Menschenträgheit

2009-04-26-apfelMassen mögen keine Veränderung. Das stellte Isaac Newton schon 1687 fest und formulierte das Trägheitsprinzip  in seiner Naturphilosophie als erstes von drei Gesetzen über die Bewegung. Ein Körper bleibt demnach so lange in Bewegung (oder eben nicht in Bewegung), wie keine hinreichend starke Kraft ihn zwingt, sich anders zu verhalten. 

Auch Menschen, egal wie massig, sträuben sich von Natur aus gegen Richtungswechsel. Einmal in Schwung gebracht braucht es eine ziemliche Kraftanstrengung, um die einmal gewählte Fahrtrichtung zu ändern. Das gilt sowohl für den Menschenkörper als auch für dessen Gefühle. An unseren Emotionen kleben wir, egal, wie sinnvoll sie sind.

Das gilt auch für mich. Ich hatte nicht wirklich geglaubt, dass ich mich in sie verlieben könnte. Trotzdem übte die Vorstellung einen gewissen Reiz auf mich aus. Das Kribbeln im Bauch und das gute Gefühl, zu wissen, das da jemand sein könnte, war verlockend. Kurz: Mir gefiel die Idee, also verfolgte ich sie weiter.

Dass mein Plan schief gehen könnte, wusste ich. Nur hatte ich irgendwie verdrängt, wie unangenehm es ist, eine Idee wieder loszulassen. Die Spielzeugtheorie besagt, es ist  dann besonders fies, wenn man uns etwas wegnimmt, und wir wissen nicht warum. Ich dagegen weiß sehr genau, warum aus ihr und mir nichts werden wird. Außerdem bin ich selbst derjenige, der dabei ist, mir etwas wegzunehmen. Fies fühlt es sich trotzdem an. 

In diesem Sinne, was wohl Newton dazu sagen würde?

Find Dis Glück

2009-03-13-liebeskarte1Eine Schweizer Firma (“Romanza”) möchte für mich nach unverheirateten Damen ab 20 Jahren suchen. So stand es jedenfalls auf der Rückseite dieser Karte (links), die ich vorhin in meinem Briefkasten gefunden habe. Fast hätte ich sie weggeworfen, aber vielleicht ist es ja gar keine so schlechte Idee.

Zumindest wäre ich damit nicht der einzige. “Wenn ich bis 30 noch solo bin, dann suche ich mir via Internet einen Mann”, hat vor einiger Zeit eine Freundin zu mir gesagt, deren Name ich an dieser Stelle lieber nicht nennen werde. “Wir haben uns über so eine Partnerbörse kennengelernt”, gestand mir wiederum ein anderer, namenloser Freund. Er feiert ebenfalls in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag, wird diesen Tag aber vermutlich mit seiner neuen Freundin zusammen begehen.

Was haben Männlein und Weiblein eigentlich vor der Erfindung von Partnerbörsen und Internet zueinander gefunden? Irgendwie muss das doch früher auch schon funktioniert haben – sonst wäre die Menschheit doch niemals über die Steinzeit hinaus gekommen.

Oder liegt es an uns? Man sollte doch meinen, all die Möglichkeiten, neue Menschen kennen zu lernen, würden es einfacher machen. Das Gegenteil scheint der Fall. War früher die lokale Eisdiele die einzige Chance, ein Date an Land zu ziehen, werden wir heute von den Möglichkeiten schlicht erschlagen. 

Sind wir, die vermeintlich modernen Menschen, einfach viel zu kompliziert geworden? 

In diesem Sinne, Antworten sind willkommen!

Autan

Wer suchet, der findet. So ein Quatsch. Suchen bringt gar nichts. Suchen ist absolut kontraproduktiv. Wer verzweifelt nach einer Frau (oder einem Mann) sucht, der läuft mit einem so notgeil-geifernden Gesichtsausdruck durch die Gegend, dass er mit fast 100%’iger Sicherheit allein bleibt.

So oder so ähnlich habe ich das vor einiger Zeit gelesen. Es stand, wenn ich mich recht erinnere, im Jugendteil der Süddeutschen. (Und hier in diesem meinem Blog übrigens auch). Langsam glaube ich, da ist etwas dran.

Grundsätzlich kennt das wohl jeder: Wenn man liiert ist, fliegen einem die Herzen nur so zu. Ist man es nicht, scheint man dagegen eine direkt abschreckende Wirkung auf potenzielle Partner zu haben. Als hätte man in Autan gebadet und Autan würde gegen Frauen und nicht gegen Mücken helfen.

Das Problem: Dieser Mechanismus funktioniert auch bei anderen Menschen. Wie sonst wäre es zu erklären, dass ausgerechnet die Frauen, die ich interessant finde, immer schon einen Partner haben?

In diesem Sinne, Gruß an alle, denen es genau so geht!

Platz 47

Die Rangliste als Bestseller: Nick Hornby hat das schon vor Jahren mit seinem Roman “High Fidelity” bewiesen. Der Pop-süchtige Held des Buchs, Rob Gordon, deklamiert darin sogar die Top Five der besten Songs für die Beerdigung des Vaters seiner Ex-Freundin Laura. Das Buch wurde ein Hit und gilt heute als das männliche Gegenstück zu “Bridget Jones Diary”.

Schwierig wird es mit Ranglisten bei zwischenmenschlichen Beziehungen. Es tut weh, wenn man bei der unangefochtenen Nummer Eins der eigenen Top 100 nur auf Platz 47 steht. Schließlich gibt es da auch in der eigenen Hitliste jemanden, der sich mit einer mittleren, zweistelligen Position begnügen muss – und mit dem möchte man bei einer solchen Konstellation nicht tauschen.

Man kann die Sichtweise des oder der anderen zu gut nachvollziehen. Genau das ist das Problem. Man weiß, wie unangenehm es ist, wenn man ungewollt bei jemanden die Spitze der Charts erklommen hat, dieses Gefühl aber nicht erwidert. Um so schlimmer ist es, wenn man sich selbst in eben dieser Situation wieder findet.

“Eigentlich ist es ein Wunder, wenn sich zwei Menschen finden, die sich einig sind, füreinander die Nummer Eins zu sein”, hat meine Schwester einmal gesagt. In weniger als drei Monaten heiratet sie ihre Nummer Eins. Schön, dass es auch das noch gibt.

In diesem Sinne, ich wünsche alles Gute!

180 Grad

Schlimm ist nicht, abgelehnt zu werden. Schlimm ist es, wenn man sich fragen muss, warum man plötzlich nicht mehr gewollt wird.

Manchmal funktioniert alles wie von selbst. Man trifft einen Menschen und die Chemie stimmt einfach. Man redet, berührt sich gegenseitig am Arm und tauscht Komplimente aus. Insgeheim ist beiden klar, wohin das führen wird. Auch wenn man vielleicht noch nicht hundertprozentig sicher ist, wie weit man an diesem ersten Abend gehen möchte, letztlich ist aber klar, was dabei rauskommt.

Dann wieder gibt es die Situation, wo man jemanden trifft und zunächst vielleicht meint, dass es genau so laufen könnte. Dann merkt man aber doch recht schnell, dass es nicht so ist. Es ist unangenehm, aber früher oder später muss Man(n) der Tatsache ins Gesicht sehen: Es wird nichts draus – das ist eben so, damit wird man leben müssen.

Normalerweise kann man das auch. Wenigstens weiß man, woran man ist. Anders ist das, wenn sich Situation eins und Situation zwei mischen. Wenn anfangs alles ganz eindeutig in die eine Richtung zeigt – dann aber plötzlich alles anders ist, ohne dass man es erklären kann. 

Das wirft Fragen auf. Was habe ich falsch gemacht? Liegt es überhaupt an mir? Es tut weh, wenn man sich am Anfang so sicher war, das Kribbeln genossen hat, und dann ist plötzlich doch alles anders. Wie kann es sein, dass sie sich plötzlich um 180 Grad gedreht hat?

Liebe Frauen, manchmal verstehe ich Euch einfach nicht. Gibt es denn kein Handbuch, dass ich lesen könnte?

In diesem Sinne, entschuldigt bitte die Zahlen im Titel.

Der Klassenfahrt-Symptom

Wenn die Situation stimmt, kann man praktisch mit jedem rumknutschen. Die Atmosphäre ist dann entscheidender als die Person, mit der es passiert. Diese Erkenntnis stammt nicht von mir, sondern von einer guten Freundin. Ich denke allerdings, dass sie damit im großen und ganzen durchaus Recht hat. Ich nenne es den Klassenfahrteffekt (oder: eines der Symptome).

Ich kenne es von mir selbst, aber auch von Vereinsfahrten, die ich als Aufsicht begleitet habe und entsprechend das Spiel als Außenstehender verfolgen konnte. Wenn die Auswahl begrenzt ist, finden sich plötzlich Paarungen, mit denen man sonst nie gerechnet hätte (und freilich auch solche, mit denen schon lange alle gerechnet haben).

Das Ganze ist vielleicht mit einem Multiple-Choice-Test zu vergleichen. Wären keine Antwortmöglichkeiten vorgegeben, würde man vielleicht etwas ganz anderes schreiben. Da man sich aber zwischen A, B oder C entscheiden muss, tut man es eben.

Entscheiden muss? Natürlich kann man das mit dem Ankreuzen auch einfach lassen. Trotzdem inspirieren offenbar gerade vermeintliche Ausnahmesituationen zum Kreuzchen-Machen. Das kann eine Klassenfahrt, eine Schulung oder eine Betriebsfeier sein. Wenn also plötzlich Faktoren einfließen, die den Aspirantenkreis für eine Zeit begrenzen und eine Art Ausnahmezustand vorgaukeln.

Anders formuliert könnte man sagen: Stimmt die Stimmung, tritt die Person in den Hintergrund, bei der richtigen Person ist die Stimmung auch gerne mal zweitrangig. Doch, was ist schon richtig … und was eigentlich Stimmung?

In diesem Sinne, gute Reise!

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