Zukunftsweisend

Montag nachmittag, die Sonne strahlt und die Konstanzer Online-Redaktion kann in die Zukunft gucken. Es war kurz nach sechs als der Anruf kam. Wir sollten unbedingt Fotos von dem Hagelschauer liefern, der da gerade auf uns hernieder gehe. 

Das war leichter gesagt als getan, denn da war gar kein Hagel. Stattdessen blauer Himmel und schwül-heiße 32 Grad.

Mittlerweile ist es kurz vor acht. Langsam zieht es sich zu. Bedrohliche, schwarze Wolkenberge marschieren auf, um das sommerliche Blau zu verdecken. In der Ferne grummelt es und sieht nach Regen aus, vielleicht sogar Hagel.

Irgendwie unheimlich, dass die Online-Redaktion das schon vor eineinhalb Stunden wusste …

In diesem Sinne, den Schirm nicht vergessen!

Wer-Wie-Was?

“Was machen Sie denn mit ihrem Wuppertaler-Kennzeichen in Ravensburg?”

Mein Wagen ist noch in Wuppertal zugelassen das stimmt. Trotzdem fand ich es überraschend, dass meine Nachbarin mich gleich darauf ansprach. Es folgte ein Gespräch, dass vielleicht zwei Minuten dauerte und damit länger war, als alle Gespräche mit allen Nachbarn in Berlin zusammen. Und dort habe ich immerhin fast drei Jahre gewohnt – hier erst eine Woche.

Ob es mir gefiele, wollte sie wissen, und dass sie ja gar nie hier weg wollte. Fast wie in Italien sei es hier, wenn im Sommer die Gastwirte ihre Tische vor ihre Lokale stellten. Dass ich ihr gleich aufgefallen wär, so als Fremder hier, und was ich denn schaffen tät.

Weil ich den Ton des Gesprächs hier schlecht wiedergeben kann, sei noch gesagt, dass die gute Frau das alles keineswegs prüfend oder gar misstrauisch intonierte. Vielmehr sprach sie in einem Ton, der deutlich machte, dass ihre freundliche Neugierde schlicht nett gemeint war. Und nett war es ja eigentlich auch. Nur bin ich das aus Berlin eben einfach nicht gewohnt.

In diesem Sinne, wer nicht fragt bleibt dumm!

Anders

Ravensburg ist anders als Berlin. Zugegeben, das ist kein besonders geschickter Anfang. Ravensburg ist anders als Berlin, das ist nichts neues. Geschickter wäre ein unerwarteter erster Satz gewesen.

Etwa die Behauptung, Ravensburg sei letztlich genau wie Berlin. Dass auch hier die selben coolen Kiddies rumlaufen, die (trotz Verbot) ihren Alk rund um den Marienplatz trinken und dabei coole Musik aus coolen Handylautsprechern hören. Weil auch hier die Busfahrer Sätze brüllen wie “im Bus wird nicht gegessen” und es auch hier nervige Straßenmusiker gibt, die von Kneipe zu Kneipe ziehen.

Aber das sind Kleinigkeiten. Banalitäten, die am Ende doch nicht verbergen können, dass Ravensburg eben doch ganz anders ist als Berlin. 

In Berlin käme zum Beispiel niemand auf die Idee, das Stadtwappen trophäengleich als Flagge am Auto zu montieren. Oder einmal im Jahr fünf Tage lang in mittelalterlicher Tracht trommelnd durch die Gegend zu laufen (Rutenfest). 

Ravensburg ist anders als Berlin, und ich muss zugeben: ich fühle mich noch immer fremd. Die letzte Woche habe ich fast nur gearbeitet. Freiwillig, denn mein Job hier macht wirklich Spaß.

Jetzt ist Wochenende, und ich bin fast überfordert mit der vielen freien Zeit. Vorhin war ich ein (drei) Feierabendbier trinken. Ich habe den (schwäbischen) Gesprächen um mich herum gelauscht, mit einer Russin im Bus geflirtet und mich gefragt, wie lange es dauert, bis ich so richtig angekommen bin. Kann man überhaupt richtig ankommen, wenn man doch weiß, dass man in einem halben Jahr schon wieder weg ist?

In diesem Sinne, gute Reise!

 

Willkommen

Ich habe einen Stoffbeutel bekommen. Lässig überreicht von einer hübschen, aber distanzierten städtischen Angestellten. Darin: eine Wanderkarte, allerlei bunte Prospekte und ein “Willkommen in Ravensburg”-Heft.

Ansonsten war das Ummelden schlicht und unspektakulär. Nicht einmal anstehen musste ich, um nun offiziell ein Bürger Baden-Württembergs zu sein.

Die Frage ist nur: was fange ich damit an?

Als ich heute in der Mittagspause durch die Altstadt gegangen bin, habe ich immer wieder versucht zu sagen, dass dies nun – zumindest für die nächsten Monate – meine Stadt sein wird. Geholfen hat es nicht. Ich fühle mich immer noch fremd.

Nicht, dass das ein unangenehmer Zustand wäre. Ich mag es, mich möglichst lange als Zaungast fühlen zu dürfen. Der Blick von außen ist oft klarer als der aus der Mitte, das gilt nicht nur für den Journalismus. Komisch ist es trotzdem. 

Es fängt bei der Wetterkarte der Tagesschau an: mein erster Blick gilt immer noch Berlin. Ich brauche dann immer einen Moment, um mich zu orientieren und meine Augen in Richtung Süd-Süd-West zu fokussieren.
Soll ich meine Adresse angeben, muss ich bei der Postleitzahl immer noch überlegen (die Straße ist mittlerweile kein Problem mehr). Und werde ich nach meiner Heimat gefragt, rutscht mir immer noch erstmal “Berlin” raus, bevor ich mich korrigiere.

Wie lange dauert es anzukommen?

In diesem Sinne, Gruß aus Ber…Ravensburg!

 

Globalisierung

Fast hätte ich mich gezwickt, um aufzuwachen. Diese Sekundenschlaf-Unfälle sind schließlich berüchtigt – und müde war ich definitiv, als ich gestern Abend von Konstanz nach Ravensburg, zu meinem neuen, temporären Zuhause gefahren bin. 

Als ich unterwegs kurz an einem Lidl gehalten habe, um noch schnell ein paar Dinge einzukaufen, hatte ich einen Moment das Gefühl, als hätte ich einen Sprung durch Raum und Zeit gemacht: ich war wieder in Berlin! Zuerst die nicht-alkoholischen Getränke, dann links das Brot und kurz dahinter die Obst- und Gemüseauswahl. Alles war exakt so bestückt, wie “mein” Lidl in Berlin.

Vermutlich habe ich einen recht seltsamen Eindruck gemacht, als ich so mit großen Augen durch die Regalreihen gestolpert bin. Wie jemand, der zum ersten Mal im Leben einen Supermarkt betreten hat. Aber ich konnte einfach nicht anders. Nach drei Wochen mehr oder minder chaotischem WG-Leben in Konstanz hat mich dieser vermeintliche Zeitsprung schlicht überwältigt. 

Weniger dramatisierend gestrickte Seelen mögen nun den Kopf darüber schütteln, mit welch einfachen Mitteln man mich aus der Fassung bringen kann. Frei nach dem Motto: “Globalisierung – da sieht eben jeder Lidl gleich aus”.

Ich habe trotzdem einen Moment gebraucht, ehe ich mich wieder auf die Straße gewagt habe. Vier Wochen bewusstes Nicht-Nachdenken – es war ja klar, dass das irgendwann seinen Tribut fordert.

In diesem Sinne, gute Reise in der Zeitkapsel!

Offline?

Manchmal ist einfach die Technik schuld – manchmal auch einfach ein übereifriger Admin. In diesem Fall wohl beides: nachdem ich gestern ein größeres WordPress-Update auf den Server gespielt hatte, war Felix’ Welt so up to date, dass sämtliche ältere Beitrage einfach spurlos verschwunden waren.

Mittlerweile habe ich das Problem immerhin im Großen und Ganzen behoben (ein wenig Bastelei wird leider schon noch notwendig sein), möchte mich aber trotzdem schon mal für die Sendepause entschuldigen. Außerdem möchte ich mich bedanken – diverse “Wo ist Deine Seite”-Mails sind schließlich auch ein Kompliment.

In diesem Sinne, bis zum nächsten Eintrag!

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