Speiseplan

Ob man Flachbildschirme essen kann? Auf dem Weg zwischen der Redaktion und meiner Wohnung komme ich immer an einer Art Einkaufszentrum vorbei. In einem großzügig gestalteten Gebäudekomplex sind ein großer Supermarkt und ein für seine Werbung bekannter, großer Elektro-Fachmarkt untergebracht.

Da mein Kühlschrank mehr als ausgehungert war (ich übrigens auch), kehrte ich in ersterem ein. Interessanterweise schien ich damit einer Minderheit anzugehören.

In beiden Läden waren noch drei oder vier Kassen geöffnet. Während in dem Elektro-Fachmarkt aber freitags um halb acht an allen offenen Kassen lange Schlangen darauf warteten, Geld gegen Ware zu tauschen, musste ich in dem Supermarkt überhaupt nicht anstehen.

Kaufen sich die Leute mittlerweile lieber Digitalkameras und DVD-Rekorder statt Lebensmitteln oder habe ich mir einfach ein extrem antizyklisches Einkaufsverhalten angewöhnt? Und wenn ja, wann kauft man denn heutzutage Lebensmittel ein, wenn man, wie es sich für Stoßzeiten gehört, noch vernünftig anstehen und sich hinterher darüber aufregen möchte?

In diesem Sinne, nicht die ganze Fernbedienung auf einmal essen!

Vorsorgefreiheit

Ich fühle mich ungern eingeschränkt. Das war schon immer so. Wenn ich etwas nicht tun kann, wurmt mich das. Es fühlt sich an, als wäre ich eingesperrt. Dabei ist es relativ egal, ob ich es tatsächlich tun will, entscheidend ist, dass ich könnte

2009-01-12-visum

Seit heute müssen sich Reisende in die USA im Vorfeld online registrieren, um einreisen zu dürfen. Man muss seine Passnummer angeben und sich durch ein Formular klicken, ähnlich dem, das man bisher im Flieger ausfüllen musste. (Gut erinnere ich mich noch an das großartige Erklär-Video, in dem immer wieder erklärt wurde, dass eine amerikanische 1 kein Häkchen hat, weil sie sonst eine 7 ist).

Die Einreisegenehmigung kommt dann angeblich binnen 72 Stunden. Wer kurzfristiger fliegen will, der braucht Glück. Gerade Geschäftsreisenden wird daher empfohlen, sich präventiv anzumelden. Einmal bewilligt ist die Einreisegenehmigung für zwei Jahre gültig.

Mir stößt dieses Verfahren übel auf, das sage ich offen. Dennoch denke ich darüber nach, mich ihm dennoch zu unterziehen. Nicht, weil ich damit rechne, kurzfristig dienstlich in die Staaten geschickt zu werden. Ich möchte mir schlicht die Möglichkeit offen halten. (Zugegeben, schlecht fände ich es nicht: Herr Neubüser, fliegen Sie nach Washington und befragen sie Obama, wie er sich kurz vor dem Amtsantritt fühlt!). 

Vielleicht entspringt die Idee demselben Grund, aus dem ich damals, vor Jahren, meinen ersten Pass beantragt hatte. Ich hatte keine Ahnung, wohin ich damit reisen wollte, doch wenn es soweit war, wollte ich vorbereitet sein. Ohne Pass hätte ich mich eingesperrt gefühlt.

Komisch eigentlich, denn wenn ich mich richtig erinnere, dann war der erste Stempel in diesem Pass der von der Immigration am John-F.-Kennedy-Airport in New York. Aber das nur am Rande.

In diesem Sinne, viel Erfolg, Mr. Obama!

Fluchtpunkt

2009-01-11-jever1Gerade weil sie vorbei ist, ist sie gefährlich. An manchen Tagen ist es leicht, sich in ihr zu verlieren. Gut ist das nicht. Sich zu sehr auf die Vergangenheit zu konzentrieren bedeutet, das Hier und Jetzt zu vernachlässigen. 

Trotzdem gibt es diese Tage, an denen ich einfach nicht anders kann. Eine Erinnerung jagt die nächste. In süßer Melancholie gefangen spaziere ich in Gedanken die alten Wege ab, verliere mich in Reiseerinnerungen und Momentaufnahmen früherer Leben.

Immer neue Bilder tauchen vor meinen Augen auf. Gerüche, Gedanken, sogar Geschmäcke. Etwa das herbe Jever-Aroma, das ich immer noch auf der Zunge spüre, wenn ich an die ersten Besuche in Wuppertal denke, als ich noch in Berlin gewohnt habe. Es war das Bier, das mein Vater kalt gestellt hatte, wenn ich am Abend in Wuppertal aus dem ICE gestiegen bin. 

Die Biersorte hat mittlerweile gewechselt, doch der Vorteil der Reise ins Damals liegt auf der Hand: Die Vergangenheit ist wie ein gelesener Roman, man kennt ihr (vorläufiges) Ende. Bei den Dingen, die mir heute Sorgen machen, weiß ich noch nicht, wie sie sich entwickeln. Das “Früher” ist da deutlich unkomplizierter. Ein toller Fluchtpunkt für die Gedanken eben. 

Hinzu kommt, dass die zeitliche Distanz relativierend wirkt. Rückblickend, im Gesamtkontext betrachtet, wirkt heute vieles leichter, was früher tonnenschwer auf meinen Schultern zu lasten schien. Wie erfrischend unbedeutend sind heute die Sorgen von damals, denn fast alle davon haben sich – so oder so – erledigt.

Keine neue Erkenntnis, eigentlich. Komisch wird das Ganze trotzdem. Nämlich immer dann, wenn man sich bewusst macht, dass auch das Jetzt irgendwann zu einem Früher und damit ebenfalls zu einem potenziellen Ziel für eine Flucht aus der Realität wird.

In diesem Sinne, gute Reise auch!

Metzgerei Müller

2009-01-09-metzgereimullerEs sind die kleinen Dinge, die mich immer noch überraschen. Zum Beispiel Bushaltestellen.

In Berlin hießen die Haltepunkte noch klangvoll “Alexanderplatz”, “Schönhauser Allee” oder wenigstens “Mehringdamm”. Hier ist man da pragmatischer: “Metzgerei Müller” steht auf dem Haltestellenschild unweit meiner Wohnung.

Das ist auch gar nicht mal falsch, der Bus hält hier tatsächlich direkt vor eben jener Metzgerei Müller. Trotzdem frage ich mich, was es über einen Ort aussagt, wenn die Bushaltestellen nach Metzgereien benannt werden …

In diesem Sinne, ein halbes Pfund Hack bitte!

Programmauswahl

2009-01-07-fernseherFernsehen macht alt. Oder treffender formuliert: Es lässt die Zeiger auf meiner Uhr schneller im Kreis herum laufen. So jedenfalls mein Gefühl.

Der Fernseher aus meiner Berliner Wohnung steht bei meinen Eltern im Keller. Ich habe ihn in Ravensburg nicht vermisst. In der Ferienwohnung, in der ich zur Zeit wohne, habe ich wieder einen Fernseher. Ich finde es unheimlich, wie schnell ich mich wieder daran gewöhnt habe – und wie viel Zeit ich mit sinnlosem Hin- und Hergeschalte verbringen kann. 

Eine Frage drängt sich mir dabei allerdings auf: Ist das Programm einfach so schlecht, dass ich andauernd auf etwas besseres hoffe und darum immer wieder umschalte – oder ist es so gut, dass ich mich einfach nicht entscheiden kann? 

In diesem Sinne, fragen wir doch Herrn Reich-Ranicki!

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