Nacht in “G.”

Die letzte Nacht in Splittern und Erkenntnissen:

  • Gelernt: Wenn man lange genug freundlich lächelt, bekommt man auch im vollen Restaurant noch einen Tisch angeboten.
  • Gewundert: Warum die chinesische Kellnerin unbedingt die Telefonnummer der Spanierinnen haben wollte, an deren Tisch sie uns platziert hat?
  • Gelästert: Je größer das Ego desto größer die Sonnenbrille. Je dunkler der Raum, desto blöder sieht das aus.
  • Geleert: Wenn im Club erst das Flaschenbier und dann das Fassbier ausgeht, bekommt man ein schlechtes Gewissen.
  • Gewechselt: Ist das Bier alle, wird eben Schnaps ausgeschenkt.
  • Getanzt: zu richtig guter Musik.
  • Gerätselt: Von wem ist noch mal dieses coole Lied?
  • Getroffen: Die Zwillingsschwester der Schauspielerin Miriam Stein. Nur dass die gar keine Zwillingsschwester hat.
  • Gekonnt: Wenn man an einem Abend bei gleich zwei Läden die Sperrstunde verzögert, fühlt man sich, als wäre man wieder 20.
  • Geirrt: Am nächsten Morgen gemerkt, dass man es nicht ist.

In diesem Sinne, gehabt Euch wohl!

Damenbesuch II

Eigentlich nur ein morgendlicher Schnappschuss durch mein Schlafzimmerfenster auf das Dach der Garagen im Hof. Aber irgendwie mag ich das Foto.

Später kam die Katze (oder der Kater) noch etwas näher an mein Fenster, guckte mich mit großen Augen an und versuchte dann vergeblich einen der Spatzen auf dem Baum rechts von meinem Balkon zu fangen. Übrigens nicht der erste Besuch dieser Art.

In diesem Sinne, guten Morgen!

Date-Domino

Wenn man beim zweiten Date merkt, was man beim ersten Date alles falsch gemacht hat, ist das komisch. Komischerweise ist es aber nicht ungewöhnlich. Dass es trotzdem zu einem zweiten Date kommen kann, muss in der menschlichen Natur liegen. Die ist schließlich ebenfalls oft genug komisch.

“Bei einer ersten Verabredung merke ich normalerweise schon nach ein paar Minuten, ob ich noch eine zweite möchte”, gestand mir vor einiger Zeit eine gute Freundin. “Kommt er pünktlich oder zu spät? Redet er nur über sich oder kann er auch zuhören? Strahlt er eine gewisse Sicherheit aus? Und wie enttäuscht ist er, wenn er merkt, dass er mich heute Abend nicht ins Bett bekommen wird”, zählte sie an ihren Fingern auf.

Klingt an sich schlüssig. Ich bin allerdings überzeugt, dass das nur eine Seite der Medaille ist. Nicht gleich den quasselnden Angeber auf der Suche nach einem One-Night-Stand raushängen lassen? Ich dachte immer, das sei selbstverständlich. Ist es aber anscheinend nicht … Das kann aber doch nicht wirklich alles sein?

Ist es auch nicht. Ich behaupte sogar, das Meiste davon ist mehr als nur zweitrangig. Was zählt ist ein einziger, kleiner Impuls. Ja – oder nein. Vor einer Frau (und auch vor einem Mann) kann das größte Arschloch sitzen, senkt oder hebt dieser Impuls den Daumen, ist (erstmal) alles entschieden, ganz egal, was danach kommt. Das Deprimierende – oder das Gute dabei (je nachdem): Dieser Impuls ist praktisch nicht steuerbar. Weder bei anderen, noch bei sich selbst.

Schmerzhaft spürbar ist das, wenn man sich unglücklich verliebt. “Kämpf um sie!”, sagen gute und vermeintlich schlaue Freude. Doch das ist Quatsch! Wer nicht will, der will nicht. Meistens zumindest. Wer will, der sieht auch über das eine oder andere Fettnäpfchen hinweg (zumindest in einem gewissen Rahmen – um das hier nicht als Fettnäpfchenfreibrief verstanden zu wissen!).

Richtig bewusst wird einem diese gewöhnungsbedürftige Tatsache, wenn es zum zweiten oder drittem Date kommt. Die erste Aufregung ist verflogen, genau so wie die erste Unsicherheit. Man spricht plötzlich offener miteinander. “Ich mag es nicht, wenn er mir andauernd die Tür aufhält”, sagt sie und ihm wird schmerzhaft bewusst, dass er genau das die ganze Zeit getan hat. “Gute-Nacht-SMS nach dem Verabschieden finde ich schön”, erklärt sie ein paar Gesprächsthemen weiter und ihm wird klar, dass er sich eben diese immer mühselig verkniffen hat.

Auch wenn man doch so gerne alles richtig gemacht hätte, am Ende war es das genaue Gegenteil, so scheint es. Nach und nach fällt all das in zusammen, was man sich Date für Date aufgebaut hat – oder was man zumindest dachte, dass man es sich aufgebaut hätte.

Erstmal hat das etwas furchtbar Frustrierendes. Allerdings nur, wenn man nicht weiter darüber nachdenkt. Bei genauerem Hinsehen wird nämlich klar: Fehler sind in der menschlichen Natur durchaus mit einkalkuliert. Wäre es überhaupt zum zweiten Date gekommen, wenn der erste Stein gleich das Gesamtbild umgeworfen hätte?

In diesem Sinne, Luft holen und langsam bis drei zählen!

Kopfkonzert II

Wo ich schon mal beim Thema Musik bin: Den Flyer hab ich am Wochenende in einem Club in die Hand gedrückt bekommen. Normalerweise hätte ich ihn weggeworfen. Statt dessen habe ich ihn eingesteckt. Irgendwie hat mir der Spruch gefallen. Auch wenn er zugegebenermaßen ziemlich banal ist. Naja, vielleicht hat mir auch einfach der Abend gefallen.

In diesem Sinne, too old for bad music!

Kopfkonzert

Plötzlich ist sie da. Vielleicht, weil ich gerade ein paar Dinge mit mir rumschleppe, die ich lieber hinter mir lassen würde. Sie kommt vor allem dann, wenn ich versuche, mal nicht nachzudenken. Manchmal auch mitten in der Nacht. Als hätte mir jemand heimlich Kopfhörer in den Kopf geschraubt, drängt sich die Musik dann in mein Hirn und lässt sich auch nicht wieder ausschalten.

Besonders aufdringlich sind Airborne Toxic Event. Ich mache der Band da keinen Vorwurf – “Happiness is overrated” gehört zu meinen All-time-Favorite-Songs. Das Lied stört allerdings, wenn ich versuche zu schlafen oder wieder einzuschlafen – auch wenn ich dieses Bild von den Fliesen, die von der Decke regnen, ganz wunderbar finde. Passend eigentlich, dass Sänger Mikel Jollett irgendwann später von Worten singt, die sich im Kopf festsetzen.

Schlimm ist auch Chris Cornell mit “You know my name“. Seit ich das Lied als Laufband-Begleitung im Fitnessstudio (wieder-)entdeckt habe, verfolgt es mich. Beim Putzen meiner Wohnung, auf dem Weg zur Arbeit und manchmal sogar bis unter die Dusche (nein, ich singe nicht laut mit – das tue ich nur beim Autofahren).

Und dann wären da natürlich noch die Dire Straits mit dem großartigem “Telegraph Road” – meiner zuverlässigen Busbegleitung im vergangenen Sommer in Südspanien – und natürlich The Killers mit “Read my Mind“. Allein das erstgenannte Lied ist über 14 Minuten lang – harter Tobak, wenn man nachts davon wach wird und das mit dem Denken doch eigentlich lieber ganz weglassen würde. Dumm, dass der Kopf-iPod nicht so einfach per Fingerzeig zu bedienen ist wie sein Äquivalent von Apple. Aber vielleicht kommt das ja noch.

In diesem Sinne, keep on rockin’! So oder so …

Sonnig bis nackt

Ja, ich bin manchmal kleinlich. Aber jedes Mal, wenn ich dieses Schild lese, habe ich nichts weiter als ein Handtuch an. Das Schild hängt seit mindestens zwei Jahren in den Spinden meines Fitnessstudios. So lange trainiere ich dort schon. Und genau so lange fordert mich das Schild in unterstrichenfettgedrucktundsuperwichtig auf, mich sofort an der Theke anzumelden, damit ich mich künftig für 33 Cent zehn Minuten am Tag sonnen kann.

Keine Ahnung, warum ich das Schild nie lese, wenn ich ankomme, meine Sportsachen anziehe und die Tasche im Spind einschließe. Ich lese es aber jedes Mal, wenn ich meine Sportsachen ausgezogen habe und in meiner Tasche nach Handtuch, Duschgel und Shampoo wühle. Vielleicht liegt es am Winkel, in dem ich dann vor dem Spind stehe.

Mehr als einmal habe ich mich jedenfalls schon gefragt, wie man an der Theke wohl reagieren würde, wenn ich der Aufforderung einfach konsequent nachkommen würde und nur mit dem Handtuch bekleidet einmal quer durch das ganze Studio laufen würde. Jedes Mal war ich dann froh, dass ich kein sonderliches Interesse an den Sonnenbänken des Studios habe.

In diesem Sinne … ob das auch mit dem Schild zusammenhängt?

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