Männerdomäne

Wir sind das starke Geschlecht. Wo könnten wir das unserer Partnerin besser zeigen, als im Fitnessstudio? Sollte man jedenfalls meinen. Komisch, dass die meisten Männer gerade zwischen Hanteln und Gewichten besonders schwach werden.

Ich mag es, bei meiner Aufwärmrunde auf dem Crosstrainer Paaren zuzugucken, die ihre erste Trainerstunde haben. Vielleicht liegt es daran, dass ich mal Soziologie studiert habe. Es hat etwas von einer Sozialstudie. Während sie nämlich meist locker und unkompliziert ausprobieren, mit dem Trainer (oder der Trainerin!) scherzen und in der Regel relativ entspannt wirken, ist der dazugehörige Freund oder Mann meist das genaue Gegenteil.

Angespannt, ungeschickt und wortkarg öffnet er den Mund höchstens zum Atmen oder um seiner Freundin etwas zuzuflüstern. Seine Bewegungen sind fahrig, meist krampfhaft kontrolliert, als hätte er Angst, durch zu viel Lockerheit unangenehm aufzufallen. Es gefällt ihm nicht, dass er etwas falsch machen können. Das ist das Problem.

Vielleicht ist das Rollenklischee doch tiefer verankert, als wir uns selbst eingestehen wollen. Männer fragen nicht gern nach dem Weg, weil wir glauben, dass wir den Weg kennen müssten. Tief in uns drinnen sind wir eben doch lauter kleine Möchtegern-Leithammel, die wenigstens in der Beziehung gern die Hosen an hätten.

Im Fitnessstudio dürfen wir nicht sagen, wo es langgeht. Das verwirrt uns um so mehr, als dass wir uns doch hier eigentlich in einem ur-männlichem Terrain wähnen. Traurig eigentlich, dass wir so einfach durcheinander zu bringen sind.

In diesem Sinne, viele Grüße an meinen Muskelkater!

Alleskönner

Die beste Pizza der Welt kommt aus Wuppertal-Cronenberg. Ein großes Glück für mich, denn ich bin nur rund einen Kilometer davon entfernt aufgewachsen. Gar nicht auszudenken, was mir sonst entgangen wäre.

Neben Tomatenmark und Gouda wird die Pizza “Greece” mit Schafskäse, Zwiebeln, Oliven, Peperoni und Gyros belegt. Letzteres ist wohl vor allem der Tatsache geschuldet, dass sie in einem griechischen Lokal serviert wird. Das heißt zwar wie eine Fernfahrerkneipe, ist aber in Wirklichkeit keine solche.

Ich weiß nicht mehr, wann ich das letzte Mal dort essen war. Es ist wohl schon eine Weile her. In meinem Briefkasten habe ich heute allerdings eine Karte gefunden, die mich an dem Konzept griechische Pizza zweifeln lässt: “Wok-Life – Pizza und China”.

Die Karte ist kaum größer als ein A-4-Blatt, allerdings sehr eng bedruckt. Es gibt Pizza und Pasta, chinesische Spezialitäten, mexikanisches Essen, Eis und Tiramisu, Schnitzer Wiener Art und französische Cordon Bleu, thaländische Gerichte und mexikanisches Essen. Kurz: Hier kocht offenbar jemand, der alles kann.

Ich bin da skeptisch, denn ich bin ein Freund der eindeutigen Dinge. Ich verstehe nicht, wieso man Kaffee mit Milch und Zucker kaputt macht oder warum man Bier mit Limo oder Wein mit Wasser mischen sollte. Selbst an mein Steak kommen normalerweise nur Salz, Knoblauch und vielleicht etwas Rotwein. Ich mag es am liebsten klassisch, nicht gemischt. Das gilt fast immer. Naja, außer bei der Pizza aus Wuppertal-Cronenberg.

In diesem Sinne, vielleicht geht es ja gar nicht nur ums Essen?

Gucker gucken

Es ist schön, wieder in einer Stadt zu leben, in der Straßenbahnen fahren. In Karlsruhe Straßenbahnfahren ist wie Fernsehen – nur besser. Man kannnämlich nicht nur selber gucken, sondern auch ganz großartig andere Gucker beim Gucken beobachten.

Die Bahn fährt hier (noch) quer durch die Innenstadt, die man sich wie einen Schlauch vorstellen muss, der zwischen Süd-, Ost- und Weststadt liegt. Zu beiden Seiten der Strecke gibt es Geschäfte, Cafés und vor allem natürlich Menschen. Mit der Bahn durch Karlsruhe fahren hat daher etwas von einem Spaziergang im Zoo – zumindest scheinen es die meisten meiner Mitfahrer so zu sehen.

Besonders auffällig finde ich, dass vor allem Frauen beobachtet werden – und das gilt sowohl von männlicher als auch von weiblicher Seite; einzig der Blick ist anders.

Es ist Frühling geworden, bei den meisten Männern steht daher das ganz banale Gaffen im Vordergrund. Ich kann mich da nicht mal von freisprechen  – auch ich gucke (unauffällig natürlich!) der hübschen Blondine im Minirock hinterher und erfreue mich an der luftigen Aufmachung der brünetten Schönheit, die vor der Bäckerei Dehnübungen zu machen scheint.

Spannend finde ich allerdings, dass es die meisten Mitfahrer weiblichen Geschlechts nicht anders machen. Kurioserweise stehen auch hier Frauen im Zentrum der Aufmerksamkeit. Anders als die Männer gaffen meine Mitfahrerinnen allerdinsg nicht – sie taxieren!

Es ist direkt unheimlich, wie kühl-kalkuliert sie mit einer fließenden Augenbewegung Gesicht (inklusive Make-Up), Busen, Hintern, Handtasche und Schuhe scannen und bewerten – meist recht offensichtlich mit einem entsprechenden Gesichtsausdruck. Nur sieht den meist keiner – sind ja alle viel zu sehr mit Gaffen beschäftigt.

In diesem Sinne, schönes Programm heute!

Neid

Vielleicht ist es in meiner Vorstellung schöner, als in der Realität. Vielleicht habe ich auch einfach die Nase voll von Einwohner- und sonstigen Meldeämtern. Jedenfalls beneide ich in diesem einen Punkt die US-Amerikaner: Sich einfach ins Auto setzen und losfahren – das hat doch was. Ummelden muss sich dort niemand, bloß weil er nun eben ein paar hundert Kilometer weiter wohnt – bei uns dagegen reicht es schon, wenn man ein Haus die Straße runter zieht.

Egomanie

Ich habe gerade der Twitter-Welt mitgeteilt, was ich im Fernsehen gucke (“L.A. Confidential”). Vielleicht werde ich es auch noch bei Facebook posten. Ob das jemanden interessiert? Keine Ahnung. Darum geht es ja auch nicht wirklich – oder doch?

Früher musst man erst einen Zuhörer für seine Geschichten finden, meist auch noch einen Aufhänger. Man kann schließlich nicht einfach so loslegen und erzählen, was für ein toller Typ man ist. Heute geht das. Man braucht auch keine Zuhörer mehr, sondern bläst seine Geschichten einfach so in die Welt, ob nun via Blog, als Kurzversion per Twitter oder im sozialen Netzwerk.

Wenn ich der Menschheit mitteile, was ich gerade im Fernsehen gucke, formuliere ich damit im Endeffekt ein Bild von mir. Ob das stimmt ist zweitrangig, es zählt der Eindruck, den ich damit hinterlassen möchte und die Hoffnung, dass mir eben das gelingt. Lese ich, was meine Mitmenschen so von sich geben, unterstelle ich ihnen das selbe. Ich kann gar nicht anders – denn gerade weil ich sie kenne, weiß ich, dass was sie eigentlich mitteilen möchten, zumindest bei einigen.

Das Internet ist ein großartiger Ort für Selbstdarsteller und für alle, die es noch werden wollen. Die Frage ist allerdings, wie viel Selbst hinter der Darstellung eigentlich noch übrig bleibt.

In diesem Sinne, Bud hat mir alles über Sie erzählt!

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