Großstadtrevier

Ich war sieben, und rückblickend betrachtet, erschien mir die Welt damals wirklich so einfach, wie sie im Fernsehen dargestellt wurde. Verbrecher waren böse Menschen, aber eigentlich musste man ihnen nur erklären, das es falsch ist, was sie taten. Sie würden das dann schon einsehen. Und für die richtig schweren, die ganz und gar uneinsichtigen Jungs, für die gab es dann ja immer noch das Gefängnis. 

Im Großstadtrevier war es so einfach. Vielleicht hat mir die Serie damals, als sie zum ersten Mal ausgestrahlt wurde, deshalb so gefallen. Keine komplizierten Laboranalysen, wie sie mittlerweile sogar aus dem Tatort nicht mehr wegzudenken sind. Keine komplizierten Verstrickungen, die aufwendig entknotet werden mussten. Statt dessen gewöhnliche und meist sehr banale Probleme, die es zu lösen galt. 

Die Männer und Frauen vom 14. Revier taten das noch mit nicht mehr als Verstand und Herzblut. Darum waren sie so sympathisch. Und genau so wie die Verbrecher waren sie ganz normale Menschen.Trotzdem gelang es ihnen, eine über Jahre gescheiterte Existenz mit ein paar guten Worten doch noch auf den rechten Weg zurück zu führen. 

Die Realität funktioniert natürlich anders, auch 1986 war das schon so. Ich glaube, tief in mir drin, da wusste ich das auch. Trotzdem freue ich mich noch heute, wenn ich zufällig in einem Dritten Programm auf eine alte Folge “Großstadtrevier” stoße. “Wenn der Schutzmann ums Eck kommt, nimmt der Ede Reißaus.” Wären Kausalketten doch im wirklichen Leben so einfach …

In diesem Sinne, Gruß an die 110!

Holzwandfotos

2009-05-25-holzwandVielleicht waren es Zwillinge. Ähnlich sahen sie sich jedenfalls. Beide schmächtig gebaut, aber den Oberarmen nach offenbar große Fitness-Studio-Fans. Beide hatten sie kurze, dunkle Haare und trugen die gleichen, hässlichen Pseudo-Armyshorts. Außerdem hatten sie beide ihre Freundinnen dabei. Die sahen sich ebenfalls auffällig ähnlich, aber das nur am Rande.

Ob die vier Touristen waren, weiß ich nicht. Der Brunnen vor dem Bräustüble der Fürstenberg-Brauerei interessierte sie allerdings sehr. Fast 20 Minuten verbrachten sie damit, sich in unterschiedlichen Aufstellungen gegenseitig davor zu fotografieren. Erst jeweils einer der Männer mit zwei Frauen, dann zwei Männer mit einer Frau, es folgten verschiedene ein-Mann-eine-Frau-Kombinationen und am Ende noch die Variante Mann-Mann und Frau-Frau. 

Da ich allein im Biergarten des Bräustübles saß, war der Versuch, selbst eine ähnliche Fotosession zu starten, von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Bei nur einer Person ist die Zahl der Kombinationen nun einmal begrenzt. Dafür hatte ich um so mehr Zeit, mir Gedanken zu machen, was wohl mit den gefühlten hundertzehn Bildern der vier passieren würde. Würden sie später noch mal einen Blick darauf werfen?

Das Brandenburger Tor, der Eiffelturm, das Opernhaus in Sydney – zu praktisch jeder Tages- und Nachtzeit stehen Menschen vor diesen klassischen Fotomotiven, um sich im Sinne eines “Ich war da” davor ablichten zu lassen. Mich erinnert das immer ein wenig an diese Holzaufsteller, wie es sie in Vergnügungsparks gibt. Darauf ist eine bestimmte Szenerie gemalt. Steckt man nun seinen Kopf durch das dafür vorgesehene Loch, sieht es aus, als wäre man Teil des abgebildeten Bildes.

Zugegeben, blättere ich alte Fotoalben durch, finden sich dort jede Menge Fotos mit mir vor irgendwelchen Sehenswürdigkeiten. Meist überblättere ich diese Aufnahmen allerdings. Sie sagen nichts aus und sind letztlich austauschbar wie besagte Holzwände.

Hängen bleibe ich dagegen bei scheinbar nebenbei gemachten Fotos: Banale Situationen, zufällige Bekanntschaften oder sogar völlig verwackelte Aufnahmen. Sie stehen in der Regel viel mehr für das, was die jeweilige Reise letztlich ausgemacht hat: Nämlich all die ungeplanten Kleinigkeiten am Rande des großen Ganzen.

In diesem Sinne, frohes Fotografieren!

Schrankwand aus der Zukunft

Die Zukunft sieht aus wie eine Schrankwand. Genauer gesagt wie eine Schrankwand, auf der unzählige Magnetbänder festgeschraubt sind. Mal drehen sie sich in die eine, dann wieder in die andere Richtung. Dazwischen gibt es tausende bunter Leuchten, die scheinbar wahllos an und ausgehen oder die Farbe wechseln.

Die Zukunft? Naja, zumindest was sich Filmemacher noch vor 25 Jahren darunter vorgestellt haben. Woher hätte man damals wissen sollen, dass  Computer heute eher klein und unauffällig und vor allem ohne Magnetbänder ihre Arbeit erledigen? 

Meistens kommt es eben anders – und in der Regel auch als man denkt. Das gilt übrigens nicht nur im Film. Auch das normale Leben läuft mit zuverlässiger Regelmäßigkeit an dem vorbei, was man eigentlich für die Zukunft erwartet hatte. Ich für meinen Teil hätte jedenfalls nie gedacht, dass ich mal in Baden-Württemberg lande. Nun bin ich hier. Außerdem bin ich unverheiratet, obwohl in meinem ursprünglichen Plan schon vor viereinhalb Jahren eine Hochzeit gestanden hätte.

Kurz und gut: Wir müssen uns wohl damit abfinden, dass die Zukunft ohnehin ihr eigenes Ding macht. Das entlässt uns dann zwar nicht von der Pflicht, eigene Entscheidungen zu treffen. Doch es macht es vielleicht einfacher, flexibel auf Veränderungen zu reagieren.

Übrigens: Manchmal macht es auch trotz gegenläufiger Realität Sinn, an alten Gewohnheiten festzuhalten. So wird auch in aktuellen Katastrophenfilmen immer noch auf Tastaturen herumgehämmert, als gäbe es weder Mouse noch Morgen. Macht wohl auch in hochtechnisierten Zeiten dramaturgisch mehr her, als ein den Protagonisten einfach nur vor sich hinklicken zu sehen.

In diesem Sinne, “my God, it’s full of stars!”

Adresse im Mixer

2009-05-18-anschriftWie soll ich da noch hinterher kommen, wenn es nicht mal meine Bank schafft?

Der erste Versuch, mir meine neue Kreditkarte zuzustellen, ging jedenfalls gründlich schief. Als die Karte heute endlich bei mir ankam, war auch klar warum.

Hinter einem eigens ausgedruckten A4-Blatt mit meiner aktuellen Anschrift steckte der Original-Brief samt ursprünglicher Zustelladresse. Neben meiner letzten Anschrift hatten sich sogar noch Teile meiner Vor-Vorletzten Adresse eingeschlichen (Rechter Seitenflügel 3. OG). 

Ich nehme es der Bank nicht übel, bei der ganzen Umzieherei komme ich schließlich selbst kaum mit. Nur gut, dass ich in eineinhalb Monaten wieder die Adresse wechsle …

In diesem Sinne, ein herzliches Dankeschön an die Post für ihre Geduld!

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