Tag Archive for 'Frauen'

Nebeneinander

Manchmal ist es ganz schön anstrengend, neben jemandem zu stehen. Zumindest wenn es nicht irgendjemand ist. Wenn dieser jemand einem nämlich etwas bedeutet, das Gefühl aber nicht erwidert, dann kann es sogar richtig schmerzhaft sein.

Ich weiß nicht, ob ich damals verliebt gewesen bin. Verknallt in jedem Fall, was in meinen Augen schon noch etwas anderes ist. Wir haben zusammen gearbeitet, einander aus dem Weg zu gehen war also schwierig. Dass sie kein Interesse an mir hatte, hat sie mir allerdings recht schnell signalisiert. Ich fand das damals sehr fair. Geholfen hat es nicht. Gefühle kann man eben nicht einfach abschalten.

Was tut man in so einer Situation? Kann man so eine Situation überhaupt mit dem Verstand bewältigen? Der Kopf ist nur dazu da, den Bauch zu legitimieren, habe ich an anderer Stelle einmal sinngemäß geschrieben. Leider kann der Kopf manchmal ganz schön ratlos dastehen, wenn der Bauch (oder eben das Herz) nicht bekommt, was er (es) will – ganz egal, was man sich einzureden versucht.

In diesem Sinne – öfter mal den Stehplatz wechseln!

PS: Für alle, die das Foto kennen – nein, es war nicht die darauf abgebildete Dame.

Shoppingblick

Ich schreibe diesen Eintrag nicht freiwillig. Ich muss ihn aber verfassen, denn wenn ich es nicht tue, wird sie es tun. Dabei hatte sie gar nicht so viel Zeit wie ich, um den Blick der Männer zu studieren, die wie die Hühner auf der Stange auf der schmalen Bank vor den Anprobekabinen saßen. Sie stand nämlich in einer der Kabine, während ich mit den anderen Männern davor saß.

Für Männer ist shoppen zu gehen ein notwendiges Übel. Würde es nicht komisch aussehen, würde vielen von uns wohl auch ein locker übergehängtes Bärenfell reichen. Das hat schließlich über Jahrhunderte lang gut funktioniert. Auf der Jagd nach Mammuts war es eh nicht so wichtig, wie jemand aussah.

Um so weniger begreifen wir Männer, wie Frauen Stunden damit zubringen können, lauter (scheinbar!) völlig gleich aussehende Oberteile gegeneinander aufzuwiegen und dabei in Gedanken den Inhalt ihres Kleiderschrankes wieder und wieder auf Kombinationsmöglichkeiten hin durchzugehen. Wir Männer verstehen auch nicht, wieso Frauen ein Kleidungsstück nicht einfach kaufen können, wenn es ihnen doch gefällt. Warum müssen sie vorher erst unzählige weitere, ganz ähnlich aussehende, Kleidungsstücke anprobieren, bevor sie dann doch wieder da landen, wo sie mit der Suche begonnen haben?

Eben diese Fragen sind den Männern auf der schmalen Bank vor den Umkleidekabinen wohl durch den Kopf gegangen, während ihre Frauen sich drinnen vor dem Spiegel wieder und wieder aus- und anzogen. Diese Gedanken spiegelten sich auch in den Gesichtern der Männer, vermischt mit Müdigkeit und Resignation, beides mehr oder weniger mühsam unterdrückt, je nachdem wie lange sie schon mit ihren Freundinnen zusammen waren.

Ich werde wohl nie begreifen, was Frauen am Shoppen finden. Allerdings haben auch sie einen ganz eigenen Blick dabei. Es ist so ein leises Leuchten in den Augen, nicht unähnlich dem Blick eines Mannes, der irgendetwas auseinanderschrauben darf, irgendwie glücklich, nur weniger kindlich. Und es gibt sogar einen kurzen Moment, in dem Mann und Frau in derselben Sekunde gleich zufrieden dreinschauen: Wenn beide nach erfolgreichem Einkauf den Laden verlassen nämlich.

In diesem Sinne, schön, dass heute Sonntag ist!

Zahlen, bitte!

Fast hätte ich bei ihr noch ein Bier bestellt. Zum Glück habe ich mich dann aber doch noch beherrscht. Schließlich saßen wir gemeinsam an dem kleinen Tisch in der Kneipe in der Konstanzer Altstadt. Wenn ich bei ihr und nicht bei der Kellnerin bestellt hätte, hätten mir das wohl beide übel genommen.

Zu meiner Entschuldigung: Meine Freundin und die Kellnerin hatten exakt das selbe Portemonnaie. Bei der Kellnerin hing es an einem Gürtel an ihrer Hüfte und schien aus allen Nähten zu platzen. Meine Freundin dagegen hatte ihres  gerade vor sich auf den Tisch gelegt. Es sah ebenfalls so aus, als stünde es gerade kurz vor dem Tod durch Zerplatzen.

Warum brauchen Frauen diese riesigen Portemonnaies, in Gastro-Deutsch auch Kellnertaschen genannt? Was schleppt Ihr alles mit Euch rum – und warum? Und wieso stecken die Riesenportemonnaies normalerweise in Handtaschen, die gerade so groß sind, dass nichts anderes mehr hineinpasst? Lippenstift, Handy und Handcreme dürfen wir Männer stattdessen in unseren Jackentaschen parken.

Liebe Frauen, ich verstehe Euch manchmal einfach nicht. Andererseits macht wohl gerade das Euren Reiz aus. Und – seien wir doch ehrlich – immer versteht Ihr uns doch auch nicht, oder?

In diesem Sinne, zahlen, bitte!

PS: Mehr zum Thema Frauen, ihre Handtaschen und Eigenarten gibt es hier.

Agentenparty

Auf der Party haben wir uns kaum unterhalten. Danach dafür um so mehr. Sie habe mich erst kennenlernen wollen, hat sie später erklärt. Nicht persönlich, natürlich, das hätte sie schließlich auch auf der Party haben können, sondern via Facebook. Ich dagegen hätte nicht gedacht, dass es mal so weit kommt. Wirklich überrascht bin ich allerdings auch wieder nicht,

Trifft man jemand auf einer Party, bekommt man in der Regel nur eine Seite eines Menschen zu sehen. Den Rest muss man sich nach und nach erarbeiten. Vorlieben, Eigenheiten, der Freundeskreis und was es sonst so gibt. Das braucht natürlich Zeit. Kostbare Zeit, die man sich ob des wagen Anfangsverdachts, dass diese Person zu einem passen könnte, nehmen muss.

Anders ist es natürlich, wenn man sich gerade in einem Agentenfilm der 1980er- oder 90er-Jahre befindet. In den Filmen kann man sich eine Akte kommen lassen, die zwischen zwei einfachen Pappdeckeln alles Wissenswerte über eine Person enthält (meist steht vorne noch so etwas wie “Top Secret” drauf und auf die linke Innenseite ist mit einer Büroklammer ein Bild des oder der Betreffenden geheftet, meistens schief).

Ist man kein Filmagent kann man sich zumindest heutzutage auch einfach durch die gängigen sozialen Netzwerke klicken. Meist sind die Infos hier sogar noch besser als sie MI-6 und Co je hätten zusammengetragen können. Und was noch wichtiger ist: Das Bild ist viel umfassender als man es auf einer einzelnen Party hätte bekommen könnte. Fotoverlinkung, Pinnwand und Interessenliste sei Dank.

Gerade für Frauen scheint das eine tolle Sache zu sein. Mussten sie sich bei einer Feier oder (noch schwieriger) bei einer ersten Verabredung für ein Outfit entscheiden, können sie sich online gleich in zig Variationen präsentieren. Derartige digitalen Fotoalben haben meist zudem noch kreative Titel wie “Me, myself and I”. Lässig in Jeans, sexy im kurzen Schwarzen und chic im Abendkleid – irgendwas wird dem potenziellen Lover schon zusagen.

Gleichzeitig kann man sich den entsprechenden Typen hier in Ruhe und ohne nervige Störungen (“Alles in Ordnung bei Dir? Du schweigst mich nun schon seit einer halben Stunde an!”) angucken. So hatte es sich wohl auch besagte Frau von der Party gedacht. Zu dumm, denn offenbar war ich auf der Party besser gewesen als ich es bei Facebook bin. Ich habe jedenfalls schon seit geraumer Zeit nichts mehr von ihr gehört.

In diesem Sinne, vielleicht sollte ich mein Profil mal überarbeiten?

Kreisrunde Sexlüge

Frauen lügen über die Zahl ihrer bisherigen Sexualpartner. Männer auch. Dass die Zahlen je nach Geschlecht gerne mal nach nach oben (Männer) bzw. nach unten (Frauen) korrigiert werden, ist allerdings keine neue Erkenntnis. Die einschlägigen Umfrageergebnisse und dass diese schon rein rechnerisch nicht wahr sein können, sind schon seit Jahren ein beliebter Party-Smalltalk.

Es gibt allerdings noch mehr Ungereimtheiten. Wie kann es zum Beispiel sein, dass die meisten Frauen liiert, die meisten Männer aber solo sind? So jedenfalls meine Erfahrung. Und so viele in Bigamie lebende Männer kenne ich nun auch wieder nicht.

Komischerweise scheint sich diese Ungereimtheit sofort in Luft aufzulösen, wenn man selbst nicht mehr zu haben ist. Auf einmal war man nicht nur der letzte Mann, der endlich unter die Haube kam. Von einer Sekunde zur anderen ist man auch unglaublich interessant für hunderte, plötzlich aus dem Erdboden schießende Single-Frauen!

Das Problem: Eben um nicht mehr zu haben zu sein, bräuchte man die hundert Single-Frauen (oder wenigstens eine!) bevor man liiert ist – und nicht erst nachdem. Dumme Sache. Wie ein Kreis ohne Eingang.

In diesem Sinne – jemand eine Idee?

Freundschafts-Sex

2009-11-29-freundesex“Sorry, Felix, aber ich werde niemals mit Dir rumknutschen.” Das sind schon harte Worte aus dem Mund einer schönen Frau. Sogar dann, wenn man sich in der Sache eigentlich einig ist.

Das Gespräch ist schon eine Weile her. Ich habe damals noch in Berlin gewohnt und besagte Frau und ich waren beim Karneval der Kulturen in Kreuzberg gewesen. Nach einigen Mojitos hatten wir über Beziehungen, Sex und über Freundschaften gesprochen – und wie sich das eine manchmal mit dem anderen mischt.

Im Kern war es um folgendes gegangen: Darf man gute Freunde auch körperlich anziehend finden? Kann man sich überhaupt dagegen wehren, wenn es so ist? Und wenn ja: Sollte man?

Vor gut zweieinhalb Jahren ist in der “Welt” ein Artikel mit dem Titel “Gibt es eine sexfreie Zone” erschienen. “Umfragen zeigen, dass die Mehrheit der Deutschen nicht an zwischengeschlechtliche Freundschaften glaubt”, heißt es hier schon im Vorspann. Irgendwann käme nämlich beinahe zwangsläufig die Sache mit dem Sex dazwischen.

Ich sehe das anders. Ich habe eine ganze Menge weiblicher Freunde, die für mich völlig asexuell sind. Nicht, dass diese Frauen nicht attraktiv wären, trotzdem kann ich mir einfach nicht vorstellen, körperlichen Kontakt mit ihnen zu haben, der über eine freundschaftliche Umarmung hinaus geht.

Der Vollständigkeit halber muss ich allerdings zugeben, dass das nicht bei allen Freundinnen so ist – oder zumindest nicht immer. Im Gegenteil – und alles andere wäre wohl auch komisch (ich bin schließlich auch nur ein Mann). Trotzdem würde ich nicht gleich so weit gehen, wie ein gewisser 16-Jähriger, der mit kürzlich erzählte, in seiner Klasse sei es üblich, sich nachmittags mit Freundinnen “zum Poppen und so” zu verabreden.

Ich kann nicht beurteilen, ob besagter Typ einfach nur blöd daherredete, oder ob sich in den letzten 15 Jahren wirklich so viel geändert hat. Wenn ja, muss ich allerdings zugeben, dass ich ganz froh bin, heute nicht noch mal 16 Jahre alt sein zu müssen.

In diesem Sinne, ein Hoch auf das Alter!

Schubladenmenschen

2009-11-19 SchubladeMenschen – auch ganz große – passen ganz wunderbar in Schubladen. Das gilt zumindest, wenn man den oder die Betreffende noch nicht so gut kennt. Kompliziert wird es erst, wenn man sich besser kennenlernt. Dann ist es nämlich plötzlich vorbei mit der Schublade. Und was am Anfang so praktisch schwarz-weiß erschien, bekommt auf einmal seltsame graue Zwischentöne.

An sich ist das auch gar nicht so schlecht. Wer wollte schon nur mit langweilig-eindimensionalen Menschen zu tun haben. Trotzdem scheinen wir am Anfang immer wieder genau das zu unterstellen: dass unser Gegenüber (im Gegensatz zu uns selbst) nur in schwarz-weiß existiert.

Normalerweise merken wir irgendwann, dass dieses Raster nicht passt. Bis es so weit ist, bleiben wir allerdings bei der Schublade. Fast wie ein Kind, dass krampfhaft versucht, den viereckigen Bauklotz durch die dreieckige Öffnung zu quetschen – nur dass das Kind irgendwann klüger wird. Wir nicht. Wir fallen immer wieder auf den selben Baukastentrick rein.

Als ich vor einiger Zeit eine Frau kennenlernte, war eigentlich alles klar. Sie gefiel mir, und es war offensichtlich, dass sie das gemerkt hatte. Auch ich schien ihr nicht unsympathisch, so jedenfalls mein Eindruck nach unserer ersten Verabredung. Kurz: Ich begann ernsthaft, mir Hoffnungen zu machen, dass aus uns mehr werden könnte. Zumindest so lange, bis sie auf einmal gar nichts mehr von sich hören ließ.

Rückblickend bin ich immer noch beeindruckt, welch kuriose Verrenkungen mein Kopf damals angestellt hat, um mir eine plausible Lösung für ihr plötzliches Untertauchen zu präsentieren. Alle krankten jedoch an einer kleinen, aber entscheidenden Schwäche: Sie waren in Schwarzweiß! Rein logisch gesehen passten sie zwar alle perfekt auf die Situation, wie ich sie sah. Erst viel später habe ich erfahren, dass sie trotzdem alle Quatsch waren.

Nicht diese oder jene Äußerung von mir beim ersten Date war schuld gewesen, auch kein defektes Mobiltelefon und kein fehlgeleiteter Polizeieinsatz. Es war viel komplizierter – und doch so banal.

Bei einer Party einen Tag vor unserem Date hatte sie einen Schwarm aus Schulzeiten wieder getroffen und sich erneut in ihn verliebt, gestand sie mir Jahre später. Sie mochte mich, konnte sich vielleicht sogar eine Beziehung mit mir vorstellen, nur ging ihr gleichzeitig dieser neue-alte Typ nicht aus dem Kopf.

Denke ich heute über unser erstes Treffen nach, macht das alles Sinn. Dass sie einerseits durchaus an mir interessiert schien, andererseits aber immer wieder abblockte, wenn ich mich ihr näherte. Sie wusste einfach selbst nicht, in welcher Schublade sie sitzen wollte. Ich dagegen sah sie mal in der einen, mal in der anderen – und konnte mir schlicht nicht vorstellen, dass sie vielleicht einfach in beiden ein bisschen saß.

In diesem Sinne, Gruß an den Schrank!

Möchten Sie knutschen?

2009-10-28 küssen copyIch mag das deutsche “Sie” – und ich möchte auch nicht von jedem geduzt werden. Trotzdem komme ich mir manchmal wie verkleidet vor, wenn ich Leute beruflich höflich mit ihrem Nachnamen anspreche, die ich fünf Jahren früher (oder auf  einer Party heute) ganz automatisch geduzt hätte.

Als Kind dagegen habe ich die Erwachsenen beneidet. Gerade in alten deutschen Filmen dauerte es oft sehr lang, bis die Protagonisten von der höflichen zur persönlichen Ansprache finden. Bis zum ersten Kuss war es dafür danach meist nur noch ein Katzensprung. Das “Du” anzubieten schien dabei so etwas wie ein magischer Moment zu sein.

Das dachte ich jedenfalls mit neun. Doch egal, wie gerne ich geküsst hätte, in der Grundschule wirkt das “Du”-Anbieten leider immer lächerlich. Und anders als in den alten Filmen ging es danach auch nicht wirklich weiter. Wenn man als Dreikäsehoch großzügig den Vornamen feilbietet, macht das nun mal nicht wirklich viel her. Zum Knutschen hat es jedenfalls nicht gereicht. (Auch die Filme hatten hier übrigens ihre Grenzen, allerdings etwas weiter gefasste – eine Sexszene mit Heinz Rühmann ist jedenfalls nur schwer vorstellbar, finde ich).

Mittlerweile bin ich 30 Jahre alt, das “Sie” ist mehr die Regel, denn die Ausnahme. Um so frustrierender finde ich, dass der Weg zum Du oft weder einfach, noch automatisch mit Knutschen oder gar Sex verbunden ist. Andererseits stelle ich immer wieder fest, dass man trotz “Sie” ausgesprochen gut flirten kann. Denn mal ehrlich: Muss es denn immer “Du” sein? Zumindest Knutschen kann auch “per Sie” Spaß machen.

In diesem Sinne, darf ich bitten?

Karierter Rock

2009-10-05-KlosucheHinter welcher Tür ist die Toilette? Wir hatten versucht, leise zu sein, als wir gestern Nacht durch den WG-Flur in ihr Zimmer gestolpert sind. “Und da ist das Bad” hatte sie geflüstert, und ich hatte mir nichts weiter dabei gedacht.

Dummerweise waren im selben Satz auch Marie und Klaus vorgekommen, ihre beiden Mitbewohner. Deren Zimmer gingen ebenfalls von dem Flur ab, genau wie das Badezimmer, das ich jetzt so dringend brauchte. Ärgerlich, dass es mir partout nicht gelingen wollte, mich zu erinnern, in welchem Zimmer das gewesen war.

Es muss etwa acht Uhr sein. Früh für jemanden, der erst um kurz vor fünf ins Bett gegangen ist. Früh insbesondere dann, wenn es nicht das eigene Bett war. Ich merke die Schnäpse, die wir am Ende des Abends getrunken haben, und zwar mehr in der Blase als im Kopf. War da schon klar gewesen, dass ich nicht zu mir nach Hause gehen würde?

Der Boden unter meinen Füßen fühlt sich kalt an. Ich versuche den vergangenen Abend zu rekonstruieren. Hübsch hat sie ausgesehen, in dem karierten Rock. Noch hübscher war sie allerdings gewesen, als sie den Rock ausgezogen hatte. Von den ersten Worten, die wir auf dieser Party gewechselt hatten, bis zum gemeinsamen Weg durch ihr Treppenhaus – als war so herrlich unkompliziert gewesen. Als wäre ein anderes Ende dieses Abends nicht einmal denkbar gewesen.

Ich probiere die erste Tür. Sie sieht aus wie die anderen Türen auch. Einzig die Küchentür ist anders. Sie hat ein gläsernes Fenster, auf das jemand von der anderen Seite ein Pulp Fiction Poster geklebt hat. Es zeigt John Travolta und Samuel L. Jackson als Berufskiller und hängt in jeder zweiten Wohngemeinschaft – gefühlt zumindest.

Dass es auch hier heimisch ist weiß ich, weil ich es gesehen hab, als die Frau mit dem karierten Rock vorm zu Bett gehen noch eine Flasche Wasser aus der Küche geholt hat. Die Stiefel hatte sie da schon ausgezogen gehabt. Ich dagegen hatte mich bei dem Gedanken erwischt, mich umzudrehen und nach Hause zu gehen. Ein komischer Impuls und ein sehr kurzer noch dazu. Trotzdem erinnere ich mich daran.

Vielleicht werde ich alt, überlege ich. Es war von Anfang an klar, dass die Frau mit dem karierten Rock und ich nur diese eine Nacht miteinander teilen würden. Keine Verpflichtungen, das war uns beiden wichtig gewesen. Vielleicht wünsche ich mir aber genau das, denke ich, Verpflichtungen. Mit der Hand taste ich an der Wand hinter der ersten Tür nach einem Lichtschalter. Es ist tatsächlich das Badezimmer, stelle ich erleichtert fest. Aber glücklich bin ich nicht.

Delmenhorst

2009-09-23-delmenhorst

Ich bin schon mal durchgefahren, mit dem Zug. Wenn ich mich recht erinnere, hatte ich hier  sogar ein oder zwei Minuten Aufenthalt. Hätte aber nicht sein müssen. Viel gab es nicht zu sehen.

Bekannt geworden ist der kleine Ort in Niedersachsen durch Sarah Connor, die hier aufgewachsen ist. Ihrer Nase übrigens auch. Und durch Sven Regener, der ein Lied über “Delmenhorst” geschrieben hat. ”Ich bin jetzt immer da, wo Du nicht bist”, singt Regener, “und das ist immer – Delmenhorst”.

Wenn eine Beziehung endet, ist es mit der Freiheit danach so eine Sache. Frauen haben sie das komische Bedürfnis, ihre Freunde erziehen zu wollen. Liebenswürdig und dogmatisch zugleich haben sie es sich dem Ziel verschrieben, aus vermeintlich ungehobelten Mannsbildern wahre Kavaliere oder wenigstens bessere Menschen zu machen. Um so dramatischer, wenn die Beziehung zu Ende geht, bevor sie dieses Ziel verwirklichen konnten. Ihre Bemühungen leben nämlich fort, so oder eben so.

“Es ist schön, wenns nicht mehr weh tut”, singt Regener und dass sein lyrisches Ich die Klamottenfarbe nun selbst bestimmt. Ich muss bei dabei immer an eine Kette denken, die mir eine Freundin mal geschenkt hat. Bis dato war ich nicht der Mensch gewesen, der Schmuck getragen hat. Die Kette gefiel mir aber. Daran änderte auch nichts, dass besagte Freundin und ich uns wenige Wochen später getrennt haben. Die Trennung war von mir ausgegangen, trotzdem habe ich die Kette noch gut ein halbes Jahr lang getragen. So lange, bis sie irgendwann den selben Weg gegangen ist, wie die Beziehung (sie ist kaputt gegangen).

Heute frage ich mich, was ich mir dabei gedacht habe. Gefiel mir die Kette so gut, dass ich sie weiter als eine Art modisches Ascessoir  mit mir rumtragen wollte? (Das wäre unheimlich. Sollte ihre Erziehung wirklich derart tiefenwirksam gewesen sein?) Vielleicht habe ich mir auch gar nichts dabei gedacht und die Kette einfach aus Gewohnheit weiter getragen? (Auch keine besonders realitätsnahe Vorstellung, dafür denke ich zu viel.)

Jede Beziehung hinterlässt ihre Spuren, selbst dann, wenn man sich diese nicht um den Hals hängen kann. Manche dieser Spuren verlieren sich irgendwann, andere hinterlassen Narben oder sogar tiefe Krater. Alles andere wäre wohl komisch. Trotzdem habe ich keine Ahnung, wie Regener ausgerechnet auf Delmenhorst gekommen ist. Zumal es sich bei dem im Song immer wieder besungenen Geschäft, “Getränke Hoffmann”, um eine originär Berliner Getränkehaus-Kette handelt. Aber das ist ein anderes Thema.

Jedenfalls schön, wie der Element of Crime-Sänger das Ende einer Beziehung umschreibt, die zumindest im Kopf noch nicht wirklich zu Ende ist.

In diesem Sinne, hinter Hurting ist ein Graben …