Ich werde einmal einer dieser furchtbaren “Weißt Du noch”-Menschen sein. Vielleicht bin ich es sogar schon. Einer von denen, die einen Kassenbon aus einem alten Notizbuch ziehen und dann in Tränen ausbrechen, weil sie der Kassenbon an eine ganz bestimmte Situation aus der Vergangenheit erinnert. Ich werde mit dem Finger die einzelnen Positionen entlang fahren – Toast, Flasche Rotwein, Käse, Butter -, vielleicht ebenfalls weinen und dann “weißt Du noch” denken.
Mein Problem ist, dass ich sehr bewusst lebe. Andauernd verknüpfe ich Gedanken, Dinge, Gerüche und vieles mehr miteinander und lagere das ganze dann irgendwo in meinem Kopf (oder in meinen Notizbüchern). Oft weiß ich in dem jeweiligen Moment sogar schon, dass ich mich an ihn oder an meine Gedanken einmal mit einer gewissen Wehmut erinnern werde. Ist es dann soweit, reicht ein kleiner Impuls, um die entsprechenden Gedanken abzurufen.
Als ich gestern Abend über die Europabrücke über den Seerhein in Richtung Konstanz-Innenstadt gegangen bin, hatte ich so einen “Weißt Du noch”-Moment. Das heißt, eigentlich hatte ich sogar zwei: Ich habe mich an die ersten Male erinnert, die ich diese Brücke überquert und dabei aufs Wasser geguckt habe. Zugleich habe ich daran gedacht, wie eben dieser Moment gestern irgendwann ein “Weißt Du noch”-Moment sein wird.
In diesem Sinne, liebes Gestern, grüß mir noch heute das Morgen!
Kann man eine Sinnkrise wohnen? Oder anders gefragt: Kann eine Stadt eine Sinnkrise haben? Wundern würde es mich jedenfalls nicht. Selbst eine Krise, wenn auch vielleicht keine mit Sinn, bekommt, wer einmal versucht hat, den Wikipedia-Eintrag zum Thema Stadt ganz durchzulesen. Aber darum soll es hier nicht gehen.
Wenn ich sonntags nicht arbeiten muss, versuche ich ein ganz bestimmtes Sonntagsritual einzuhalten. Ich gehe joggen, kaufe auf dem Rückweg zu meiner Wohnung Brötchen und die Sonntagszeitung und mache mir dann zum Frühstück meine ganz spezielle Rührei-Variante (mit Tomaten und Schafskäse).
Seit ich aus Berlin weggezogen bin, ist es gar nicht so einfach, diesem Ritual treu zu bleiben. Schuld sind die Bäcker in den Orten, in denen ich in den vergangenen eineinhalb Jahren gewohnt habe. In Ravensburg und Neudingen gab es gar keinen in der Nähe. In Radolfzell schon, der verkaufte allerdings keine Zeitungen. Und in Konstanz habe ich zwei Bäcker zur Auswahl, die allerdings beide um elf schon wieder schließen und bei denen die Zeitungen oft schon um halb zehn ausverkauft sind.
Konstanz hat ungefähr 82.000 Einwohner, was die Stadt beinahe zur Großstadt macht (ab 100.000 Einwohner). Trotzdem ist es gar nicht so einfach, an einem Sonntag nach elf Uhr noch Brötchen zu bekommen. Auch wer Samstags nach ein Uhr nachts noch irgendwo was trinken, aber nicht in eine Großraumdisco gehen möchte, hat alles andere als die Qual der Wahl. Konstanz kann diesbezüglich schon ganz schön provinziell rüberkommen.
Andererseits ist Konstanz eine Studentenstadt, es gibt Menschen unter 30 auf der Straße – sogar mehrere! Und verglichen mit Neudingen (600 Einwohner), wo ich beim Joggen nicht nur Treckern, sondern manchmal sogar Kühen ausweichen musste, ist es tatsächlich so etwas wie eine Großstadt. Groß, klein – Konstanz scheint sich da nicht wirklich festlegen zu wollen.
Genau so geht es übrigens mir: Ich mag Konstanz, selbst wenn ich es immer noch mit ‘z’ und nicht (richtig) mit ’sch’ ausspreche. Ich genieße das unkleinstädtische Flair genau so wie das dörfliche Flair, das dieser Ort verbreiten kann. Hin und wieder habe ich allerdings doch wieder das Gefühl, schlicht und einfach in der Provinz gelandet zu sein. Aber ich bin ja auch noch irgendwie neu.
In diesem Sinne, drei Brötchen und eine Zeitung bitte!
Ich bin doch kein Hund! Oder doch? Die meisten Blogger scheinen sich zumindest hin und wieder so zu fühlen. Sie holen Stöckchen, und wenn sie dazu gerade keine Lust haben, lassen sie sich auf einer eigens dafür existierenden Internet-Plattform blödsinnige Fragen stellen. Komisch, sagt Ihr? Sehe ich genau so. Vielleicht habe ich aber auch einfach die Entwicklung des Web 2.0 zum Web 2.1 verschlafen. Und vielleicht bin ich ja auch einfach nur neidisch, dass mir niemand ein Stöckchen zuwirft.
In meinem Bekanntenkreis gibt es nicht so viele Menschen, die bloggen. Das mag am Alter liegen. Der Otto-Normal-Blogger, zumindest die meisten davon, ist nämlich zwischen 13 und 29 Jahren alt, wobei die Mehrheit davon wiederum zwischen 13 und 19 Jahren alt ist – so jedenfalls das Ergebnis diverser Studien.
Klickt man sich eine Weile durch die zahllosen Blogs, die mittlerweile das WWW bevölkern, scheinen diese Studie die Realität recht gut abzubilden. Und noch etwas fällt auf: Diese junge Blogger-Generation nutzt das Bloggen deutlich interaktiver als ich das tue. Zum Beispiel indem sie Stöckchen werfen. Das hat nämlich nicht wirklich etwas mit Hunden zu tun. Wenn ein Blogger ein Stöckchen aufnimmt, meint das nichts anderes, als dass er etwa einen Fragebogen aufgreift und beantwortet, den irgendwer anderes in die Welt gesetzt hat.
Fragebögen sind übrigens ein gutes Stichwort. In den letzten Monaten ist eine Seite mit dem blödsinnigen Namen “Formspring.me” immer beliebter geworden. Die bietet einen seltsamen Service: Einmal angemeldet kann man sich anonym befragen lassen und die Antworten optional auch noch bei Twitter, Facebook und Co einlaufen lassen.
Seltsam? Nun ja, Bloggen hat ja per se schon etwas narzistisch-Exibitionistisches – so gesehen ist Formspring.me nur konsequent. Dass es trotzdem an mir vorbeigegangen ist, hat vermutlich auch einen ganz einfachen Grund: Ich bin zu alt! Mit 30 passe ich eben nicht mehr in das 13-29-Raster. Kein Wunder, dass mir niemand mehr ein Stöckchen zuwirft!
In diesem Sinne, machs gut, Bello!
Wer mich sieht, hält mich wahrscheinlich für verrückt. Ich kann das verstehen, ich sehe auch komisch dabei aus. Ich gucke gern in den Himmel und in die Sterne. Nicht mit Sinn und Verstand, wie es ein Astronom tut, sondern vielmehr sinnlos und ganz bewusst ohne Verstand. Ich finde das entspannend.
Das schöne am menschlichen Gehirn ist nämlich, dass es unmöglich nichts tun kann. Gibt man ihm keine konkrete Aufgabe, fängt es irgendwann an, wahllos vor sich hin zu denken. Der Blick in die Sterne wird also zu einer Art Achterbahnfahrt durch den eigenen Kopf. Gedanken, auf die man selbst nie gekommen wäre, tauchen plötzlich vor dem inneren Auge auf. Wie im wirklichen Leben, oder?
Natürlich sind wir der Meinung, dass wir bestimmen, wo es lang geht. Das ist sicher auch nicht ganz falsch. Trotzdem kommt es meistens doch anders – zumindest als wir denken.
In diesem Sinne, Grüß mir die Sonne!
Ich werde Drogenbaron. Zumindest dann, wenn es mir nicht gelingt, amerikanischer Präsident, Bundeskanzlerin oder Papst zu werden. Die stehen nämlich laut Forbes-Liste der mächtigsten Menschen der Welt noch vor Joaquín Guzmán, einem mexikanischen Drogenmagnaten. In der Liste hat er es aber immerhin auf Platz 39 geschafft – als Kriminelle sind nur Osama bin Laden und Silvio Berlusconi erfolgreicher. Mit beiden wollte ich nicht tauschen.
Für seine Liste hat das Forbes-Magazine eine ganze Reihe von Faktoren berücksichtigt. Geld, politischer Einfluss, etc. Eine Frage bleibt allerdings unbeantwortet: Nämlich die, warum der Mensch eigentlich nach Macht strebt. Was haben wir davon, wenn unser Handeln Millionen Menschen beeinflusst? Oder wenn wir zumindest im kleinen Rahmen bestimmen können, wo es langgeht?
Machtspielchen gibt es überall. Sie bestimmen unser Leben mehr als wir uns eingestehen wollen. Wer es nicht glaubt, braucht sich nur für ein paar Minuten hinter das Steuer eines Autos im Feierabendverkehr setzen. Lauter kleine Hilfspolizisten, deren größte Freude es ist, andere Verkehrsteilnehmer gemäß ihrer Interpretation der StVO zu erziehen. Wie berauschend das Gefühl, den vermeintlichen Vorbei-Schummler an der Spurverengung in die Schranken zu verweisen – welch herrliches Gefühl von Macht.
Schlimm sind Machtspielchen in Beziehungen. Besonders dann, wenn sich beide als die Unterlegenen fühlen und es aus dieser Warte nur recht und billig scheint, mit unlauteren Methoden die Macht zu ergreifen. Macht bedeutet dann vor allem, oben und nicht unten zu sein. (Vielleicht sogar im sexuellen Sinn).
Ich persönlich finde Machtspielchen eigentlich eher anstrengend (auch im sexuellen Sinn). Macht bedeutet mir nichts. Aber ehe jemand anderes mir sagt, wo es lang geht, bestimme das dann doch lieber selbst. In so fern ist ein bisschen Macht dann doch wieder nicht schlecht. Naja, wie gesagt, am besten werde ich Drogenbaron. Oder Bundeskanzlerin.
In diesem Sinne, viel Spaß beim Untenliegen!
Ich kann nichts dafür, ich heiße nun mal so: Felix, “Der Glückliche”. Bisher hat das auch immer ganz gut funktioniert. Zumindest wenn man mal davon absieht, dass ich damals im Latein-Unterricht immer alle Passagen übersetzen musste, in denen das Wort “glücklich” vorkam. Die Frage ist allerdings: Darf man sich auf so etwas flüchtiges wie Glück eigentlich dauerhaft verlassen?
In diesem Sinne: Antworten bitte hier posten!
Fast hätte ich bei ihr noch ein Bier bestellt. Zum Glück habe ich mich dann aber doch noch beherrscht. Schließlich saßen wir gemeinsam an dem kleinen Tisch in der Kneipe in der Konstanzer Altstadt. Wenn ich bei ihr und nicht bei der Kellnerin bestellt hätte, hätten mir das wohl beide übel genommen.
Zu meiner Entschuldigung: Meine Freundin und die Kellnerin hatten exakt das selbe Portemonnaie. Bei der Kellnerin hing es an einem Gürtel an ihrer Hüfte und schien aus allen Nähten zu platzen. Meine Freundin dagegen hatte ihres gerade vor sich auf den Tisch gelegt. Es sah ebenfalls so aus, als stünde es gerade kurz vor dem Tod durch Zerplatzen.
Warum brauchen Frauen diese riesigen Portemonnaies, in Gastro-Deutsch auch Kellnertaschen genannt? Was schleppt Ihr alles mit Euch rum – und warum? Und wieso stecken die Riesenportemonnaies normalerweise in Handtaschen, die gerade so groß sind, dass nichts anderes mehr hineinpasst? Lippenstift, Handy und Handcreme dürfen wir Männer stattdessen in unseren Jackentaschen parken.
Liebe Frauen, ich verstehe Euch manchmal einfach nicht. Andererseits macht wohl gerade das Euren Reiz aus. Und – seien wir doch ehrlich – immer versteht Ihr uns doch auch nicht, oder?
In diesem Sinne, zahlen, bitte!
PS: Mehr zum Thema Frauen, ihre Handtaschen und Eigenarten gibt es hier.
Am besten geht es mir, wenn ich morgens noch nicht weiß, wo ich abends ankomme. Am besten schlafe ich in Hotelzimmern und in Hostel-Hochbetten. Das Leben ist leichter, wenn man unterwegs ist. Vielleicht bin ich nicht normal. Andererseits war schon Hesse sicher: “Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne” – und Hotelzimmer sind ein großartiger Ort für neue Anfänge.
Das Schöne an Anfängen ist, dass der Rückweg kurz ist. Man hat noch nicht all viel zu verlieren, weil man noch nicht viel investiert hat. Um ein Hotelzimmer zu räumen braucht man keinen Möbelwagen, nur einen Rucksack – und den hat man in der Regel dabei und ohnehin noch nicht ganz ausgepackt.
Hotelzimmer sind wie eine leere Leinwand: Man beginnt mit ein paar Pinselstrichen, und wenn die nicht sitzen, ist es ein Leichtes, die alte Schmiererei gegen ein neues Zimmer in einer neuen Stadt einzutauschen.
Am besten geht es mir, wenn ich morgens noch nicht weiß, wo ich abends ankomme. Das klingt gut, ist aber irgendwie auch feige. Wer nie ankommt, läuft auch immer weg. Andererseits ist es vielleicht aber auch gar nicht schlecht, in Bewegung zu bleiben. Wer nicht rastet, rostet schließlich auch nicht. Außerdem ist nicht jedes Gehen auch ein Weglaufen. Und Ankommen wird ohnehin überbewertet.
In diesem Sinne, gute Reise!



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