Große Schatten

Große Ereignisse werfen große Schatten voraus, glaubt der Volksmund zu wissen. Der Volksmund irrt. Große Ereignisse kommen meist gegen die Sonne – Schatten werfen sie höchstens nach hinten.

Ich habe ihn nur ein paar Mal gesehen. Zwar hat er im selben Gebäude, aber in in einer anderen Redaktion gearbeitet. Von seiner abendlichen Mountainbike-Tour habe ich daher erst sehr spät erfahren. Er war die Strecke durch den Wald wohl schon etliche Male gefahren. Niemand hätte damit gerechnet, dass sie dieses Mal sein Leben verändern würde – am wenigsten wohl er selbst.

Der Sturz kam aus heiterem Himmel, trotzdem endete er mit einer bösen Rückenverletzung, in deren Folge er nun – vorerst? für immer? – vom Brustwirbel abwärts gelähmt ist.

Vielleicht liegt es in der menschlichen Natur, dass wir meinen, bedeutende Veränderungen bedürften einer entsprechend großen Vorankündigung. Dabei passieren die meisten wirklich einschneidenden Dinge fast immer dann, wenn wir gar nicht damit rechnen.

Nicht beim Extremsport brechen wir uns die Beine, sondern wenn wir mal eben zu Hause ein Bild aufhängen oder zum Briefkasten gehen. Nicht bei der Recruiting-Messe finden wir den Traumjob, sondern im Fahrstuhl auf dem Weg zur Toilette. Und die Mutter unserer Kinder läuft uns nicht bei der wochenlang geplanten Party über den Weg, sondern wenn wir morgens völlig verkatert die Bahn ins Büro verpasst haben und totmüde auf den nächsten Zug warten.

Es liegt in der menschlichen Natur, vermeintliche Vorzeichen zu suchen. Wir glauben, unser Leben würde einer gewissen Systematik folgen. Indem wir logische Kausalketten konstruieren, reduzieren wir die Komplexität der Welt auf ein erträgliches Maß. Tief in uns drinnen wissen wir aber, dass das Augenwischerei ist. Die wirklich wichtigen Dinge – ob gut, ob schlecht – die passieren meistens dann, wenn wir sie am wenigsten erwarten.

In diesem Sinne, mal sehen, wo dieser Abend endet!

Festnetz

Ich habe sie lange ignoriert. Ich brauchte sie nicht. Trotzdem war sie fast immer da. Sie ist Standard in den meisten Wohnungen: die Telefondose.

Es dauert lange, in Deutschland einen Telefonanschluss zu bekommen. Vier Wochen, acht Wochen, manchmal länger. Und noch schwieriger ist es, ihn wieder los zu werden. Wer beweglich bleiben möchte, sollte sich vor Telefonanschlüssen hüten!

Dass ich vor eineinhalb Wochen trotzdem einen Festnetzanschluss beantragt habe, richtig mit Festnetzflat, DSL und allem drum und dran, hat mich daher selbst etwas überrascht. Bisher haben Handy und Prepaid-UMTS eigentlich gereicht. Wollte mir mein Verstand vielleicht etwas sagen, als er sich relativ spontan zum Vertragsabschluss entschieden hat?

Ich habe mich nie wirklich sesshaft gefühlt. Nicht in Wuppertal, in Köln, in Ravensburg, in Radolfzell, in Donaueschingen, in Konstanz, usw.

Nicht mal in Berlin, denn auch wenn ich mich dort sehr wohl gefühlt habe, die Stadt ist einfach selbst viel zu sehr auf dem Sprung (vielleicht mochte ich sie deshalb). Ich liebe das Gefühl, jederzeit aufbrechen zu können. Vielleicht erklärt das, warum ich normalerweise ausgerechnet in Hotelzimmern so gut schlafe.

Irgendetwas hat sich verändert. Vielleicht ist es, weil ich im Oktober 31 Jahre alt werde. Vielleicht sind es die vielen Hochzeiten, zu denen ich in den vergangenen Monaten gegangen sind. Vielleicht fängt auch einfach der Bausparvertrag an zu wirken, den ich vor eineinhalb Jahren abgeschlossen habe. Ich weiß es nicht. Was meint Ihr?

In diesem Sinne, wünscht mir Glück beim Festnetz-Telefonnummer-Auswendiglernen!

Backbedürfnis

Frauen sind komisch. Zugegeben, das ist keine neue Erkenntnis. Wohl neu ist aber der Grund für die neuerliche Feststellung.

Frauen sind komisch, weil sie andauernd backen müssen. Und ich spreche hier nicht von Einzelfällen. Erst heute morgen informierte eine frühere Kollegin die Welt und mich via Twitter, dass sie Muffins gebacken hätte – und das bei Temperaturen von über 30 Grad. Zwei weitere Kolleginnen hatten zu diesem Zeitpunkt ebenfalls schon ihre Muffins aus dem Ofen geholt – unabhängig voneinander, versteht sich.

Ich kann gut nachvollziehen, warum jemand Freude daran hat, ein besonders leckeres und/oder raffiniertes Abendessen zuzubereiten. Eine Tätigkeit, die für Männer wie für Frauen gleichermaßen erfüllend sein kann. Backen dagegen scheint, aller Emanzipation zum Trotz, eine Frauendomäne geblieben zu sein. Ein Mann käme nie auf die Idee, bei tropischen Außentemperaturen Teigberge in Papierhüllen zu füllen. Frauen dagegen scheint diese Tätigkeit sogar Spaß zu machen.

Nun ist es freilich nicht so, dass wir Männer von diesem seltsamen Drang nicht hin und wieder profitieren würden (ich zum Beispiel esse gern Muffins). Trotzdem frage ich mich, woher dieses seltsame Backbedürfnis kommt. Ein Relikt aus früheren Zeiten, als das Brot noch selbst gebacken und das Feuer die einzige Lichtquelle in der “guten Stube” war? Ein symbolischer Akt der männerlosen Zeugung, der mit der Geburt der ofenfrischen Küchlein endet?

Liebe Frauen, natürlich dürft Ihr Eure Geheimnisse haben. Aber wenn eine von Euch sich trotzdem bemüßigt fühlt, mir den Ursprung Eures Back-Gens zu erklären, sage ich sicher nicht nein. Und wenn dabei der eine oder andere Muffin für mich rausspringt – um so besser.

In diesem Sinne, bitte den Ofen jetzt auf 220 Grad vorheizen!

BP und ich

Fast wäre ich Millionär geworden. Leider nur fast. Ich wollte nämlich schlau sein und habe versucht, mir schnell die Begriffe “oil spill” (Ölpest) und “claims” (Anspruch – z.B. auf Schadensersatz) beim Werbedienst Google Ads zu sichern. Würde jemand bei Google nach eben diesen Worten suchen, wäre ich immer ganz oben dabei. Man könnte auch sagen: Die Millionen waren – der Ölkatastrophe im Golf von Mexico sei Dank – zum Greifen nah.

Doch jemand anders war schneller. Und das war ausgerechnet der britische Ölkonzern BP. Wohl mit gutem Grund: Wer weiß, was ich unter dem Stichwort “Ölpest” alles veröffentlicht hätte? Aus Konzernsicht wäre es sicher nicht nur positiv gewesen (so schlimm, wie BP vielleicht befürchtet hat, wäre es allerdings auch nicht geworden). Kein Wunder also, dass BP alles dran gesetzt hat, um mir zuvorzukommen.

Das Internet ist eine komische Sache. Die meisten Webnutzer wissen vermutlich gar nicht, wie viel sie beim Hin- und Herklicken über sich verraten. Angefangen von ihrem Browser bis hin zur Bildschirmauflösung und den Suchworten, mit denen sie letztlich bei Felix’ Welt landen. Besonders beliebt derzeit: Felix in Verbindung mit dem Wort Klassenarbeit (leider nicht immer richtig geschrieben) und allerlei Kombinationen, die das Wort “Sex” enthalten (etwa im Flugzeug I und II).

Auch mein voller Name wird immer wieder gesucht. Ich frage mich hin und wieder, wer diese Menschen sind, die sich via Google Informationen über mich erhoffen. Was wollen sie wissen? Wieso fragen sie mich nicht einfach und schreiben mir eine Email?

In diesem Sinne, einen Gruß an alle Suchenden!

Erfinderhormone

Den Motor hatte ich ziemlich wahllos platziert. Auf meinem Blatt Papier klebte er etwas schief zwischen Vorderachse und vorderer Stoßstange. Kolben, Zündkerzen, Kühlung – im Großen und Ganzen war alles da.

Ob es auch wirklich zusammenpasste, war mir nicht so wichtig. Welcher Großkonzern würde sich schon mit solchen Kleinigkeiten aufhalten, wenn ich, immerhin schon stolze achteinhalb Jahre alt, das erste unsichtbare Auto der Welt präsentierte? Das Geheimnis: perfekt angeordnete Spiegel.

Als Kind war ich ein leidenschaftlicher Erfinder. Ich konstruierte nicht nur unsichtbare Autos, sondern auch ausfahrbare Rolltreppen in Spazierstöcken, tiefseetaugliche U-Boote und unkaputtbare Fahrradbremsen. Akribisch wurde jede meiner Erfindungen in einem kleinen, gelben Ringbuch festgehalten. Schnell reihte sich hier Konstruktionsplan an Konstruktionsplan – einer genialer und ausgeklügelter als der andere.

Ich gebe zu, ich habe damals wirklich geglaubt, ich könnte diese Ideen irgendwann umsetzen. Erfinder schien mir, neben Schriftsteller und Journalist, ein recht reizvoller Beruf zu sein. Einerseits rausgehen, die Welt entdecken und darüber schreiben, andererseits tagelang im stillen Kämmerchen sitzen und vor sich hinbasteln. Konnte es etwas Schöneres geben?

Dass sich dieser Plan nicht so einfach verwirklichen lassen werden würde, wurde mir mit dem Einsetzen der Pubertät klar. Für ein Kind ist es leicht, zu träumen. Mit den Hormonen kommt allerdings früher oder später die Selbsterkenntnis: So einfach ist das alles nicht. Egal wie genial ein Plan ist, man kann trotzdem damit auf die Nase fallen. Das gilt auch und vielleicht gerade für unsichtbare Autos.

In diesem Sinne, jemand Interesse an einem fliegenden Bleistift?

PS: Diese Eintrag soll mir den Kopf retten – mehr Infos hier.

Finde den Fehler


Ankauf zu “Bestpreisen” – Verkauf 60 bis 80 Prozent unter Ladenpreis? Ich bin gespannt, wie lange sich dieser Laden hält …

In diesem Sinne, viel Erfolg!

Wiederholung zwecklos

Es wird kein Sommermärchen geben. Nicht mal dann, wenn wir Weltmeister werden. Das Leben mag nämlich keine Wiederholungen. Wir Menschen dagegen schon. Darum suchen wir auch vergeblich den Geist von 2006 – und darum werden wir ihn nicht finden.

Ich muss 14 oder 15 Jahre alt gewesen sein, in jedem Fall mitten in der Pubertät. Meine Eltern, meine Schwester und ich waren nach Südfrankreich gefahren. Sommerurlaub mit Wohnwagen und Zelt. Der Campingplatz war war recht weitläufig und direkt am Meer gelegen. Es gab ein kleines Platz-Zentrum mit einem Café und einigen Geschäften, in denen man französischen Wein, französische Bücher und Handtücher kaufen konnte.

Der Campingplatz selbst war sehr groß und weitäufig – und ich somit nicht der einzige hochgradig pubertärer Teenager vor Ort. Sobald es dunkel wurde, traf man sich am Strand. In größeren oder kleineren Grüppchen saß man zusammen, trank französischen Wein aus dem Campingplatz-Laden und machte, was Jugendliche in dem Alter nun einmal machen. Für mich war es der bis dahin bester Sommerurlaub überhaupt.

Zwei Jahre später fuhren meine Eltern, meine Schwester und ich wieder nach Südfrankreich. Schon Wochen vorher fieberte ich dem Urlaub entgegen. Noch größer wurde meine Freude, als ich vor Ort die ersten alten Bekannten wiedertraf. Am Ende war es nicht ganz, aber immerhin zum Teil die alte Gruppe.

Wir sprachen viel über jenen scheinbar magischen Sommer von vor zwei Jahren. Wir hatten uns alle auf eine Wiederholung gefreut. Um so schmerzhafter war die Erkenntnis, die sich nach und nach durchsetzte: auch wenn wir die selben Dinge taten, die selben Lieder hörten und die selben Wege gingen – eine Wiederholung war schlicht nicht möglich.

Man kann nicht zwei mal an denselben Ort reisen. Damals war das für mich eine neue Erkenntnis, heute bin ich schlauer. Ein Urlaub kann genau so gut werden, aber niemals gleich gut.

Im normalen Leben ist das übrigens nicht anders, nicht nur, wenn es um die Fußball-WM geht. Eine alte Liebe kann genau so wie eine alte Freundschaft nur neu entdeckt, aber niemals wiederholt werden. Alles andere führt nur zu einer aufgewärmten Suppe, die niemandem schmeckt.

In diesem Sinne, auf ein erfolgreiches Achtelfinale!

Einmalig

Bei diesem Eintrag geht es um meinen Kopf – im wahrsten Sinne des Wortes. Selbigen möchte mir eine Kollegin nämlich abreißen, wenn ich ihre Vorschläge nicht umsetze. Mich rührt das. Sie war nämlich die erste, die mir geschrieben hat, nachdem ich geklagt hatte, leergeschrieben zu sein.

Ich habe also nicht wirklich eine Wahl – mal abgesehen davon, dass mir die Vorschläge eigentlich ganz gut gefallen. Und weil sie mir Angst machen. Die meisten davon hatte ich nämlich ohnehin schon in meinem Notizbuch für spätere Veröffentlichung verewigt – oder habe sie sogar schon umgesetzt, bevor ich sie von besagter Kollegin geschickt bekommen habe (Wohnen im Erdgeschoss – was ein Spaß, warum sind immer meine Nachbarn laut, usw.)

Wir meinen immer, etwas Besonderes zu sein. Unsere Probleme sind anders als die der Anderen, unsere Gedanken spezieller, unser Leben einmalig. Und trotzdem gibt es praktisch nichts, was google nicht findet. Zu jeder noch so seltsamen Idee hat längst irgendwer ein Forum oder eine Homepage initiiert und selbst zu jeder noch zu abstrusen Fragestellung gibt es ein “Gutefrage.net”, ein “Fragenohneantwort.net” oder einen Eintrag bei “Fragr.de”.

Verabschieden wir uns also von dem Gedanken, einzigartig zu sein – und sehen wir den Tatsachen ins Gesicht: Wir sind nicht allein! Und einzigartig schon gar nicht.

In diesem Sinne, trotzdem danke, liebe Vorschlägerin!

PS: Trotzdem wird natürlich der eine oder andere Vorschlag der Kollegin in nächster Zeit hier umgesetzt – es geht schließlich um meinen Kopf!  Ebenso die anderen guten Ideen, die Ihr mir geschickt habt. An dieser Stelle daher noch mal ein herzliches Dankeschön!

Lebenslang

Manchmal bin ich acht Jahre alt. Ich bin größer, wohl auch ein bisschen schwerer und irgendwie auch erwachsen geworden. Trotzdem bin ich immer noch ich – vor über 22 Jahren.

Wenn man Kind ist, hat das Wort “erwachsen” einen ganz besonderen Klang. Erwachsene dürften selbst entscheiden, wann sie abends ins Bett gehen. Ihnen schreibt auch niemand vor, was sie vorher im Fernsehen gucken dürfen und was nicht. Dass auch Erwachsene mal Kinder waren ist schwer vorstellbar.

Andererseits scheint auch das eigene Erwachsen-Sein seltsam surreal. Dass man sich irgendwann mit Dingen wie Wohnungssuche, Steuererklärung und Arbeitsplatz rumschlagen wird, weiß man vielleicht auch schon mit acht. Dass man dann immer noch derselbe Mensch ist, wollte zumindest mir damals nicht so recht in den Kopf.

Wenn man erwachsen ist, dann hat man doch keine Angst mehr. Man zweifelt auch nicht oder weiß etwas nicht. Erwachsen zu sein, dass ist etwas ganz anderes als Kind sein – von jetzt auf gleich.

Es dauert eine Weile – und ehrlich gesagt bin ich immer noch manchmal überrascht – bis man feststellt: Erwachsen wird man sein Leben lang. Vielleicht hat man irgendwann keine Angst mehr vor den Monstern, die nachts im Schrank oder unter dem Bett lauern. Dafür können einem andere Sorgen den Schlaf rauben. Möglicherweise kostet es keine Überwindung mehr, alleine zum Einkaufen in den Supermarkt geschickt zu werden. Dafür graut es einem vor einem Behördengang, den man lieber nicht machen würde.

Kurz gesagt: Erwachsen zu werden ist immer relativ. Vielleicht ändern sich die Themen, die Denkmuster bleiben aber gleich. Ebenso ist es mit den Gefühlen, auch wenn vielleicht die Anlässe nun andere sind. Erwachsen? Klar! Aber eben kein neuer Mensch.

In diesem Sinne, Gruß an früher!

Leergeschrieben

Eigentlich sollte es in diesem Eintrag um Zufälle gehen – und zwar vor allem um solche, die nicht passieren.

Wie oft etwa gehen wir eine Minute zu früh oder spät aus dem Haus und begegnen deshalb nicht einer bestimmten Person? Wie oft entgehen wir schlimmen Unfällen, weil unser Schnürsenkel offen – oder eben nicht offen war?

Eben solchen Fragen wollte ich nachgehen – bis mir einfiel, dass solch ein Eintrag längst existiert: “Gewürfelte Welt“, geschrieben im September vor zwei Jahren.

Das passiert mir in letzter Zeit immer öfter. Ich habe einen Gedanken, notiere ihn in meinem Notizbuch, und wenn ich mich dann ans Aufschreiben machen möchte, stelle ich fest, dass ich das längst getan habe – meist schon vor Monaten oder gar Jahren.

Felix’ Welt umfasst mittlerweile mehr als 400 Einträge, kopiert in ein Text-Dokument sind es mehrere hundert Seiten und alle paar Tage kommen neue dazu. Manchmal frage ich mich allerdings, ob ich nicht irgendwann leer geschrieben bin – und vor allem: was ich dann tun werde.

In diesem Sinne, irgendwelche Vorschläge?