Monthly Archive for November, 2008

Freundliches Örtchen

“Hier finden Sie eine nette Toilette” – auch mal schön. Gibt eh viel zu viele unfreundliche Klos.

Gesehen an der Tür eines Cafés in Radolfzell.

Die Parkmünze

Der Satz macht einfach keinen Sinn! Trotzdem klebt er als Aufkleber groß und breit auf der praktischen Maschine, die bei der Einfahrt ins Parkhaus den kleinen Chip ausspuckt, den man am Ende braucht, um für das Parken zu bezahlen. 

“Parkmünze nicht verlieren”, heißt es da. Für mich fällt das in etwa in eine Kategorie mit “Klecker nicht” und “Lass das nicht fallen”. Als hätte man all diese Dinge vorgehabt und überlegt sie sich jetzt im letzten Moment anders überlegt, weil man so freundlich darauf hingewiesen wurde. Sinngemäß: gerade hatte ich noch vor, die Parkmünze aus Versehen zu verlieren. Aber huch, jetzt, wo da steht, ich soll das nicht tun, lasse ich es natürlich.

In diesem Sinne, kein weiterer Kommentar!

Statusfrage

Früher gab es das nicht, da musste man es noch irgendwie im Gespräch herausfinden. Direkt danach zu fragen war schließlich, zumindest am Anfang, taktisch mehr als unklug.

Heute ist das freilich anders. Sozialen Netzwerken sei Dank kann man recht unkompliziert herausfinden, ob jemand vergeben, solo oder gar auf der Suche ist. Zumindest, wenn der oder die Betreffende dieses Profilfeld auch ausgefüllt hat. Für Jetzt.de, das Jugendmagazin der Süddeutschen Zeitung, Grund genug, um einmal eine Typologie der möglichen Antworten und der Menschen dahinter zu präsentieren.

Ein interessanter Ansatz. Viel faszinierender finde ich allerdings, mit welcher Akribie gerade frisch Getrennte den Status ihres Ex-Partners verfolgen – und wie unterschiedlich die Ansichten hier sind. Beschweren sich die einen, dass der oder die Verflossene schon nach wenigen Stunden von “vergeben” zu “solo” switcht, ist es für andere das schlimmste Vergehen überhaupt, hier nicht zeitnah öffentlich Nägel mit Köpfen zu präsentieren.

Wirklich richtig machen kann man es wohl nicht, das scheint irgendwie in der Natur der Trennung zu liegen. Nichts desto trotz finde ich es manchmal unheimlich, welche Bedeutung StudiVZ und Co an dieser Stelle insgesamt beigemessen wird. Aber das ist eine andere Geschichte.

In diesem Sinne, viel Spaß beim Wechselspiel!

Überschätzte Worte

Es war keine schöne Trennung gewesen. Für H. war sie aus heiterem Himmel gekommen. Klar hatte es hin und wieder Streit gegeben, meist wegen Kleinigkeiten. Nichts, weswegen man gleich die ganze Beziehung in Frage stellen müsste, fand H. Ihr jetzt Ex-Freund hatte das freilich anders gesehen.  ”Wir haben uns irgendwie auseinandergelebt”, befand er, ”aber lass uns in Kontakt bleiben, OK?”

Bestimmt hundert Mal hat H. mir diese Geschichte mittlerweile erzählt. Über die Trennung ist sie, zumindest in gewisser Weise, weg. Nicht aber über diesen letzten Satz ihres Ex-Freundes. Wenn er doch in Kontakt bleiben wollte – wieso rief er dann nicht an?

Ich kenne das, und zugleich finde ich es beängstigend. Wie oft habe ich mir schon über einen einzelnen Satz, manchmal sogar ein einzelnes Wort, endlos den Kopf zerbrochen? Und wie oft habe ich wohlmöglich gedankenlos etwas daher gesagt und damit bei meinem Gegenüber ungewollt endlose Denkspiralen ausgelöst?

Natürlich sollte man, gerade bei Trennungen, wissen was man sagt. Trotzdem ist wohl gerade in derartig aufgeladenen Momenten die Gefahr recht groß, etwas zu sagen, das dann beim Gegenüber völlig anders ankommt, als es gemeint war.

Zugegeben, “lass uns in Kontakt bleiben” ist kein besonders schlauer Satz, wenn man mit jemandem Schluss macht. Aber vielleicht war er in diesem Moment ja wirklich genau so gemeint, und H.s Ex-Freund hat es sich später ganz einfach anders überlegt. Möglicherweise hatte er auch einfach Angst vor der eigenen Courage. Schluss machen, ja, aber nicht mit dieser Endgültigkeit. Ich mag diese Form der Inkonsequenz nicht, trotzdem könnte ich sie nachvollziehen. Denkbar ist auch, dass H.s Ex-Freund schlicht überfordert war und alles mögliche gesagt hätte, bloß um die Trennung für H. und damit für sich selbst leichter zu machen. “Lass uns in Kontakt bleiben” war eben das erste, was ihm in den Sinn kam.

Der Punkt ist: Wir unterstellen unseren Mitmenschen gerne, dass sie wissen, was sie tun. So überschätzen wir manchmal Sachen, die einfach nur daher gesagt wurden, suchen in hastig getippten SMS einen tieferen Sinn oder überinterpretieren einzelne Worte, die vielleicht gar nicht mit so viel Bedacht gewählt worden waren.

In diesem Sinne, Überschätzungen zumindest mit in Betracht ziehen!

Wintereinbruch am See

 

Vor Singen

Und schon bin ich wieder in der Zwischenwelt. Weder bin ich noch wirklich hier, noch bin ich schon woanders. Viereinhalb Wochen bleiben mir noch in Ravensburg, dann geht es mit einem weihnachtlichen Zwischenstopp bei meinen Eltern in meine neue und doch wieder nur temporäre Heimat – nach Singen (Hohentwiel). 

Was ich seltsam, fast beängstigend finde ist, dass ich mich mit diesem Wechselspiel ganz gut zu arrangieren beginne. Es stört mich nicht, dass auch Singen nur eine temporäre Heimat für drei Monate sein wird (danach geht es weiter nach Donaueschingen). Dass ich auch dort nur als Zaungast reinschnuppere, weil das Ende von Anfang an absehbar ist.

“Ich will ein Nomade sein”, hat mir meine SMS-Freundin M. vor einiger Zeit einmal in einem anderen Zusammenhang geschrieben. Ich bin momentan zumindest nah dran. Mein Leben ist zur Reise geworden, einem ständigen Ankommen und wieder Weiterziehen. Mit dem Rucksack auf dem Rücken habe ich das genossen. Mal sehen wie es mir im wahren Leben ergeht.

In diesem Sinne, hin und wieder mal den Kilometerstand prüfen!

Datenwanderung

Sie kamen mit verschiedenen Namen, aber regelmäßig. Still und heimlich schlichen sie sich jeden Abend in mein Email-Postfach: Als Newsletter deklarierte Werbemails mit Titeln wie “Ab-in-den-Urlaub.de”, “Geld.de” oder “Auto.de”, versendet allesamt von der Unister GmbH mit Sitz in Leipzig, die sich damit rühmt, eines “der größten Studenten- und Absolventennetzwerke” zu betreiben. Das Interessante daran: Ich hatte mich nie bei diesem Netzwerk angemeldet.

Entsprechend scheiterte auch der Versuch, mich mit der für die Werbung verwandte Mail-Adresse in das Netzwerk einzuloggen. Die Adresse sei ungültig, teilte mir die Webseite mit. Auch meine Anfragen an die Firma via Online-Kontaktformular blieben unbeantwortet, ebenso die per Email verschickten Nachfragen.

Licht ins Dunkel brachte erst ein Anruf bei der Firma. Man habe meine Adresse von der adRom Media Marketing GmbH, erklärte mir eine freundliche Frau am Telefon und bestätigte mir diese Information auch gleich schriftlich (links). Ich hätte an einem Gewinnspiel dieser in Österreich beheimateten Firma teilgenommen und dabei die Einwilligung zur Verwendung meiner Daten erteilt.

Zugegeben, das wunderte mich etwas. Da ich ohnehin nie gewinne, habe ich seit Jahren an keinem Gewinnspiel teilgenommen.

Nein, nein, teilte man mir dann auch bei der adRom GmbH mit, ich hätte an keinem Gewinnspiel teilgenommen. Statt dessen hätte ich mich bei der Webseite nic.de.vu angemeldet und hierbei meine Einwilligung zur Weitergabe meiner Daten zugestimmt.

Tatsächlich, ich hatte mich vor einiger Zeit bei nic.de.vu angemeldet, einem Dienst, der Webadressen anbietet. Und ja, in den allgemeinen Geschäftsbedingungen gibt es tatsächlich eine Klausel, die nic.de.vu berechtigt, Daten zu Werbezwecken weiter zu geben (links).

Letztlich war es also rechtens, dass meine Email-Adresse auf dem beschriebenen Umweg über Österreich letztlich wieder in Deutschland und bei der Unister GmbH landete. Traurig finde ich es dagegen, dass eine Firma, die damit wirbt, eines der größten Studi-Netzwerke zu betreiben, es dennoch nötig zu haben scheint, sich seine Newsletter-Kunden von einem Adresshändler aus Österreich zu besorgen. 

Sowohl Unister als auch adRom haben übrigens der Löschung meiner Daten umgehend zugestimmt, nachdem ich darum gebeten hatte. Wenigstens etwas also.

In diesem Sinne, immer schön die AGBs lesen!

Andere Länder …

 

… andere Sichtweisen. 
Gesehen am Bahnhof East Croydon in Süd-London.

In diesem Sinne, Gruß an Herrn Schäuble!

Un-cool

Sie stehen in Fußgängerzonen, vor Einkaufszentren und auch gerne in der Nähe von Universitäten. Oft tragen sie auffällig grelle Jacken, und meist sind sie zu mehreren, denn das erschwert ihren Opfern die Flucht.

Ihre Waffe sind kleine, bunte Zettel, die sie mit einem gekünsteltem Lächeln unter die Leute zu bringen versuchen. Normalerweise weiche ich Ihnen aus, heute wäre das allerdings nicht mal nötig gewesen. 

Es war in Friedrichshafen, irgendwo in der Fußgängerzone. Ich hatte gerade eine Jeans gekauft, als ich das Promo-Team sah. Sie waren zu viert, zwei Jungs, zwei Mädels. Sie standen leicht versetzt, so dass sie die gesamte Breite der Einkaufsstraße abdecken konnten. “Party” stand in großen, schreienden Lettern auf den Flyern, von denen jeder der vier einen Packen in der Hand hielt.

Was sonst noch auf dem Flugblatt stand, weiß ich nicht. Zwar musterten mich gleich zwei der vier Flyer-Verteiler, beide entschieden sich aber nach kurzem Überlegen dafür, mich zu ignorieren. Offenbar zählte ich nicht zu ihrer Zielgruppe. Ich gebe zu, das irritierte mich, denn es war eine neue Erfahrung.

War ich zu alt? Nicht cool genug? Traute man mir “Party” schlicht nicht zu? Fast war ich versucht stehenzubleiben, um zu beobachten, wer wohl statt dessen in den Genuss der kleinen, bunten Zettel kam. 

Ich habe es mir verkniffen. Schließlich wäre das erst recht uncool gewesen. Außerdem bin ich mittlerweile nun einmal 29 – ein gutes Alter also, um sich über derartige Dinge keine Gedanken mehr zu machen. Da gibt es wichtigeres, sagte ich mir und war damit so beschäftigt, dass ich fast vor das grellbunte Plakat gelaufen bin, dass etwas schief an einem Laternenmast hing.

“Party” stand darauf in mir wohlbekannten großen, schreienden Lettern. Darüber und etwas kleiner: “Ü-30″.

In diesem Sinne, der erste Gedanke ist wohl nicht immer der Beste!

Priority Boarding

In einem Flugzeug zu sitzen macht keinen Spaß. Vielleicht tut es die Tatsache, in relativ kurzer Zeit irgendwo hin zu kommen oder auch, in ebenso kurzer Zeit von irgendwo anders weg zu kommen, aber nicht das im Flieger sitzen selber.

Es ist eng, es ist laut und schlecht temperiert. Außerdem sitzen in jedem Flugzeug jede Menge Menschen, mit denen man sich unter normalen Umständen keinen so engen Raum freiwillig teilen würde. Kurz: keine sehr angenehme Situation. Dennoch scheinen es die meisten Menschen es unglaublich eilig zu haben, in eben jene Situation zu kommen.

In Stansted werden die Gates zu den Flügen normalerweise 50 Minuten vor Abflug auf den Bildschirmen hinter dem Security Check bekannt gegeben. Weil zumindest tagsüber alle paar Minuten ein Flieger geht, stehen oft ganze Menschentrauben um die Monitore und warten ungeduldig darauf, den zu ihrem Flug passenden Ausgang zu erfahren. Ist es dann so weit, eilen sie zu den Flugsteigen, um auch ja ganz vorne in der Schlange fürs Boarding zu stehen. Fast, als fürchteten sie, sonst nicht mehr mitgenommen zu werden.

Das gilt sowohl für die Passagiere, die Billigflieger, also keinen festen Sitzplatz, gebucht haben als auch für diejenigen, auf deren Ticket ohnehin eine reservierte Platznummer vermerkt ist. Die meisten Billigflieger lassen es sich mittlerweile sogar bezahlen, wenn jemand besonders früh an Bord gehen will. Sie nennen es  ”Priority Boarding” – und finden anscheinend jedes Mal ein paar Dumme, die für diesen vermeintlichen Service ein paar Euro mehr anlegen.

Verrückt, eigentlich. Bedeutet es doch, noch mehr Zeit im Bauch der Boeings und Airbusse zu verbringen, als ohnehin schon notwendig. Hinzu kommt, dass wer zuerst kommt, sich selten aussuchen kann, wer die Plätze neben ihm oder ihr belegt. Denn hier wird sich später irgendwer dazu setzen und das kann, wie ich etwa beim Flug nach Riga bemerkt habe, durchaus auch ein trinkfreudiger Lette oder eine freundliche Mutter samt schreiendem Baby sein.

Der späte Vogel hat es hier deutlich besser. Gemächlich steht er auf, wenn die Schlange am Gate kürzer zu werden beginnt, und schlendert entspannt in Richtung Gangway. Im Flieger sucht er sich selbst aus, neben wem er sitzen möchte und neben wem nicht und erspart sich gleichzeitig 20 oder 30 zusätzliche Minuten im beengten Flugzeugbauch. 

Klingt vernünftig, oder? Aber wer würde schon behaupten, dass wir Menschen vernunftbegabt sind?

In diesem Sinne, guten Flug!