Ich habe gerade der Twitter-Welt mitgeteilt, was ich im Fernsehen gucke (“L.A. Confidential”). Vielleicht werde ich es auch noch bei Facebook posten. Ob das jemanden interessiert? Keine Ahnung. Darum geht es ja auch nicht wirklich – oder doch?
Früher musst man erst einen Zuhörer für seine Geschichten finden, meist auch noch einen Aufhänger. Man kann schließlich nicht einfach so loslegen und erzählen, was für ein toller Typ man ist. Heute geht das. Man braucht auch keine Zuhörer mehr, sondern bläst seine Geschichten einfach so in die Welt, ob nun via Blog, als Kurzversion per Twitter oder im sozialen Netzwerk.
Wenn ich der Menschheit mitteile, was ich gerade im Fernsehen gucke, formuliere ich damit im Endeffekt ein Bild von mir. Ob das stimmt ist zweitrangig, es zählt der Eindruck, den ich damit hinterlassen möchte und die Hoffnung, dass mir eben das gelingt. Lese ich, was meine Mitmenschen so von sich geben, unterstelle ich ihnen das selbe. Ich kann gar nicht anders – denn gerade weil ich sie kenne, weiß ich, dass was sie eigentlich mitteilen möchten, zumindest bei einigen.
Das Internet ist ein großartiger Ort für Selbstdarsteller und für alle, die es noch werden wollen. Die Frage ist allerdings, wie viel Selbst hinter der Darstellung eigentlich noch übrig bleibt.
In diesem Sinne, Bud hat mir alles über Sie erzählt!
Plötzlich stand sie vor mir. “Das ist S.”, sagte mein Bekannter. Ich sagte gar nichts. Dabei war es ja nicht so, dass ich sie jetzt zum ersten Mal sah. Nur ist es eben doch etwas anderes, auf Facebook und Co Fotos von jemanden zu betrachten als ihm oder ihr in Wirklichkeit zu begegnen.





Geschätzter Leser, ich muss Dich warnen: das Lesen dieses Blogs könnte gefährlich sein. Wenn nicht für Dich, dann doch wenigstens für mich. Ersehnter Leser, nimm es mir nicht übel, aber möglicherweise bist sogar Du verantwortlich für meine drohende Nahtod-Erfahrung, die zwar noch nicht spürbar, aber sicher schon sehr nahe ist.
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