Biersee im Bus

2009-07-05 beckks2

Man sollte eine Stadt nicht danach beurteilen, welches Bier in ihren öffentlichen Verkehrsmitteln getrunken wird. Trotzdem darf man sich natürlich freuen, wenn das Ergebnis stimmt. Selbst wenn man selbst gar kein so großer Becks-Trinker ist.

In Berlin ist sie aus der U-Bahn jedenfalls nicht wegzudenken: Die grüne Flasche mit dem roten Schlüssel als Mini-Emblem über dem silber-schwarzen Schriftzug.

Ob als Feierabendbier nach der Arbeit, als Wegbier unterwegs zur Party oder als Schlummertrunk auf dem Rückweg von eben dieser: Wer mit offenen Augen durch die Hauptstadt geht, wird von Becks quasi überrollt. Sogar die Verfilmung von Sven Regeners “Herr Lehmann” kommt um die vermeintliche Spezialität aus Bremen nicht herum (Bild).

Vielleicht hängt das damit zusammen, dass Becks von allen Bieren eben doch mit am meisten nach Limonade und am wenigsten nach Bier schmeckt. So sehen es jedenfalls meine Geschmacksnerven. Becks macht Biertrinken leicht – und Bier gehört nun mal zu Berlin, wenn auch nicht exklusiv – so viel Zugeständnis muss wohl sein.

Gerade deshalb habe ich mich vorhin nämlich plötzlich heimisch gefühlt, als mir im Bus diese junge Frau mit der grünen Flasche auffiel. Nach vier Umzügen in nur einem Jahr stand das Becks im Bus auf eine ganz eigene Art und Weise für ein Ankommen in meiner neuen Heimat: Konstanz.

Ich weiß noch nicht genau, wie lange ich nun hier am Bodensee bleiben werde. Gefreut hat mich aber nicht zuletzt eines besonders: Wie in Berlin gibt es hier in einigen Kneipen noch eine besonders schmackhafte Becks-Alternative: Leckeres Augustiner.

In diesem Sinne, Prost!

2009-07-05 Becks

Dorfleben

Ich bin jetzt runter auf 700. Angefangen hatte ich bei 3,5 Millionen. Der Ort, in dem ich jetzt lebe, hat also nur ein 5000′tel (in Worten: ein Fünftausendstel) der Einwohner von Berlin – mich mitgerechnet. Ich habe für diese Verkleinerung gerade mal neun Monate und fünf Umzüge gebraucht. Das Verrückte daran: Ich finde das gar nicht mal so schlecht.

2009-04-04-dorfleben

Ich genieße es zum Beispiel, am frühen Abend auf meinem Balkon zu stehen (was ich dann sehe, seht Ihr oben, anklicken erlaubt). Das Joggen konnte ich heute morgen direkt vor der Tür beginnen, denn dort ist das Dorf zu Ende und die Felder und Äcker beginnen. Die Luft riecht angenehm würzig und klar. Gleich zwei Treckern musste ich bei meiner Laufrunde ausweichen. 

Außerdem habe ich einige Jugendliche getroffen. Sie dürften so um die 15 Jahre alt gewesen sein. Statt eines Hip Hop streuenden Handys trugen sie allerdings Musikinstrumente. Außerdem hatten sie seltsame Trachten an und grüßten artig, als ich an ihnen vorbei lief. (Im Internet habe ich später herausgefunden, dass sie offenbar zur örtlichen Kapelle gehörten, daher die Trachten. Die beiden übrigen nennenswerten Vereinigungen im Dorf sind übrigens die Freiwilligen Feuerwehr und die Fastnachts-Gruppe “Die Klosternarren”.) 

2008-04-04-baumIn Berlin war das anders. Da hatte ich keinen Balkon. Statt dessen konnte ich aus meinem Fenster auf den anderen Seitenflügel und in den Innenhof gucken. Lange Zeit stand hier ein einzelner Baum, bis er irgendwann umgeweht wurde und dabei eine Scheibe einschlug. Danach gab es keinen Baum mehr. 

Gejoggt bin ich in Berlin normalerweise auf einem Sportplatz. Zu dem musste ich allerdings erstmal etwa einen Kilometer über Bürgersteige und an Kinderwagen schiebenden Müttern vorbei laufen. Die Luft war dabei höchstens erfüllt von Abgasen, und im Winter hat man die immer noch aktiven Kohleöfen gerochen – meine eigene Ofenheizung eingeschlossen.

Ja, man sollte meinen, jetzt ist alles besser, und ich bin endlich angekommen. Stimmt, sage ich. Allerdings habe ich den entscheidenden Faktor, warum es mir hier so gut gefällt, noch gar nicht genannt: Weil ich in drei Monaten wieder wegziehen werde. Ich genieße das Dorfleben – weil ich weiß, dass es nicht für immer ist.

In diesem Sinne, einmal Großstadt – immer Großstadt?

Gefährliches Rührei

2009-02-07Rührei, Sonntagszeitung und Radio Eins, für mich gehört das zu einem gelungenem Sonntag-Morgen einfach dazu. Es ist eine Art Ritual. Ich habe in Berlin damit angefangen und seitdem nicht wieder damit aufgehört. Vielleicht ist genau das Problem.

Der entscheidende Vorteil der Vergangenheit ist, dass wir wissen, wie sie ausgeht. Es ist leicht, sich auf ihr wie auf einem Ruhekissen auszustrecken. Ganz im Gegensatz zum Hier und Jetzt scheint die Vergangenheit kontrollierbar. Wie bei einem Film, den man schon kennt. Auch wenn es zwischendurch brenzlich aussieht, letztlich weiß man, dass der Held am Ende als strahlender Sieger da stehen wird. 

Vielleicht flüchte ich mich deshalb manchmal in Gedanken nach Berlin. Ich habe gerne dort gewohnt und habe die Stadt zumindest aus Sicht meines Lebenslaufs als Sieger verlassen. 

Manchmal frage ich mich allerdings, ob meine nicht nachlassende Affinität zu Berlin vielleicht kontraproduktiv für mein zukünftiges Leben ist. Ist es wirklich sinnvoll, Rührei zu essen und via Internetradio den Wetterbericht für eine Stadt zu  hören, die sieben Monate und 783 Kilometer entfernt ist?

In diesem Sinne, beim Blick in den Rückspiegel – Gruß an die Rodenbergstraße!

Die Bierkarte, bitte!

Berlin Mitte ist Touri-Land. So jedenfalls der Eindruck, wenn man bei gutem Wetter eine Runde rund um den Hackeschen Markt dreht. 

Berlin-Touristen wiederum gehören nicht zu den klügsten Menschen auf der Welt. Im Gegenteil, sie brauchen Hilfe! Zumindest bei der Wahl ihrer Biererfrischungen. So jedenfalls der Eindruck, wenn bei irgendeinem Wetter in einem der Lokale unter den S-Bahn-Bögen einkehrt.

“Pils, herb” heißt es etwa in der Speisekarte eines dieser Lokale freundlich erklärend zum Thema Berliner Pilsner, “Pils, lieblich” beim Schlagwort Warsteiner. Da weiß man dann wenigstens, woran man ist.

Na dann, Prost! 
In diesem Sinne …

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...