100 Jahre

Gestern Abend im Bus in Richtung Innenstadt. Zwei Mädchen, beide vielleicht 19 oder 20 Jahre alt, und ein gleichaltriger Mann unterhalten sich darüber, wie sie die Monate nach dem Abitur verbracht haben. Irgendwann fallen die ersten Lehrernamen. “Bei dem hatte ich Mathe”, sagt die eine, “aber ich habe gehört, dass er inzwischen pensioniert ist.”

Mein Freund B. grinst. “Den kenne ich auch, ich war auf derselben Schule”, sagt er zu einem der Mädchen. Die lächelt freundlich. Dann sagt sie: “Wundert mich nicht, der war ja auch vor 100 Jahren schon Lehrer.”

In diesem Sinne – ob ich B. Anti-Falten-Creme zu Weihnachten schenken soll?

Vater der Kellnerin

Sie könnte Deine Tochter sein. Früher habe ich immer gedacht: Wenn einem dieser Satz durch den Kopf geht, dann ist man alt. Inzwischen denke ich: Noch schlimmer ist es, wenn jemand anderes diesen Satz zu Dir sagt.

Mit Kellnerinnen zu flirten ist einfach. Zumindest wenn man die Definition des Wortes “flirten” nicht vom Erfolg des Flirt-Versuchs abhängig macht. Kellnerinnen können schlecht weglaufen. Außerdem sind sie darauf getrimmt, zunächst einmal freundlich zu sein. Jeder noch so plumpe Flirtversuch wir daher zunächst zumindest mit einem Lächeln quittiert. Gar nicht unbedingt wegen eines etwaig zu erwartenden Trinkgeldes, sondern weil es zum professionellen Kellnern nun einmal dazu gehört, freundlich zu lächeln.

Neben der Tatsache, dass sie Biernachschub bringen, ist das vermutlich einer der Hauptgründe, warum Männer Kellnerinnen toll finden. Egal wie schlecht der Witz ist, den sie gerade erzählen, die Frau mit dem Tablett gibt zumindest vor, sich genau so sehr darüber zu amüsieren wie der Witzerzähler selbst.

Ich würde lügen, wenn ich mich davon freisprechen würde. Ich kann nicht nur großartig schlechte Witze erzählen, sondern gucke hin und wieder auch selbst mit sehnsüchtigem Blick einer gutaussehenden Kellnerin hinterher. Vor Jahren hat das sogar mal für eine Verabredung nach Feierabend gereicht.

Das ist allerdings schon eine ganze Weile her – und sie war damals schon zwei Jahre jünger als ich. Kellnerinnen, zumindest die hübschen, sind nämlich meist Studentinnen – und damit liegen zwischen ihnen und mir heute oft zehn oder gar zwölf Jahre Altersunterschied. “Sie könnte Deine Tochter sein!” Gut, so ganz stimmt das nicht – noch nicht. Manchmal ist es allerdings frustrierend, wie nah ich mittlerweile an dieser Aussage bin.

In diesem Sinne, Danke D. fürs dran Erinnern ;-)

Just married

Danke für die Glückwünsche. Sowohl zum Geburtstag – als auch zur Hochzeit. Die Braut, Ihr Bräutigam und ich haben uns sehr gefreut.

Ich weiß, ich habe das auch vor einem Jahr schon geschrieben, trotzdem bin ich immer noch fasziniert: seit Facebook an Geburtstage erinnert, gratulieren mir Leute, die ich seit Jahrzehnten (!) und zum Teil sogar noch nie gesehen habe. Dieses Jahr allerdings nicht nur zum Geburtstag, was zwei Gründe hat.

  1. Vor eineinhalb Wochen war ich auf der Hochzeit einer lieben Freundin am Bodensee. Neben zahlreichen Gästen war auch ein Fotograf anwesend, der mehrere hundert Fotos gemacht hat. Darunter eins von der Braut und mir. Dieses Foto hat die Braut bei Facebook in einem Fotoalbum veröffentlicht und dieses Album “Hochzeit” genannt.
  2. Außerdem bin ich auf dem Foto verlinkt, sprich: es wird auf meinem Facebook-Profil unter “Fotos” angezeigt.

Gleich mehrere meiner Facebook-Freunde haben hier 1+1 zusammengezählt – Hochzeit plus Felix – und sich mit mir über meine vermeintliche Hochzeit gefreut. In einem Kommentar wurden sogar recht eindringlich die Baby-Frage gestellt.

Ich kann das verstehen. Schließlich ist es nicht meine erste Hochzeit. Vor einiger Zeit haben eine gute Freundin und ich aus einer Schnapslaune heraus unseren Beziehungsstatus bei Facebook auf “verheiratet” geändert – mit der Folge, dass unsere Hochzeit begeistert begrüßt wurde. Es hagelte Glückwünsche – zumindest bei mir.

Da fragt man sich doch, warum man eigentlich noch im wahren Leben heiraten soll. Facebook reicht ja anscheinend völlig. In diesem Sinne …

Männlicher Finger

Ich bin so froh, dass ich ein Mann bin. Das stand nämlich heute einen Moment auf der Kippe.

Es war keine neue Erkenntnis, die wir heute in der Redaktion diskutiert haben. Irgendwer hatte sie allerdings neu aus einem Zeitungsartikel gefischt: Bei Männern ist der Ringfinger länger als der Zeigefinger. Frauen hingegen tendieren zu eher gleich langen Zeige- und Ringfingern.

Der Grund liegt wie so oft in den Hormonen. Platt gesagt: Je mehr vom Männlichkeits-Hormon Testosteron ein Fötus im Mutterleib aufnimmt, desto größer wird der Längenunterschied zwischen den beiden Fingern. Das hat der englische Anthropologe John Manning vor ungefähr zehn Jahren herausgefunden.

Manning selbst hat sein Ergebnis mehrfach nachgeprüft und dabei immer neue Belege für den Testosteron-Überschuss gefunden. Am besten belegt ist der Zusammenhang laut einem Artikel aus Die Zeit beim Verhältnis von Fingerlängen und sportlicher Leistungsfähigkeit. Erfolgreiche Schwimmer, Sprinter, Fußballer, Skifahrer und Fechter haben demnach einen im Schnitt längeren Ringfinger als erfolglose oder Nicht-Sportler: “Bei einem Wettrennen sollte Fingerforscher Manning aus den Fingerlängen lesen, in welcher Reihenfolge fünf Läufer das Ziel erreichen. Seine Vorhersage war fast perfekt – nur Platz 3 und 4 waren vertauscht.”

Nun ist die Fingerlänge nicht die einzige Länge, von der Rückschlüsse auf andere Eigenschaften – oder Längen – gezogen werden. Bekannt ist der Vergleich zwischen Nase und dem sprichwörtlichen “Johannes” eines Mannes, der inzwischen als widerlegt gilt. Statt dessen sind zumindest einige amerikanische Forscher inzwischen der Ansicht, dass es eine minimale Korrelation zwischen Schuhgröße und der Länge des Penis gibt – in Korea dagegen muss auch hier wieder ein Finger herhalten.

Wie realistisch solche Vergleiche sind, lasse ich nun mal dahingestellt. Folgt man Mannings Zeige-Ringfinger-Theorie arbeiten in der Redaktion seit heute nachmittag jedenfalls deutlich mehr Männer als noch zu Beginn des Arbeitstages. Dafür habe ich einige Frauen aus den anderen Abteilungen kennengelernt, von denen ich bisher nicht mal wusste, dass sie existieren – bisher hatte ich sie für Männer gehalten.

In diesem Sinne, zum Glück glaube ich als Journalist nicht alles, was in der Zeitung steht …

Reise-Rang

Vielleicht sollte es Rangabzeichen für Reisende geben. Je länger jemand unterwegs ist, mit je weniger Geld er sich durchschlägt und natürlich um so weniger “tourimäßig” jemand reist, desto höher der Rang. Denn machen wir uns nichts vor: Reisen ist harter Wettbewerb!

Nicht von ungefähr ist “Seit wann bist Du schon unterwegs” eine der ersten Fragen des gewöhnlichen Traveller-Smalltalks – lange bevor den Gegenüber nach dem Namen fragt. Rangabzeichen würden hier vieles einfacher machen – und man käme viel früher dazu, sich namentlich vorzustellen.

Ein Land wäre allerdings sehr wahrscheinlich ruiniert, wenn meine Idee umgesetzt werden würde: Laos. Denn von dort kommt das Beer-Lao-T-Shirt – weltweit anerkannter Ersatz für offizielle Reise-Ränge. Glaubt mir: Nur eine Woche auf einer der typischen Backpacker-Routen irgendwo auf der Welt, und Ihr begegnet mindestens einem Beer-Lao-T-Shirt-Träger.

Wie kann das sein? Ausgerechnet das Bier aus einem der ärmsten und touristisch noch weitestgehend unerschlossenen Länder Südostasiens tritt auf T-Shirts einen weltweiten Siegeszug in den Rucksäcken der Backpacker an? Ja – und zwar gerade deswegen.

Südostasien und insbesondere Thailand gilt als ideales Einstiegsland für Backpacker aus Europa und den USA. Die Flüge dorthin sind erschwinglich, das Reisen selbst ist billig und einigermaßen einfach, dennoch schwingt überall dieser Hauch fotogener Exotik mit, der den Daheimgebliebenen später ein staunendes “Oh” oder “Wow” entlockt.

Allerdings ist gerade Thailand inzwischen auch ein beliebtes Ziel für Pauschalreisende. Die können zu Hause dann vielleicht nicht von der Zwei-Euro-Hütte direkt am Strand und den Kakerlaken in derselben erzählen. Dennoch entzaubern diese 0-8-15-Touristen schnell den Hauch von Abenteurer, mit dem sich Rucksackreisende doch so gern umgeben.

Wir praktisch, dass Laos direkt nebenan liegt - und trotzdem vom Massentourismus noch weitestgehend unbeachtet geblieben ist (vielleicht liegt es an den fehlenden Stränden). Wer sagt, er war in Laos, kann zumindest hin und wieder noch punkten. Und wie nett, dass die Laoten praktisch nur eine Biermarke haben – diese aber kaum exportieren. Wer Beer Lao trinken möchte muss und sollte das in Laos tun. Dazu rät sogar die Backpacker-Bibel Lonely Planet: Beer Lao wird im Südostasien-Guide sogar kurzerhand zum besten Beer der Region erklärt. Obwohl ich persönlich ja Chang vorziehe – auch wenn es “nur” aus Thailand kommt.

In diesem Sinne, Prost!

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