahlreichen Gästen war auch ein Fotograf anwesend, der mehrere hundert Fotos gemacht hat. Darunter eins von der Braut und mir. Dieses Foto hat die Braut bei Facebook in einem Fotoalbum veröffentlicht und dieses Album “Hochzeit” genannt.
  2. Außerdem bin ich auf dem Foto verlinkt, sprich: es wird auf meinem Facebook-Profil unter “Fotos” angezeigt.

Gleich mehrere meiner Facebook-Freunde haben hier 1+1 zusammengezählt – Hochzeit plus Felix – und sich mit mir über meine vermeintliche Hochzeit gefreut. In einem Kommentar wurden sogar recht eindringlich die Baby-Frage gestellt.

Ich kann das verstehen. Schließlich ist es nicht meine erste Hochzeit. Vor einiger Zeit haben eine gute Freundin und ich aus einer Schnapslaune heraus unseren Beziehungsstatus bei Facebook auf “verheiratet” geändert – mit der Folge, dass unsere Hochzeit begeistert begrüßt wurde. Es hagelte Glückwünsche – zumindest bei mir.

Da fragt man sich doch, warum man eigentlich noch im wahren Leben heiraten soll. Facebook reicht ja anscheinend völlig. In diesem Sinne …

Männlicher Finger

Ich bin so froh, dass ich ein Mann bin. Das stand nämlich heute einen Moment auf der Kippe.

Es war keine neue Erkenntnis, die wir heute in der Redaktion diskutiert haben. Irgendwer hatte sie allerdings neu aus einem Zeitungsartikel gefischt: Bei Männern ist der Ringfinger länger als der Zeigefinger. Frauen hingegen tendieren zu eher gleich langen Zeige- und Ringfingern.

Der Grund liegt wie so oft in den Hormonen. Platt gesagt: Je mehr vom Männlichkeits-Hormon Testosteron ein Fötus im Mutterleib aufnimmt, desto größer wird der Längenunterschied zwischen den beiden Fingern. Das hat der englische Anthropologe John Manning vor ungefähr zehn Jahren herausgefunden.

Manning selbst hat sein Ergebnis mehrfach nachgeprüft und dabei immer neue Belege für den Testosteron-Überschuss gefunden. Am besten belegt ist der Zusammenhang laut einem Artikel aus Die Zeit beim Verhältnis von Fingerlängen und sportlicher Leistungsfähigkeit. Erfolgreiche Schwimmer, Sprinter, Fußballer, Skifahrer und Fechter haben demnach einen im Schnitt längeren Ringfinger als erfolglose oder Nicht-Sportler: “Bei einem Wettrennen sollte Fingerforscher Manning aus den Fingerlängen lesen, in welcher Reihenfolge fünf Läufer das Ziel erreichen. Seine Vorhersage war fast perfekt – nur Platz 3 und 4 waren vertauscht.”

Nun ist die Fingerlänge nicht die einzige Länge, von der Rückschlüsse auf andere Eigenschaften – oder Längen – gezogen werden. Bekannt ist der Vergleich zwischen Nase und dem sprichwörtlichen “Johannes” eines Mannes, der inzwischen als widerlegt gilt. Statt dessen sind zumindest einige amerikanische Forscher inzwischen der Ansicht, dass es eine minimale Korrelation zwischen Schuhgröße und der Länge des Penis gibt – in Korea dagegen muss auch hier wieder ein Finger herhalten.

Wie realistisch solche Vergleiche sind, lasse ich nun mal dahingestellt. Folgt man Mannings Zeige-Ringfinger-Theorie arbeiten in der Redaktion seit heute nachmittag jedenfalls deutlich mehr Männer als noch zu Beginn des Arbeitstages. Dafür habe ich einige Frauen aus den anderen Abteilungen kennengelernt, von denen ich bisher nicht mal wusste, dass sie existieren – bisher hatte ich sie für Männer gehalten.

In diesem Sinne, zum Glück glaube ich als Journalist nicht alles, was in der Zeitung steht …

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