“Hier finden Sie eine nette Toilette” – auch mal schön. Gibt eh viel zu viele unfreundliche Klos.
Gesehen an der Tür eines Cafés in Radolfzell.
Der Satz macht einfach keinen Sinn! Trotzdem klebt er als Aufkleber groß und breit auf der praktischen Maschine, die bei der Einfahrt ins Parkhaus den kleinen Chip ausspuckt, den man am Ende braucht, um für das Parken zu bezahlen.
“Parkmünze nicht verlieren”, heißt es da. Für mich fällt das in etwa in eine Kategorie mit “Klecker nicht” und “Lass das nicht fallen”. Als hätte man all diese Dinge vorgehabt und überlegt sie sich jetzt im letzten Moment anders überlegt, weil man so freundlich darauf hingewiesen wurde. Sinngemäß: gerade hatte ich noch vor, die Parkmünze aus Versehen zu verlieren. Aber huch, jetzt, wo da steht, ich soll das nicht tun, lasse ich es natürlich.
In diesem Sinne, kein weiterer Kommentar!
Früher gab es das nicht, da musste man es noch irgendwie im Gespräch herausfinden. Direkt danach zu fragen war schließlich, zumindest am Anfang, taktisch mehr als unklug.
Heute ist das freilich anders. Sozialen Netzwerken sei Dank kann man recht unkompliziert herausfinden, ob jemand vergeben, solo oder gar auf der Suche ist. Zumindest, wenn der oder die Betreffende dieses Profilfeld auch ausgefüllt hat. Für Jetzt.de, das Jugendmagazin der Süddeutschen Zeitung, Grund genug, um einmal eine Typologie der möglichen Antworten und der Menschen dahinter zu präsentieren.
Ein interessanter Ansatz. Viel faszinierender finde ich allerdings, mit welcher Akribie gerade frisch Getrennte den Status ihres Ex-Partners verfolgen – und wie unterschiedlich die Ansichten hier sind. Beschweren sich die einen, dass der oder die Verflossene schon nach wenigen Stunden von “vergeben” zu “solo” switcht, ist es für andere das schlimmste Vergehen überhaupt, hier nicht zeitnah öffentlich Nägel mit Köpfen zu präsentieren.
Wirklich richtig machen kann man es wohl nicht, das scheint irgendwie in der Natur der Trennung zu liegen. Nichts desto trotz finde ich es manchmal unheimlich, welche Bedeutung StudiVZ und Co an dieser Stelle insgesamt beigemessen wird. Aber das ist eine andere Geschichte.
In diesem Sinne, viel Spaß beim Wechselspiel!
Es war keine schöne Trennung gewesen. Für H. war sie aus heiterem Himmel gekommen. Klar hatte es hin und wieder Streit gegeben, meist wegen Kleinigkeiten. Nichts, weswegen man gleich die ganze Beziehung in Frage stellen müsste, fand H. Ihr jetzt Ex-Freund hatte das freilich anders gesehen. ”Wir haben uns irgendwie auseinandergelebt”, befand er, ”aber lass uns in Kontakt bleiben, OK?”
Bestimmt hundert Mal hat H. mir diese Geschichte mittlerweile erzählt. Über die Trennung ist sie, zumindest in gewisser Weise, weg. Nicht aber über diesen letzten Satz ihres Ex-Freundes. Wenn er doch in Kontakt bleiben wollte – wieso rief er dann nicht an?
Ich kenne das, und zugleich finde ich es beängstigend. Wie oft habe ich mir schon über einen einzelnen Satz, manchmal sogar ein einzelnes Wort, endlos den Kopf zerbrochen? Und wie oft habe ich wohlmöglich gedankenlos etwas daher gesagt und damit bei meinem Gegenüber ungewollt endlose Denkspiralen ausgelöst?
Natürlich sollte man, gerade bei Trennungen, wissen was man sagt. Trotzdem ist wohl gerade in derartig aufgeladenen Momenten die Gefahr recht groß, etwas zu sagen, das dann beim Gegenüber völlig anders ankommt, als es gemeint war.
Zugegeben, “lass uns in Kontakt bleiben” ist kein besonders schlauer Satz, wenn man mit jemandem Schluss macht. Aber vielleicht war er in diesem Moment ja wirklich genau so gemeint, und H.s Ex-Freund hat es sich später ganz einfach anders überlegt. Möglicherweise hatte er auch einfach Angst vor der eigenen Courage. Schluss machen, ja, aber nicht mit dieser Endgültigkeit. Ich mag diese Form der Inkonsequenz nicht, trotzdem könnte ich sie nachvollziehen. Denkbar ist auch, dass H.s Ex-Freund schlicht überfordert war und alles mögliche gesagt hätte, bloß um die Trennung für H. und damit für sich selbst leichter zu machen. “Lass uns in Kontakt bleiben” war eben das erste, was ihm in den Sinn kam.
Der Punkt ist: Wir unterstellen unseren Mitmenschen gerne, dass sie wissen, was sie tun. So überschätzen wir manchmal Sachen, die einfach nur daher gesagt wurden, suchen in hastig getippten SMS einen tieferen Sinn oder überinterpretieren einzelne Worte, die vielleicht gar nicht mit so viel Bedacht gewählt worden waren.
In diesem Sinne, Überschätzungen zumindest mit in Betracht ziehen!