Hustensaft darf nicht schmecken, sonst wirkt er nicht. Beziehungen, um die man nicht kämpfen muss, sind nichts wert. Beide Aussagen sind Quatsch. Die zweite vielleicht noch mehr als die erste.
Eine gute Freundin von mir hat sich kürzlich verliebt. Er sei toll, sagt sie, so unkompliziert. Ungewohnt, findet sie, aber schön. Dabei hat sie mich an den Hustensaft erinnert. Und an mich selbst.
Aus dem Stegreif kann ich mindestens eine Hand voll Frauen aufziehen, bei denen ich mir sicher war: Wenn ich nur lange genug durchhalte, dann wird das was mit uns. Zum Teil ging es über Monate. Wirklich funktioniert hat es trotzdem nie – egal wie lange ich durchgehalten habe. Nur gelernt habe ich nichts aus diesen Erfahrungen. Und das ist es, was mich gerade wundert.
Schließlich habe ich auch ganz andere Erfahrungen gemacht. Es gab sie, die Frauen, mit denen es wie von selbst lief. Man lernte sich kennen, kam sich näher und irgendwann ganz nahe – ganz unkompliziert. Nicht oft, aber immerhin. Sollte mich das nicht nachdenklich machen? Wieso fallen wir Menschen – und ich verallgemeinere jetzt einfach mal – immer wieder auf das selbe Spiel rein? Warum meinen wir, was kompliziert anfängt, wird schon irgendwann einfach enden? Wieso darf Hustensaft nicht helfen und schmecken?
Sehen wir den Tatsachen doch ins Gesicht: Wenn es schon vor dem Beginn einer Beziehung nicht funktioniert, wird daran auch eine Beziehung nichts ändern – egal wie sehr Hollywood das Gegenteil propagiert! Und wenn man dem Hustensaft nur genügend Zucker beimischt, dann schmeckt er auch irgendwann.
In diesem Sinne, ein Hoch auf das Unkomplizierte!




Plötzlich stand sie vor mir. “Das ist S.”, sagte mein Bekannter. Ich sagte gar nichts. Dabei war es ja nicht so, dass ich sie jetzt zum ersten Mal sah. Nur ist es eben doch etwas anderes, auf Facebook und Co Fotos von jemanden zu betrachten als ihm oder ihr in Wirklichkeit zu begegnen.
Nennen wir mich doch einfach “die letzte Chance”. Nachdem nämlich meine Schwester am Wochenende nicht nur geheiratet, sondern auch gleich den Namen ihres Mannes angenommen hat, ist es an mir, den Familiennamen in die Zukunft zu retten. Ich bin, so muss man es wohl sagen, der letzte, der noch dazu in der Lage ist.
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