Klugscheißer!

Habe ich mich verhört? Ich bin bis heute nicht sicher. Wir saßen in einem Café. Der Kellner, ein junger Mann mit halblangen, braunen Haaren und Bart, kam an unseren Tisch und wischte mit einem feuchten Lappen einige Krümel Zigarettenasche weg, die ein anderer Gast darauf zurückgelassen hatte.

“Wisst Ihr schon, was Ihr trinken wollt?”, fragte er, während er wischte. Mein Begleiter nickte und bestellte ein großes Pils. Ich nickte ebenfalls und sagte: “das selbe”. “Das heißt das gleiche”, korrigierte der Kellner. Zumindest glaube ich, dass er das sagte, während der sich umdrehte und unsere Bestellung im Gehen in ein Gerät eintippte. Wenn dem so war – naja, das steht in der Überschrift zu diesem Eintrag.

In diesem Sinne, noch mal das selbe bitte!

Stollen

Wollte da wer jemandem eine Freude machen und hofft nun, dass der- oder diejenige rechtzeitig die Rollläden hoch macht, bevor jemand anders Hunger bekommt?

Oder war vergangene Nacht einfach nur betrunken und hat seinen Stollen zwar ausgepackt, dann aber doch in 1,80 Metern Höhe auf dem Fensterbrett in der Gerwigstraße liegen lassen? Der Bewohner selbst womöglich? Wieso hat überhaupt jemand Ende März noch einen Christstollen im Haus? Wir werden es wohl nie erfahren …

In diesem Sinne …

Komplize

Sie wären mir wohl gar nicht aufgefallen, wenn sie nicht in meinem Ohr gesessen hätten. Zumindest hatte ich das Gefühl, als säßen sie in meinem Ohr, was wohl vor allem an der Anordnung der Bierbänke lag. Dicht an dicht standen in dem Biergarten immer zwei Bänke nebeneinander, dann folgte ein Tisch und dann wieder zwei Bänke, so dass man beim Sitzen permanent aufpassen musste, den Hintermann nicht unfreiwillig als Lehne zu benutzen.

So ging es mir mit dem Paar, das hinter mir auf der Bank im Biergarten saß und eifrig miteinander flüsterte, während eine gemeinsame Freundin der Beiden in Richtung Toilette verschwand. “Sie hat zugenommen”, stellte die Frau in meinem Rücken fest und wippte mit dem Oberkörper leicht hin und her. “Aber nicht im Kopf”, entgegnete er, “lange kann ich mir ihre blödsinnigen Geschichten nicht mehr anhören.”

Wenig später kam die Freundin, eine junge Blondine mit frechem Gesichtsausdruck und eng anliegender Jeans, von der Toilette zurück. Sie war mir sofort sympathisch – vielleicht gerade weil ihre vermeintlichen Freunde gerade noch so schlecht über sie geredet hatten. “Trinken wir noch eine Runde”, fragte sie, “Nicole kommt gleich auch noch nach.”

Sie hatte den Satz noch nicht zu Ende gesprochen, da hatte sich das Paar in meinem Rücken schon erhoben. “Tut uns echt total leid, aber keine Zeit” sagte er  und faselte etwas von einer Lerngruppe, die gleich vor der Tür stehen würde. Die Freundin des Typs nickte eifrig und winkte zugleich der Kellnerin und kramte zumindest dem Geräusch nach zu urteilen nach ihrer Geldbörse.

Die Blondine blieb allein zurück, während ich mich komisch fühlte. Ich kannte weder das unfreundliche Paar noch deren Freundin, dennoch wusste ich mehr darüber, wie die beiden über sie dachten, als sie selbst. Irgendwie erschien mir das falsch – ich kam mir vor, wie ein unfreiwilliger Komplize. Ich kannte keinen der drei, trotzdem wusste ich, was das Paar von der gemeinsamen Freundin hielt. Das irritierte mich. Zumindest bis Nicole, die Freundin der Freundin, kam.

“Wo sind Anna und Markus”, wollte die wissen. “Gerade gegangen”, antworte die Blondine, “zum Glück, ich kann mir dieses Gerede von Lerngruppen und Kochabenden einfach nicht mehr anhören!” “Kochabende?”, antworte Nicole, “kein Wunder, dass Anna in letzter Zeit so zugenommen hat.”

In diesem Sinne, frohes Lästern!

George Clooney

Eigentlich hätte mich diese Aussage nicht überraschen dürfen. Um so mehr frage ich mich, warum sie es trotzdem tat. ”31 Jahre alt – naja, das geht gerade noch.” So hat sie es gesagt oder besser: so hat es mir meine Schwester überliefert. Gemeint bin ich, denn ich bin 31 Jahre alt. Die Freundin meiner Schwester, die diese Aussage gemacht hat, ist 25 und somit sechs Jahre jünger als ich.

Bisher habe ich dem angenehmen Glauben nachgehangen, dass Männer zwar älter werden, dies aber (sehen wir von den Extremen ab) kein Hindernis bei der Partnersuche darstellt – eher das Gegenteil. Auch wenn wir uns im Alter zwar nicht zwangsläufig George Clooney annähern, so werden wir interessanter – dachte ich zumindest.

Die Grundlage für diesen Gedanken wird schon in der Pubertät gesetzt. Wenn wir Jungen gerade erst beginnen, die Mädchen in unserer Klasse als das zu entdecken, was sie nun mal sind – Mädchen nämlich – haben die schon längst angefangen, für die vermeintlichen Männer ein oder zwei Klassen über uns zu schwärmen. Wenn wir im ersten Semester an der Uni stolz unsere ersten, eigenen WG-Zimmer samt WG-Party präsentieren möchten, lassen sich unsere Kommilitoninnen lieber von erfahrenen Studenten zu den wirklich coolen Parties mitnehmen. Und wenn auch wir endlich wissen, wo diese Parties stattfinden, sticht uns irgendein blöder Absolvent mit Firmenwagen und Jahresbonus aus.

Zu altern ist nicht wirklich ein Verdienst, trotzdem erscheint es uns Männern irgendwann als natürlicher Wettbewerbsvorteil. Um so verwirrender ist es, wenn diese über Jahre gelernte Erkenntnis dann auch wieder vom Tisch gewischt wird. “31 Jahre – naja, das geht gerade noch.”

In diesem Sinne – wie so oft gilt: nehmt mich nicht immer gleich ganz ernst ;-)

Nur mit Machete

Das Reisefieber schüttelt mich noch immer, auch wenn ich wahrscheinlich erst im September Urlaub nehmen werde. Doch Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude – und bisher habe ich mich noch nicht mal entschieden, auf welchem Kontinent ich Urlaub machen möchte. Eigentlich steht  nur eins fest: ich möchte endlich mal wieder den Rucksack packen, losfliegen und mich dann treiben lassen.

Mit anderen Worten: Ich habe einen wunderbaren Vorwand, mich stundenlang in einschlägiger Reiseliteratur zu vergraben. Die ist allerdings nicht immer erbaulich. Beispiel Guatemala: Man solle sich nur in Gruppen bewegen und – so zumindest die Empfehlung der Einheimischen laut diesem Reiseführer für das guatemalische Hochland – eine Machete mit sich führen. Natürlich nur zur Abschreckung.

In diesem Sinne, auf zum Abenteuerurlaub!

Fernwehen

Andere bekommen zwei Mal im Jahr eine Grippe. Bei mir ist es schlimmer. Ich bekomme mindestens zwei Mal im Jahr Reisefieber.

Manchmal helfen Reiseführer dagegen. Selbst als ich noch im Drei-Monats-Rhythmus umgezogen bin und praktisch alle meine Bücher in Kisten im Keller meiner Eltern eingelagert waren, hatte ich immer eine Minimaldosis Reiseliteratur dabei. Denn obwohl wenn ich Reiseführern nur bedingt traue, finde ich es manchmal einfach großartig, mich von ihnen inspirieren zu lassen. Und wenn es nur mit dem Finger auf der Landkarte ist oder beim Nachlesen bereits bereister Routen.

Wie es sich für eine ordentliche Droge gehört, muss man allerdings die Dosis regelmäßig steigern. Erst gestern zum Beispiel habe ich mir einen Reiseführer für Indien gekauft. Dort war ich noch nicht, und ich überlege, dieses Jahr dorthin zu fliegen. Zumindest habe ich darüber nachgedacht. Wenn ich meinen Haupturlaub nämlich wie geplant im Spätsommer nehme, müsste ich allerdings in weiten Teilen des Subkontinents damit rechnen, vom Monsunregen weggeschwemmt zu werden.

Nicht dass mich solche Wetterwidrigkeiten aufhalten könnten. Trotzdem ist es natürlich eine gute Gelegenheit, diverse weitere Reiseführer aus dem Regal zu ziehen und ausgiebig nach möglichen Alternativen zu suchen.

Wird man eigentlich mit Fernwehen geboren? Ich benutze bewusst dieses Wort, denn Fernwehen sind etwas anderes als bloßes Fernweh. Anders als Fernwehen ist Fernweh ist unabhängig von der tatsächlichen Reise. Man kann es verdrängen oder betäuben. Fernwehen – oder auch: Reisewehen – dagegen kommen mit einer ganz anderen Wucht. Und sie verschwinden erst nach der Geburt wieder: wenn die Reise tatsächlich begonnen wird.

In diesem Sinne – hallo große, weite Welt da draußen!

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