
Mit dieser Frage hatte ich nicht gerechnet. Dabei hatte mein Opa sie mir schon vor Jahren prophezeit. “Haben Sie eigentlich gedient”, wollte mein Chef wissen. In gewisser Weise war die Frage allerdings berechtigt.
Bei einem Anschlag in Afghanistan ist am Mittwoch ein deutscher Soldat ums Leben gekommen. Stationiert war er vor seinem Auslandseinsatz in Donaueschingen, also just im Einzugsgebiet der Redaktion, wo ich derzeit arbeite.
Es war ein komisches Gefühl, nach neun Jahren zum ersten Mal wieder eine Kaserne zu betreten. Misstrauisch hatte mich der Wachposten beäugt, während ich am Kaserneneingang auf den Presseoffizier wartete. Dass ich ihn entsprechend seiner Schulterklappen mit dem korrekten Dienstgrad ansprach, schien ihn zu irritieren.
Auch ich war irritiert: Die Welt, in der ich mich nun befand war fremd und vertraut zugleich. Kurz nach dem Ende des Kosovo-Krieges war ich für zwei Wochen auf dem Balkan gewesen, um für ein Bundeswehr-Magazin zu berichten (das Foto wurde vor dem Pressezentrum in Prizren aufgenommen). Das war noch vor den Anschlägen auf das World-Trade-Center gewesen. Die Soldaten, mit denen ich damals gesprochen hab, schienen seltsam entspannt. Ihre größte Angst waren nicht Attentäter, sondern Minen gewesen. Die meisten hatte das Geld gelockt, 180 DM pro Tag Gefahrenzulage.
Heute scheint das anders. “Kein Problem, ich gehe einfach mal davon aus, dass da keine Bombe in der Tasche ist und Sie sich gleich mit einem ‘Allah ist groß’ auf den Lippen in die Luft sprengen”, hatte der Presseoffizier entgegnet, als ich mich bei ihm für die schnelle und unkomplizierte Hilfe bedankt hatte. Dabei deutete er auf meine Umhängetasche, in der ich Kamera und Schreibblock mit mir rumtrug. So weit hatte ich, um ehrlich zu sein, gar nicht gedacht.
In diesem Sinne, was kommt als nächstes?