Monthly Archive for January, 2010

Stöckchen (Web 2.1)

Ich bin doch kein Hund! Oder doch? Die meisten Blogger scheinen sich zumindest hin und wieder so zu fühlen. Sie holen Stöckchen, und wenn sie dazu gerade keine Lust haben, lassen sie sich auf einer eigens dafür existierenden Internet-Plattform blödsinnige Fragen stellen.  Komisch, sagt Ihr? Sehe ich genau so. Vielleicht habe ich aber auch einfach die Entwicklung des Web 2.0 zum Web 2.1 verschlafen. Und vielleicht bin ich ja auch einfach nur neidisch, dass mir niemand ein Stöckchen zuwirft.

In meinem Bekanntenkreis gibt es nicht so viele Menschen, die bloggen. Das mag am Alter liegen. Der Otto-Normal-Blogger, zumindest die meisten davon, ist nämlich zwischen 13 und 29 Jahren alt, wobei die Mehrheit davon wiederum zwischen 13 und 19 Jahren alt ist – so jedenfalls das Ergebnis diverser Studien.

Klickt man sich eine Weile durch die zahllosen Blogs, die mittlerweile das WWW bevölkern, scheinen diese Studie die Realität recht gut abzubilden. Und noch etwas fällt auf: Diese junge Blogger-Generation nutzt das Bloggen deutlich interaktiver als ich das tue. Zum Beispiel indem sie Stöckchen werfen. Das hat nämlich nicht wirklich etwas mit Hunden zu tun. Wenn ein Blogger ein Stöckchen aufnimmt, meint das nichts anderes, als dass er etwa einen Fragebogen aufgreift und beantwortet, den irgendwer anderes in die Welt gesetzt hat.

Fragebögen sind übrigens ein gutes Stichwort. In den letzten Monaten ist eine Seite mit dem blödsinnigen Namen “Formspring.me” immer beliebter geworden. Die bietet einen seltsamen Service: Einmal angemeldet kann man sich anonym befragen lassen und die Antworten optional auch noch bei Twitter, Facebook und Co einlaufen lassen.

Seltsam? Nun ja, Bloggen hat ja per se schon etwas narzistisch-Exibitionistisches – so gesehen ist Formspring.me nur konsequent. Dass es trotzdem an mir vorbeigegangen ist, hat vermutlich auch einen ganz einfachen Grund: Ich bin zu alt! Mit 30 passe ich eben nicht mehr in das 13-29-Raster. Kein Wunder, dass mir niemand mehr ein Stöckchen zuwirft!

In diesem Sinne, machs gut, Bello!

Sternengucker

Wer mich sieht, hält mich wahrscheinlich für verrückt. Ich kann das verstehen, ich sehe auch komisch dabei aus. Ich gucke gern in den Himmel und in die Sterne. Nicht mit Sinn und Verstand, wie es ein Astronom tut, sondern vielmehr sinnlos und ganz bewusst ohne Verstand. Ich finde das entspannend.

Das schöne am menschlichen Gehirn ist nämlich, dass es unmöglich nichts tun kann. Gibt man ihm keine konkrete Aufgabe, fängt es irgendwann an, wahllos vor sich hin zu denken. Der Blick in die Sterne wird also zu einer Art Achterbahnfahrt durch den eigenen Kopf. Gedanken, auf die man selbst nie gekommen wäre, tauchen plötzlich vor dem inneren Auge auf. Wie im wirklichen Leben, oder?

Natürlich sind wir der Meinung, dass wir bestimmen, wo es lang geht. Das ist sicher auch nicht ganz falsch. Trotzdem kommt es meistens doch anders – zumindest als wir denken.

In diesem Sinne, Grüß mir die Sonne!

Machtspielchen

Ich werde Drogenbaron. Zumindest dann, wenn es mir nicht gelingt, amerikanischer Präsident, Bundeskanzlerin oder Papst zu werden. Die stehen nämlich laut Forbes-Liste der mächtigsten Menschen der Welt noch vor Joaquín Guzmán, einem mexikanischen Drogenmagnaten. In der Liste hat er es aber immerhin auf Platz 39 geschafft – als Kriminelle sind nur Osama bin Laden und Silvio Berlusconi erfolgreicher. Mit beiden wollte ich nicht tauschen.

Für seine Liste hat das Forbes-Magazine eine ganze Reihe von Faktoren berücksichtigt. Geld, politischer Einfluss, etc. Eine Frage bleibt allerdings unbeantwortet: Nämlich die, warum der Mensch eigentlich nach Macht strebt. Was haben wir davon, wenn unser Handeln Millionen Menschen beeinflusst? Oder wenn wir zumindest im kleinen Rahmen bestimmen können, wo es langgeht?

Machtspielchen gibt es überall. Sie bestimmen unser Leben mehr als wir uns eingestehen wollen. Wer es nicht glaubt, braucht sich nur für ein paar Minuten hinter das Steuer eines Autos im Feierabendverkehr setzen. Lauter kleine Hilfspolizisten, deren größte Freude es ist, andere Verkehrsteilnehmer gemäß ihrer Interpretation der StVO zu erziehen. Wie berauschend das Gefühl, den vermeintlichen Vorbei-Schummler an der Spurverengung in die Schranken zu verweisen – welch herrliches Gefühl von Macht.

Schlimm sind Machtspielchen in Beziehungen. Besonders dann, wenn sich beide als die Unterlegenen fühlen und es aus dieser Warte nur recht und billig scheint, mit unlauteren Methoden die Macht zu ergreifen. Macht bedeutet dann vor allem, oben und nicht unten zu sein. (Vielleicht sogar im sexuellen Sinn).

Ich persönlich finde Machtspielchen eigentlich eher anstrengend (auch im sexuellen Sinn). Macht bedeutet mir nichts. Aber ehe jemand anderes mir sagt, wo es lang geht, bestimme das dann doch lieber selbst. In so fern ist ein bisschen Macht dann doch wieder nicht schlecht. Naja, wie gesagt, am besten werde ich Drogenbaron. Oder Bundeskanzlerin.

In diesem Sinne, viel Spaß beim Untenliegen!

Der Glückliche

Ich kann nichts dafür, ich heiße nun mal so: Felix, “Der Glückliche”. Bisher hat das auch immer ganz gut funktioniert. Zumindest wenn man mal davon absieht, dass ich damals im Latein-Unterricht immer alle Passagen übersetzen musste, in denen das Wort “glücklich” vorkam. Die Frage ist allerdings: Darf man sich auf so etwas flüchtiges wie Glück eigentlich dauerhaft verlassen?

In diesem Sinne: Antworten bitte hier posten!

Schneemann

Gefunden: Heute abend nach Ladenschluss auf dem Tisch vor dem Bäcker bei mir um die Ecke.

Zahlen, bitte!

Fast hätte ich bei ihr noch ein Bier bestellt. Zum Glück habe ich mich dann aber doch noch beherrscht. Schließlich saßen wir gemeinsam an dem kleinen Tisch in der Kneipe in der Konstanzer Altstadt. Wenn ich bei ihr und nicht bei der Kellnerin bestellt hätte, hätten mir das wohl beide übel genommen.

Zu meiner Entschuldigung: Meine Freundin und die Kellnerin hatten exakt das selbe Portemonnaie. Bei der Kellnerin hing es an einem Gürtel an ihrer Hüfte und schien aus allen Nähten zu platzen. Meine Freundin dagegen hatte ihres  gerade vor sich auf den Tisch gelegt. Es sah ebenfalls so aus, als stünde es gerade kurz vor dem Tod durch Zerplatzen.

Warum brauchen Frauen diese riesigen Portemonnaies, in Gastro-Deutsch auch Kellnertaschen genannt? Was schleppt Ihr alles mit Euch rum – und warum? Und wieso stecken die Riesenportemonnaies normalerweise in Handtaschen, die gerade so groß sind, dass nichts anderes mehr hineinpasst? Lippenstift, Handy und Handcreme dürfen wir Männer stattdessen in unseren Jackentaschen parken.

Liebe Frauen, ich verstehe Euch manchmal einfach nicht. Andererseits macht wohl gerade das Euren Reiz aus. Und – seien wir doch ehrlich – immer versteht Ihr uns doch auch nicht, oder?

In diesem Sinne, zahlen, bitte!

PS: Mehr zum Thema Frauen, ihre Handtaschen und Eigenarten gibt es hier.

Fremde Betten

Am besten geht es mir, wenn ich morgens noch nicht weiß, wo ich abends ankomme. Am besten schlafe ich in Hotelzimmern und in Hostel-Hochbetten. Das Leben ist leichter, wenn man unterwegs ist. Vielleicht bin ich nicht normal. Andererseits war schon Hesse sicher: “Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne” – und Hotelzimmer sind ein großartiger Ort für neue Anfänge.

Das Schöne an Anfängen ist, dass der Rückweg kurz ist. Man hat noch nicht all viel zu verlieren, weil man noch nicht viel investiert hat. Um ein Hotelzimmer zu räumen braucht man keinen Möbelwagen, nur einen Rucksack – und den hat man in der Regel dabei und ohnehin noch nicht ganz ausgepackt.

Hotelzimmer sind wie eine leere Leinwand: Man beginnt mit ein paar Pinselstrichen, und wenn die nicht sitzen, ist es ein Leichtes, die alte Schmiererei gegen ein neues Zimmer in einer neuen Stadt einzutauschen.

Am besten geht es mir, wenn ich morgens noch nicht weiß, wo ich abends ankomme. Das klingt gut, ist aber irgendwie auch feige. Wer nie ankommt, läuft auch immer weg. Andererseits ist es vielleicht aber auch gar nicht schlecht, in Bewegung zu bleiben. Wer nicht rastet, rostet schließlich auch nicht. Außerdem ist nicht jedes Gehen auch ein Weglaufen. Und Ankommen wird ohnehin überbewertet.

In diesem Sinne, gute Reise!

Agentenparty

Auf der Party haben wir uns kaum unterhalten. Danach dafür um so mehr. Sie habe mich erst kennenlernen wollen, hat sie später erklärt. Nicht persönlich, natürlich, das hätte sie schließlich auch auf der Party haben können, sondern via Facebook. Ich dagegen hätte nicht gedacht, dass es mal so weit kommt. Wirklich überrascht bin ich allerdings auch wieder nicht,

Trifft man jemand auf einer Party, bekommt man in der Regel nur eine Seite eines Menschen zu sehen. Den Rest muss man sich nach und nach erarbeiten. Vorlieben, Eigenheiten, der Freundeskreis und was es sonst so gibt. Das braucht natürlich Zeit. Kostbare Zeit, die man sich ob des wagen Anfangsverdachts, dass diese Person zu einem passen könnte, nehmen muss.

Anders ist es natürlich, wenn man sich gerade in einem Agentenfilm der 1980er- oder 90er-Jahre befindet. In den Filmen kann man sich eine Akte kommen lassen, die zwischen zwei einfachen Pappdeckeln alles Wissenswerte über eine Person enthält (meist steht vorne noch so etwas wie “Top Secret” drauf und auf die linke Innenseite ist mit einer Büroklammer ein Bild des oder der Betreffenden geheftet, meistens schief).

Ist man kein Filmagent kann man sich zumindest heutzutage auch einfach durch die gängigen sozialen Netzwerke klicken. Meist sind die Infos hier sogar noch besser als sie MI-6 und Co je hätten zusammengetragen können. Und was noch wichtiger ist: Das Bild ist viel umfassender als man es auf einer einzelnen Party hätte bekommen könnte. Fotoverlinkung, Pinnwand und Interessenliste sei Dank.

Gerade für Frauen scheint das eine tolle Sache zu sein. Mussten sie sich bei einer Feier oder (noch schwieriger) bei einer ersten Verabredung für ein Outfit entscheiden, können sie sich online gleich in zig Variationen präsentieren. Derartige digitalen Fotoalben haben meist zudem noch kreative Titel wie “Me, myself and I”. Lässig in Jeans, sexy im kurzen Schwarzen und chic im Abendkleid – irgendwas wird dem potenziellen Lover schon zusagen.

Gleichzeitig kann man sich den entsprechenden Typen hier in Ruhe und ohne nervige Störungen (“Alles in Ordnung bei Dir? Du schweigst mich nun schon seit einer halben Stunde an!”) angucken. So hatte es sich wohl auch besagte Frau von der Party gedacht. Zu dumm, denn offenbar war ich auf der Party besser gewesen als ich es bei Facebook bin. Ich habe jedenfalls schon seit geraumer Zeit nichts mehr von ihr gehört.

In diesem Sinne, vielleicht sollte ich mein Profil mal überarbeiten?