Aber nicht zuhören!

Was geht in diesen Leuten vor? Ein ganz normaler Pressetermin. Viele unglaublich wichtige Menschen, mindestens genau so viele, die es nicht sind. Sie sind es aber, die mich besonders interessieren. Also mische ich mich am Ende des offiziellen Teils in Menge.

Ich spreche sie an und stelle mich artig vor. Ich sage, dass ich für Zeitung xy schreibe und für meinen Artikel gerne eine persönliche Einschätzung von ihnen hätte, eben abseits der gerade zur Genüge konsumierten aalglatten Politiker-Sprüche.

Sie nicken. Aus manchen sprudelt es dann heraus, Meinungen im Sekundentakt. Andere tasten sich langsamer an das Thema heran, tauen nur Stück für Stück auf und quetschen dann ihre, wie man meinen könnte, wohl durchdachten Ansichten nur brockenweise heraus, während ich sie auf meinem Block mitkritzel. 

Kurios wird es am Ende des Interviews. “Das wollen Sie sie jetzt aber nicht in der Zeitung schreiben, oder?” ist eine der häufigsten Fragen, die mir dann gestellt wird, und ich frage mich, wieso ich mich am Anfang überhaupt vorgestellt habe. 

In diesem Sinne, keine falsche Höflichkeit!

Sektlaune

Ein kurzer Brief, eine beiliegende Pressemitteilung und das freundliche Angebot, bei Veröffentlichung eben dieser eine Flasche Sekt zu spendieren. Ich gebe zu, ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich das Schreiben mit eben diesem Inhalt auf meinem Schreibtisch in der Redaktion gefunden habe.

Bestechung? Nicht wirklich, das Essen bei manch einem offiziellen Termin übersteigt den Wert einer Flasche Sekt bei weitem. Dennoch hat es einen schalen Beigeschmack, einen Tausch – Artikel gegen prickelnden Wein – so offen angeboten zu bekommen.

Naja, Sekt ist eh nicht so meins … In diesem Sinne!

Single-Supermarkt

Singles sollen in den Supermarkt gehen. Ein Blick in den fremden Einkaufswagen sagt schließlich mehr über den oder die andere aus, als es tausend oder mehr Worte beim ersten Gepräch je könnten. Was für ein Mensch ist sie? Was mag sie, was nicht? Kauft sie nur für sich ein, oder warten zu Hause ein Mann und drei Kinder?

Ich weiß nicht mehr genau, wo ich das gelesen habe. Es macht aber Sinn, zumindest theoretisch. Besonders schlau müsste es, den Gedanken einmal weitergesponnen, dann auch sein, kurz vor Ladenschluss einkaufen zu gehen. Singles arbeiten lang, sie scheuen keine Überstunden und hetzten auf dem Rückweg noch kurz vor Ladenschluss durch die Regalreihen, um sich mit Tiefkühlpizza und Rotwein einzudecken.

Soweit die Theorie. In der Praxis scheinen es aber vor allem die Verrückten zu sein, die kurz vor knapp noch ihre Einkäufe auf das Band an der Kasse hieven. Diesen Eindruck hatte ich jedenfalls gestern.

Ich war an diesem Abend verabredet und wollte nach der Arbeit noch schnell eine Flasche Wein besorgen. Schon am Eingang wäre ich aber fast über eine alte und fast haarlose Frau gestolpert, die sich mit einem tiefschwarzen Kajalstift Augenbrauen auf die blanke Stirn malte. In der freien Hand hielt sie ihre beiden Einkaufstüten, welche sie sanft hin und her wogte.

Als ich mit meinem Wein an der Kasse stand, wippte vor mir ein Typ in Trainingshose unruhig hin und her. Unter dem einen Arm hielt er tatsächlich besagte Tiefkühlpizza, mit dem anderen dirigierte er seine Freundin zwischen den Regalreihen hin und her. Beeilen solle sie sich gefälligst, er sei nämlich gleich mit Bezahlen dran.

Die Eile war dabei völlig unnötig, denn die Frau vor ihm brauchte geschlagene viereinhalb Minuten, um sich zu entscheiden, ob sie zwei Jogurts, eine kleine Packung Toastbrot, eine Packung Streichkäse und einige weitere Kleinigkeiten in einer kleinen oder doch lieber in einer großen Tüte verstauen wollte. Ich glaube, sie war solo. Ich fürchte, ich weiß aber auch warum.

In diesem Sinne, jeder Tipp hat offenbar zwei Seiten!

Verschwommen

2009-01-17-nebelDas Monster fehlt, ansonsten ist das Setting ist perfekt. Nebelschwaden wabern durch das Bild, man kann kaum zehn Meter weit sehen. Nur vereinzelt dringen Geräusche durch die Dunstwolken. Man hat tatsächlich das Gefühl, mitten in einem Horrorfilm zu sein.

Eigentlich sollte ich mich ja mittlerweile  den Bodensee-Nebel gewöhnt haben, der zu dieser Jahreszeit morgens, abends und nachts allgegenwärtige Dunst fasziniert mich noch immer. 

Vom Bahnhof zu meiner Wohnung sind es zu Fuß ungefähr zehn bis 15 Minuten. Im Nebel scheinen diese Zeitangaben allerdings gänzlich ihre Bedeutung zu verlieren. Was hinter mir ist verschwimmt ebenso plötzlich, wie das, was vor mir liegt. Alles reduziert sich auf die paar sichtbaren Meter um mich herum. Manchmal wünsche ich mir, der Rest des Lebens wäre ebenfalls so übersichtlich. 

Komisch eigentlich, denn manchmal frage ich mich, ob die Dinge außerhalb des Nebels wirklich so kompliziert sind – oder ob wir sie nur so kompliziert machen.

In diesem Sinne, nicht einhüllen lassen!