Shoppingblick

Ich schreibe diesen Eintrag nicht freiwillig. Ich muss ihn aber verfassen, denn wenn ich es nicht tue, wird sie es tun. Dabei hatte sie gar nicht so viel Zeit wie ich, um den Blick der Männer zu studieren, die wie die Hühner auf der Stange auf der schmalen Bank vor den Anprobekabinen saßen. Sie stand nämlich in einer der Kabine, während ich mit den anderen Männern davor saß.

Für Männer ist shoppen zu gehen ein notwendiges Übel. Würde es nicht komisch aussehen, würde vielen von uns wohl auch ein locker übergehängtes Bärenfell reichen. Das hat schließlich über Jahrhunderte lang gut funktioniert. Auf der Jagd nach Mammuts war es eh nicht so wichtig, wie jemand aussah.

Um so weniger begreifen wir Männer, wie Frauen Stunden damit zubringen können, lauter (scheinbar!) völlig gleich aussehende Oberteile gegeneinander aufzuwiegen und dabei in Gedanken den Inhalt ihres Kleiderschrankes wieder und wieder auf Kombinationsmöglichkeiten hin durchzugehen. Wir Männer verstehen auch nicht, wieso Frauen ein Kleidungsstück nicht einfach kaufen können, wenn es ihnen doch gefällt. Warum müssen sie vorher erst unzählige weitere, ganz ähnlich aussehende, Kleidungsstücke anprobieren, bevor sie dann doch wieder da landen, wo sie mit der Suche begonnen haben?

Eben diese Fragen sind den Männern auf der schmalen Bank vor den Umkleidekabinen wohl durch den Kopf gegangen, während ihre Frauen sich drinnen vor dem Spiegel wieder und wieder aus- und anzogen. Diese Gedanken spiegelten sich auch in den Gesichtern der Männer, vermischt mit Müdigkeit und Resignation, beides mehr oder weniger mühsam unterdrückt, je nachdem wie lange sie schon mit ihren Freundinnen zusammen waren.

Ich werde wohl nie begreifen, was Frauen am Shoppen finden. Allerdings haben auch sie einen ganz eigenen Blick dabei. Es ist so ein leises Leuchten in den Augen, nicht unähnlich dem Blick eines Mannes, der irgendetwas auseinanderschrauben darf, irgendwie glücklich, nur weniger kindlich. Und es gibt sogar einen kurzen Moment, in dem Mann und Frau in derselben Sekunde gleich zufrieden dreinschauen: Wenn beide nach erfolgreichem Einkauf den Laden verlassen nämlich.

In diesem Sinne, schön, dass heute Sonntag ist!

Der Koma-Freund

Manchmal nennt sie ihn den Koma-Freund. Allerdings meint sie das nicht böse. Sie ist einfach nur frustriert. Sie hat einen interessanten Mann kennengelernt, und dessen Freundin liegt tatsächlich im Koma. Und jemand, der im Koma liegt, dem spannt man doch nicht den Freund aus – oder vielleicht doch?

Zugegeben, das klingt eher nach der Kurzbeschreibung eines Filmplots als nach dem wahren Leben. Trotzdem ist die Geschichte nicht erfunden¹. Das ist auch der Grund, warum ich ein wenig ratlos war, als besagte Freundin mir vorhin davon erzählt hat. Bei einem Film hätte ich zumindest empfehlen können, einfach zum Happy End vorzuspulen – im wahren Leben geht das leider (noch) nicht.

Im Krieg und in der Liebe sei alles erlaubt, hat Napoleon einmal gesagt. Aber stimmt das? Zum Ausspannen gehören immer drei: 1. Jemand, der ausspannt; 2. jemand der ausgespannt wird und 3. jemand, dem jemand ausgespannt wird. Letzterer muss normalerweise damit leben, wenn sein Partner oder seine Partnerin sich “abwerben” lässt. Das ist dann schmerzhaft, aber letztlich der Lauf des Lebens.

Anders ist es, wenn der Verlassene nicht wirklich wehren konnte – ja nicht mal mitbekommt, wie ihm geschieht und auch keine Chance hat, das Blatt noch zu seinen Gunsten wenden. So etwas auszunutzen erscheint uns unmoralisch, man tut es einfach nicht. Genau so, wie man ja auch keinen Einbeinigen zum Hundertmeterlauf herausfordert.

Was aber, wenn hinter der Ziellinie die Frau bzw. der Mann des Lebens wartet? Überlässt man dann dem Einbeinigen das Feld, bloß weil dieser eben nur ein Bein hat? Was meint Ihr?

In diesem Sinne, ready, set, go!

¹allerdings auf Bitte derjenigen, die sie mir erzählt hat, ein wenig verfremdet

Kreisrunde Sexlüge

Frauen lügen über die Zahl ihrer bisherigen Sexualpartner. Männer auch. Dass die Zahlen je nach Geschlecht gerne mal nach nach oben (Männer) bzw. nach unten (Frauen) korrigiert werden, ist allerdings keine neue Erkenntnis. Die einschlägigen Umfrageergebnisse und dass diese schon rein rechnerisch nicht wahr sein können, sind schon seit Jahren ein beliebter Party-Smalltalk.

Es gibt allerdings noch mehr Ungereimtheiten. Wie kann es zum Beispiel sein, dass die meisten Frauen liiert, die meisten Männer aber solo sind? So jedenfalls meine Erfahrung. Und so viele in Bigamie lebende Männer kenne ich nun auch wieder nicht.

Komischerweise scheint sich diese Ungereimtheit sofort in Luft aufzulösen, wenn man selbst nicht mehr zu haben ist. Auf einmal war man nicht nur der letzte Mann, der endlich unter die Haube kam. Von einer Sekunde zur anderen ist man auch unglaublich interessant für hunderte, plötzlich aus dem Erdboden schießende Single-Frauen!

Das Problem: Eben um nicht mehr zu haben zu sein, bräuchte man die hundert Single-Frauen (oder wenigstens eine!) bevor man liiert ist – und nicht erst nachdem. Dumme Sache. Wie ein Kreis ohne Eingang.

In diesem Sinne – jemand eine Idee?

Täglich Silvester

2009-11-02-solo

Silvester ist so ein Datum. Mit Partner ist es einfach – da kann man notfalls immer noch romantisch zu zweit ins neue Jahr rutschen. Bei Sekt, Nudelsalat und aufgezeichneten TV-Spektakeln. Doch was ist mit den Menschen, die diese Alternative nicht haben? Nudelsalat alleine geht an Silvester einfach nicht. Das sehe sogar ich ein – und ich bin normalerweise ein großer Verfechter singlelärer Unternehmungen. (Ich weiß, dass es eigentlich singulär heißt).

Nicht nur zum Jahreswechsel, auch sonst: Ich bin überzeugt, die Herausforderungen eines gewöhnlichen Single-Lebens werden immer noch sträflich unterschätzt.

Natürlich meint die obligatorische “mit Partner”-Formulierung auf Einladungen nicht, dass man ohne lieber wegbleiben sollte. Trotzdem ist es oft genug komisch, wenn man wirklich ohne Anhang auftritt. Nicht selten stellt das sogar ganze Sitzordnungen auf die Probe – wenn man zum Beispiel mit sechs liierten Menschen, drei Paaren, an einem Tisch sitzen muss, und als siebtes Rad am Wagen den Gleichlauf aller anderen Räder irritiert.

Selbst sitzordnungsfreie Parties sind eine Herausforderung. Zwar mag ich eigentlich gerade die Feiern, bei denen ich kaum jemanden oder vielleicht sogar nur den Gastgeber kenne. Andererseits wird immer wieder verkannt, wie emotional anstrengend der Anlauf zu eben so einer Veranstaltung sein kann.

Mit Freund oder Freundin hat man zur Not immer jemanden, mit dem man sich unterhalten kann, wenn das mit dem Anschluss-Finden nicht auf Anhieb funktioniert. Ohne wird dagegen schon das Eintreffen zum Politikum: Lieber früh kommen, weil sich die alten Gruppen dann noch nicht gefunden haben, oder spät, weil die Party dann schon im Gange und das entspannte Gesprächspartner-Finden vermutlich leichter ist?

Ich bin gut alleine. Mit 18 Jahren bin ich das erste mal alleine in den Urlaub geflogen – und ich habe es geliebt. Ich war seitdem unter anderem alleine auf Mallorca und Ibiza, in Barcelona, Prag, New York und Riga. Kurz nach meinem 25. Geburtstag bin ich alleine nach Buenos Aires geflogen, um von dort quer durch Süd-Südamerika zu touren und über Neuseeland, Australien und Südostasien rund um den Globus zu reisen.

Um nichts in der Welt wollte ich auf diese Erfahrungen verzichten. Trotzdem komme ich mir manchmal blöd vor. Wenn ich zum Beispiel als einziger Single auf einer Party auftauche. Oder wenn ich mir auf einmal Gedanken machen muss, was ich eigentlich an Silvester tun könnte, ohne  gleich das Mann-Frau-Kontinuum bei meinem besten Freund durcheinander zu würfeln.

In diesem Sinne, viele Grüße!

Delmenhorst

2009-09-23-delmenhorst

Ich bin schon mal durchgefahren, mit dem Zug. Wenn ich mich recht erinnere, hatte ich hier  sogar ein oder zwei Minuten Aufenthalt. Hätte aber nicht sein müssen. Viel gab es nicht zu sehen.

Bekannt geworden ist der kleine Ort in Niedersachsen durch Sarah Connor, die hier aufgewachsen ist. Ihrer Nase übrigens auch. Und durch Sven Regener, der ein Lied über “Delmenhorst” geschrieben hat. ”Ich bin jetzt immer da, wo Du nicht bist”, singt Regener, “und das ist immer – Delmenhorst”.

Wenn eine Beziehung endet, ist es mit der Freiheit danach so eine Sache. Frauen haben sie das komische Bedürfnis, ihre Freunde erziehen zu wollen. Liebenswürdig und dogmatisch zugleich haben sie es sich dem Ziel verschrieben, aus vermeintlich ungehobelten Mannsbildern wahre Kavaliere oder wenigstens bessere Menschen zu machen. Um so dramatischer, wenn die Beziehung zu Ende geht, bevor sie dieses Ziel verwirklichen konnten. Ihre Bemühungen leben nämlich fort, so oder eben so.

“Es ist schön, wenns nicht mehr weh tut”, singt Regener und dass sein lyrisches Ich die Klamottenfarbe nun selbst bestimmt. Ich muss bei dabei immer an eine Kette denken, die mir eine Freundin mal geschenkt hat. Bis dato war ich nicht der Mensch gewesen, der Schmuck getragen hat. Die Kette gefiel mir aber. Daran änderte auch nichts, dass besagte Freundin und ich uns wenige Wochen später getrennt haben. Die Trennung war von mir ausgegangen, trotzdem habe ich die Kette noch gut ein halbes Jahr lang getragen. So lange, bis sie irgendwann den selben Weg gegangen ist, wie die Beziehung (sie ist kaputt gegangen).

Heute frage ich mich, was ich mir dabei gedacht habe. Gefiel mir die Kette so gut, dass ich sie weiter als eine Art modisches Ascessoir  mit mir rumtragen wollte? (Das wäre unheimlich. Sollte ihre Erziehung wirklich derart tiefenwirksam gewesen sein?) Vielleicht habe ich mir auch gar nichts dabei gedacht und die Kette einfach aus Gewohnheit weiter getragen? (Auch keine besonders realitätsnahe Vorstellung, dafür denke ich zu viel.)

Jede Beziehung hinterlässt ihre Spuren, selbst dann, wenn man sich diese nicht um den Hals hängen kann. Manche dieser Spuren verlieren sich irgendwann, andere hinterlassen Narben oder sogar tiefe Krater. Alles andere wäre wohl komisch. Trotzdem habe ich keine Ahnung, wie Regener ausgerechnet auf Delmenhorst gekommen ist. Zumal es sich bei dem im Song immer wieder besungenen Geschäft, “Getränke Hoffmann”, um eine originär Berliner Getränkehaus-Kette handelt. Aber das ist ein anderes Thema.

Jedenfalls schön, wie der Element of Crime-Sänger das Ende einer Beziehung umschreibt, die zumindest im Kopf noch nicht wirklich zu Ende ist.

In diesem Sinne, hinter Hurting ist ein Graben …

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