Flying Goose

Oft sind es ja Kleinigkeiten, die besonders Freude machen. Etwa wenn es erst dann anfängt zu regnen, wenn man man gerade die Haustüre aufschließt. Oder wenn man einen Hundehaufen noch so rechtzeitig auf dem Bürgersteig sieht, so dass man doch nicht hineintritt. Oder wenn man im Asia-Shop genau die super-scharfe Chili-Soße findet, die man schon seit Monaten beim Asiaten in der Mittagspause zu schätzen weiß – und sie nun auch zu Hause auf alles (und ich meine alles!) draufmachen kann.

Eben das ist mir heute passiert. (Das mit dem Regen übrigens auch – aber über die Chili-Soße habe ich mich mehr gefreut).

In diesem Sinne, guten Appetit!

Mit Hut

Mit dem Gehen war es nicht mehr so einfach. Selbst der Rollator schien nur bedingt Abhilfe zu schaffen. Trotzdem schien der alte Mann, der heute vor mir die Straße runter zur Straßenbahn schlurfte, weder zerbrechlich noch wirkte er alt. Und das, obwohl er ganz offensichtlich beides war – alt und zerbrechlich.

Es muss der Hut gewesen sein. Zusammen mit dem dunklen (und vermutlich maßgeschneiderten) Anzug, der trotz der gebeugten Haltung außerordentlich gut saß, und den hell leuchtenden blauen Augen. Alles zusammen ließ den alten Mann eine unglaubliche Würde ausstrahlen – zumindest schien es mir so.

Jetzt frage ich mich: strahlte er das aus, weil er so angezogen war – oder gebot ihm schlicht seine Würde, dass er war, wie er war und das auch durch seine Kleidung ausdrückte?

In diesem Sinne, Huhn oder Ei?

Alkoholhalbverbot

Alkohol nur noch für Autofahrer. Das ist kein Scherz, das ist Bayern. Dort diskutieren sie nämlich gerade den nächtlichen Alkoholverkauf an Tankstellen. Der soll, so die Idee vom bayerischen Innenminister Joachim Herrmann (CSU), künftig kommunal geregelt werden. Und das treibt durchaus seltsame Blüten:

In Regensburg etwa soll künftig Alkohol an Tankstellen ab 20 Uhr nur noch an “Reisende” abgegeben werden. Konkret heißt das, wer abends noch ein Bier an der Tanke kaufen will, muss mit dem Auto vorfahren. Wer dagegen mit dem Bus, zu Fuß oder mit dem Fahrrad kommt, geht leer aus. Immerhin: Auch Autofahrer können nicht nach Belieben “tanken”, die Höchstgrenze für den Einkauf lieht bei vier Bier (zwei Liter), einem Liter Wein oder 0,1 Litern Schnaps.

Des Einen Leid ist allerdings des Anderen Freud: “Geschäftsidee! Man stellt sich mit seinem Auto in die Nähe einer Tanke und bietet den Beifahrersitz zum In die Tanke Fahren feil. Für 5EUR wird man dann auf das Gelände der Tanke gefahren. Ob man die Tanke auch NACH der Transaktion mit dem Auto verlassen muss und ob einem der Kassier dann nachrennt müsste man ausprobieren, notfalls ist bei den 5EUR nat. der Abtransport auch mit drin”, zitiert ein Regensburger Blogger die Facebook-Kommentare zum Thema bei der in Regensburg erscheinenden Mitteldeutschen Zeitung.

Zugegeben, es ist leicht über die Bayern zu lästern. Ganz fair ist es nicht. Schon seit über einem Jahr darf nämlich in Geschäften und an Tankstellen in Baden-Württemberg nach 22 Uhr gar kein Alkohol mehr verkauft werden. Sogar dann nicht, wenn man mit dem Auto vorfährt.

In diesem Sinne, Prost!

 

Barney Lindner

Ich habe inzwischen wohl sämtliche Kollegen in der Redaktion damit genervt. Trotzdem bin ich immer noch fasziniert: FDP-Generalsekretär Christian Lindner (rechts) ist Barney Stinson, fiktiver Charakter bei der Comedy-Serie How I met your mother gespielt von Neil Patrick Harris, bekannt aus der Serie Doogie Howser.

Gut, er ist es vielleicht nicht – aber beide sehen sich derart zum Verwechseln ähnlich, dass man wirklich meinen könnte, sie wären nach der Geburt getrennte Zwillinge. Das wollte ich einfach mal loswerden.

In diesem Sinne …

Einsturzgefährdet

Gestern habe ich mich gewundert, dass die Straßenbahn nicht im Erdboden versunken ist. Warum nicht ständig Straßenbahnen nach unten durch die Straße brechen und krachend darunter verschwinden.

Ich habe auf einem Platz relativ weit hinten gesessen. Es war Zufall, doch so ich fast die gesamte Bahn im Blick. Zum Beispiel die ältere Frau mit dem runden, schwarzen Filzhut auf dem viel zu runden Kopf. Ihre Mundwinkel waren fast schon merkelhaft nach unten gezogen; als wäre es schon ein paar Jahre her, als sie das letzte Mal gelacht oder gelächelt hat. Mit einer Hand hielt sie die Handtasche auf ihren Knien, mit der anderen umfasste und umkreiste sie wieder und wieder sanft das Gelenk dieser Hand. Als würde sie etwas suchen oder ertasten – immer wieder.

Ein wenig weiter vorn saß eine junge Frau mit einem Hund. Dem Hund hing ein langer, glitschiger Sabberfaden aus dem Mund, der sich in einem gleichmäßigen Rhythmus hoch und runter bewegte. Der Hund saß zu den Knien der Frau, doch sie schien ganz vergessen zu haben, dass er da war. Verträumt guckte sie aus dem Fenster. Ihre Pupillen blieben immer wieder an einzelnen Punkten der vorbeiziehenden Stadt hängen. Man hatte fast den Eindruck, als verfolgte sie ein Tennisspiel, bei dem einer der beiden Spieler deutlich besser war als sein Gegner. Die Frau schien sehr nachdenklich, aber nicht unglücklich.

Auf dem Platz vor ihr saß ein älterer Mann. Seine knochige Hand zitterte leicht. Allerdings saß er aufrecht und strahlte eine besondere Art Würde aus. Dabei trug er ein helles Hemd, keine Krawatte, und ein leicht abgetragenes, schwarzes Jacket. Seine Augen waren blassblau. Das glaube ich zumindest oder fände es schön, weil es so gut zu ihm passen würde.

Ich bin nur zwölf Minuten mit dieser Bahn gefahren. Es kam mir länger vor. Diese eine Bahn war so voll mit Menschen, von denen jeder für sich jeweils mindestens eine Lebensgeschichte mit sich rumtrugen – so wie ich ja auch. Einmal abgefragt und aufgeschrieben würden die Geschichten etliche Bücher füllen und Stoff genug für zig Filme und noch mehr Kurzgeschichten bieten. Genug Gewicht, um jede noch so starke Straße zu knacken.

In diesem Sinne, gute Fahrt!

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