Monthly Archive for April, 2008

Popelalarm

Warum, wollte die Stimme aus dem Radio wissen, bohrt jemand im Auto in der Nase, während er im Stau steht oder an roten Ampel auf grün wartet. Rechnet er nicht damit, von allen Seiten beäugt und bei dieser verpönten Handlung missgünstig beobachtet zu werden? Würde er es, auf frischer Tat ertappt, zugeben? Wohl nicht.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, worum es in besagter Radiosendung ging, oder warum der Moderator ausgerechnet diese Frage stellte. Man könnte den Sachverhalt allerdings noch auf allerlei andere Dinge ausdehnen. Etwa wieso jemand seine Wohnung nicht aufräumt, wenn er doch genau weiß, dass er Besuch bekommt. Oder warum es eine Katastrophe ist, nach dem Essen noch Spinat oder Salat zwischen den Zähnen zu haben. Kurz: warum jemand sich nicht zumindest bemüht, den guten Schein zu wahren.

Mal ehrlich – welchen Sinn hat es, so zu tun, als hätte man noch nie in der Nase gebohrt, masturbiert oder in der vollbesetzten Bahn einen fahren lassen? Wieso gibt es eine offenbar ganze Reihe von Dingen, die jeder tut (oder die zumindest jedem passieren können), die aber trotzdem als böser Fauxpas gelten und die es daher tunlichst zu überspielen gilt? Wieso ist es trotzdem irgendwie desillussionierend, wenn man sich bewusst macht, dass wohl kaum einer diese Dinge zugeben würde, sich aber trotzdem, davon bin ich überzeugt, keiner davon ganz freisprechen kann?

Wir leben in einer Welt voller Schauspieler, und selbst die werden regelmäßig desillussioniert, im wahrsten SInne des Wortes. “Früher träumte ich davon, für immer von exotischer Frauenwäsche umgeben zu sein”, sagt John Cusack alias Rob in der Romanverfilmung von High Fidelity bezogen auf das Zusammenziehen mit einer Frau, “inzwischen weiß ich, daß die ihr bestes Model für die Nacht aufsparen, in der sie mit jemandem schlafen.”

Wir müssen uns wohl damit abfinden: auch schöne Frauen tragen manchmal ganz gewöhnliche Alltagsunterwäsche, und wenn man nur lange genug wartet, wird man wohl auch Brad Pitt mit dem Finger in der Nase erwischen können.

In diesem Sinne, alles wird gut!

Der Supersportler

Es war von vornherein klar: er wollte seinem Publikum etwas bieten – und daran, dass es dieses Publikum gab, daran zweifelte er offensichtlich keine Sekunde. Immerhin, keiner der anderen Läufer hatte eine so coole Sonnenbrille wie er. 

Der Supersportler und ich kamen zwar ungefähr zur gleichen Zeit auf dem Sportplatz an. Während ich jedoch wie ein ganz gewöhnlicher Läufer auf die 400-Meter-Bahn zusteuerte, schwebte er mit weiten, federnden Schritten in Richtung Sprunggrube. Schwungvoll ließ er seine Tasche am Rande der Grube zu Boden gleiten und begann mit einem aufwendigen, offensichtlich von einem Profi ausgearbeitetem Aufwärmprogramm.

Pfauengleich schritt er die untere Gerade der Laufstrecke zunächst in der einen, dann in der anderen Richtung ab, kratzte sich am Kopf und begann anschließend hektisch in seiner mitgebrachten Sporttasche zu wühlen. Daraus zauberte er erst ein paar Schuhe, dann eine große Wasserflasche hervor, aus der er hastig ein paar Schlucke nahm, während die Sonne sich in seiner Sonnenbrille spiegelte.

Anschließend begann er, sich zu entkleiden. Der (vermutlich maßgeschneiderte) Trainingsanzug wurde in der Tasche verstaut und macht Platz für die darunter getragene enge, blaue Radlerhose und ein grellrotes T-Shirt. Auch die neongelben Sportschuhe mussten weichen und wurden aus das Paar Schuhe aus der Tasche ersetzt. So ausstaffiert nahm der Supersportler sein Aufwärmtraining wieder auf.

Mir ernstem Gesichtsausdruck ging er die untere Gerade der Laufbahn erst in die eine, dann in die andere Richtung ab, bevor er schließlich auf der einen Seite der Hundert-Meter-Bahn in Startstellung ging.

Ich war ungefähr vier Runden gelaufen, als der imaginäre Startschuss fiel. Wie ein Pfeil, der von einem Bogen abgefeuert wird, schoss der Supersportler nach vorne und rannte die hundert Meter fast bis zum Ende durch. Anschließend kehrte er zu seiner Tasche zurück, wo er erstmal einen großen Schluck aus seiner Wasserflasche nahm, bevor er die Kontrollgänge am Rande der Laufstrecke wieder aufnahm. 

Das Spiel wiederholte sich in der Dreiviertelstunde, die ich auf dem Sportplatz war, genau vier Mal. Nach jedem Durchgang betrachtete der Supersportler eingehend die gut fünfzehn anderen Läufer auf dem Platz, rückte seine Sonnenbrille zurecht und brummte etwas Unverständliches. Erst am Ende, als wir die Laufbahn zeitgleich verließen, konnte ich verstehen, was er nach seinen Sprints immer murmelte: “Verdammte Möchtegern-Läufer!”

In diesem Sinne, nicht gleich übertreiben mit dem Sport!

Unbekannt verzogen

Ich kenne nicht den Titel und weiß auch keinen Bandnamen. Das erste Mal habe ich das Lied gleich nach meiner Ankunft in Buenos Aires in einem Restaurant gehört. Es muss damals so etwas wie ein Hit gewesen sein, denn die Radiostationen dudelten den Titel rauf und runter. Vermutlich habe ich mir deshalb nie die Mühe gemacht, nach einem Namen zu fragen.

Der Song war in ganz Argentinien so selbstverständlich präsent und wurde für mich schnell zu meiner persönlichen Hymne auf Südamerika: Noch auf der Busfahrt nach Chile lief der Titel im Radio: ein gitarrendominierter Hintergrund, spanischer Gesang und ein eingängiger Refrain.

In der chilenischen Hauptstadt Santiago angekommen, war das Lied plötzlich verschwunden. Weder im Radio noch in den Restaurants und Bars lief mein Song. Erst nach und nach fing ich an mich zu wundern. Das Lied war doch meine ganz persönliche Südamerika-Hymne – wie konnte es da nur in Argentinien, nicht aber in Chile ein Hit sein? 

Zurück in Deutschland habe ich irgendwann angefangen, im Internet alte argentinischen Charts zu durchforsten. Ich habe in hunderte Lieder reingehört und vergeblich auf das Aha-Erlebnis gehofft. Der vermeintliche Hit blieb unauffindbar, wie vom Erdboden verschluckt. So allgegenwärtig er auch in Argentinien gewesen war, nun wurde er zum raren Gut, dass sich offenbar besser verstecken konnte als ich zu Suchen in der Lage war. 

Irgendwann war ich mir nicht mal mehr sicher, ob ich das Lied vielleicht längst wieder gefunden aber nicht erkannt hatte. Die anfangs so präsente Melodie des Refrains war nach und nach aus meinem Kopf ins Vergessen gerutscht. Zwar war ich weiter zuversichtlich, den Song zu erkennen, wenn ich ihn hören würde, sicher war ich da aber nicht.

Mittlerweile habe ich mich damit abgefunden, dass meine Südamerika-Hymne vielleicht für immer verschollen bleiben wird. Es ist komisch, wie etwas erst so selbstverständlich sein und dann trotzdem von heute auf morgen einfach verschwinden kann.

In diesem Sinne, sachdienliche Hinweise zum Aufenthaltsort meines Liedes nehme ich gerne entgegen!

Erfolgsrezept

Ich mag Dein Lächeln, besonders, wenn die Sonne darauf scheint. Das war schon immer so, und bisher habe ich mir nichts dabei gedacht. Wir sind schließlich einfach nur Freunde.

Als wir uns kennengelernt haben, fand ich Dich anstrengend. Du passtest nicht in mein Raster. Ich fand es schwer, Dich einzuschätzen. Oft wusste ich nicht, wie Du etwas meintest, wenn Du es gesagt oder getan hast. Viele Deiner Schwächen habe ich Dir nicht zugetraut. Heute mag ich sie.

In letzter Zeit erwische ich mich immer wieder dabei, dass ich versuche, besonders männlich und entschlossen zu wirken, wenn ich weiß, dass Du mich beobachtest. Ich bilde mir ein, dass Dir das gefällt, dabei weiß ich doch, dass Du mich besser kennst. Ich bin nicht Dein Typ, und auch Du passt nicht zu mir. Da war ich mir bisher immer sicher. Trotzdem träume ich in letzter Zeit immer öfter von Dir.

Ich bin nicht verliebt in Dich oder will es zumindest nicht sein.
Trotzdem habe ich in letzter Zeit ein leichtes Kribbeln in Bauch, wenn wir uns treffen.

Manchmal denke ich, dass ich es einfach riskieren muss, und sei es nur, damit ich Sicherheit habe. Wenn ich mir erstmal die Finger verbrannt habe, werde ich schon daraus lernen. Was aber, wenn es funktioniert?

Vor kurzem habe ich Deinen neuen Freund kennengelernt. Er scheint ganz sympathisch und hat einen ähnlichen Humor wie ich. Wenn Du von ihm erzählst, bekommst Du dieses Funkeln in den Augen, das ich so mag. Du sagst, es wäre Dir wichtig, dass ich ihn mag. Ihr würdet Euch ja schon eine Weile kennen, aber Du hättest nie gedacht, dass einmal mehr daraus werden würde. Wo Ihr doch so unterschiedlich wärd. Aber vielleicht, sagst Du, sei gerade das Euer Erfolgsrezept.

In diesem Sinne, schönes Wochenende!

Andere Menschen

Über mir wird wieder mal geprobt. Aggressiv singt N. gegen die laute Musik an, die durch das geöffnete Fenster des italienischen Zwischenmieters im Erdgeschoss in den Innenhof schallt. Im Vorderhaus kocht irgendwer. Asiatisch, zumindest dem Geruch nach. Gegenüber, im anderen Seitenflügel, flimmert ein Fernseher. 

Eigentlich ist es verrückt: die meisten meiner Nachbarn kenne höchstens vom Sehen, nicht mal mit Namen, trotzdem nehme ich in nicht geringem Maße an ihrem Leben teil. Wenn das junge Paar im Vorderhaus mal wieder streitet, bin ich live dabei, genau so wie ich immer wieder über die kleinen Präsente stolpere, die der Freund meiner Nachbarin gegenüber vor ihrer Tür deponiert. 

Das gilt natürlich auch im Umkehrschluss, insbesondere weil das Haus, in dem ich wohne, offenbar recht hellhörig ist. Zumindest meine unmittelbaren Nachbarn dürften also wissen, dass ich ein Freund der amerikanischen Sitcom “Friends” bin und teilweise zu recht seltsamen Zeiten arbeite. Sie kennen vermutlich meinen Musikgeschmack und bekommen auch mit, wenn ich Besuch habe, der erst am nächsten Morgen wieder geht.

Manchmal finde ich das anstrengend, meistens nicht. Ich finde sogar, so zu wohnen, hat etwas Reizvolles – fast wie das Übernachten im Mehrbettzimmer in einem Hostel (mit dem Vorteil, dass man trotzdem sein eigenes Badezimmer hat): es ist nie langweilig. Statt immer nur ein bestimmtes Bild von seinen Mitmenschen vermittelt zu bekommen, sieht (bzw. hört) man auch, was hinter den Kulissen stattfindet, ohne dabei gleich ganz auf Privatsphäre zu verzichten.

Nachbarn sind eben auch nur Menschen. Andere Menschen übrigens auch.

In diesem Sinne, einfach mal die Augen und Ohren aufmachen.

Umzugshelfer

Am Anfang ist das Chaos – jeder, der schon einmal umgezogen ist, wird das bestätigen können. Lauter Kisten und Tüten, bei denen man nicht immer sicher ist, was sie enthalten, Möbelteile fraglicher Herkunft und Unmengen Kram, bei dem man sich spätestens auf dem dritten Treppenansatz schnaufend fragt, warum man ihn nicht gleich beim Auszug entsorgt hatte anstatt ihn nun in den vierten Stock zu schleppen.

Ein Blog umzuziehen ist da denkbar einfacher: weder Körperkraft noch handwerkliches Geschick mit dem Schraubendreher ist hier gefragt. Man muss keinen LKW mieten und auch keine Kartons packen.

Trotzdem hat auch ein solcher Umzug so seine Tücken – und die auszubügeln wären ein paar Umzughelfer nicht schlecht!

Felix’ Welt hat eine neue Heimat gefunden. Statt weiter als Untermieter bei Blogspot zu hausen habe ich dem Blog eigenen Webspace spendiert, weswegen Ihr Felix Welt nun auch direkt über Felix-Welt.de erreichen könnt. Das Layout wurde etwas aufgefrischt und auch sonst wird sich hier in nächster Zeit das Eine oder Andere tun.

Genau hier kommt Ihr ins Spiel!

Kisten tragen braucht Ihr keine, aber für Kritik, Verbesserungsvorschläge oder sonstige Ideen bin ich gerne offen.

In diesem Sinne – nur her mit den Kommentaren!

Arschloch-Bonus

Frauen stehen auf Arschlöcher, heißt es. Zielsicher suchen sie sich ausgerechnet den Typen, der sie schlecht behandeln wird. Das tun sie nicht einmal, sondern immer wieder. Schön blöd, würd ich sagen. Aber, ehe nun ein Sturm der Entrüstung losbricht, lasst mich ergänzen: wir Männer stehen ihnen da in nichts nach! Auch wir scheinen einen recht sicheren Riecher dafür zu haben, was nicht gut für uns ist. 

Nun gilt keine Regel absolut und erst recht keine, welche die menschliche Partnerwahl zum Thema hat. Trotzdem bin ich sicher, dass zumindest den meisten derer, die das hier lesen, eine passende Episode aus dem eigenen Leben einfällt. Ich will mich da nicht mal ausnehmen.
Trotzdem frage ich mich, warum dem so ist. 
Wissenschaftler haben heraus gefunden, dass Frauen gerade während ihres Eisprungs einen Faible für den ungehobelten, vermeintlich durchsetzungsstarken Macho entwickeln. Ansonsten sind sie durchaus gewillt, auch freundliche, “nette” Männer als Partner zu akzeptieren. Die Erklärung ist ebenso einfach wie Jahrtausende alt: der Nachwuchs soll mit möglichst “starken” Genen in die Welt entlassen werden. Bis er aber soweit ist, sich selber durchzusetzen, braucht er einen zuverlässigen Versorger als Vater – den familientauglichen Softie eben.
Das ist zunächst mal schlüssig, als Erklärung für den Arschloch-Bonus aber nur bedingt hilfreich, zumindest für mich – schließlich kann ich als Mann mit keinerlei Eisprüngen aufwarten. Eine biologische Tatsache, die ich mit praktisch allen meiner männlichen Artverwandten gemeinsam haben dürfte. Doch selbst die noch so auf den A-Typ fixierten Frauen haben nur einen Eisprung pro Monat. 
So ganz hinreichend ist die oben genannte darwinistische Begründung also nicht. Meine These daher: Jagdinstinkt!
Je schwerer die Beute zu erlegen scheint, desto interessanter ist sie. Männer wie Frauen wollen sich selbst (oder sonstwem) beweisen, dass sie das vermeintlich Böse bezwingen können oder, weniger drastisch, dass Unmögliche eben doch irgendwie hinbekommen. Je mehr wir meinen, dass wir ihr oder ihm nicht gewachsen sind, um so motivierter sind wir, es trotzdem zu versuchen.
Freundlicherweise hat es die Natur so eingerichtet, dass wir lernfähig sind, zumindest im Großen und Ganzen. Entsprechend schaffen es die meisten mit der Zeit (und nicht selten nach einer besonders unschönen Erfahrung), den eigenen Jagdinstinkt zu kontrollieren. Zumindest bis zu einem gewissen Grad. So ganz scheint der Arschloch-Bonus seinen Reiz nämlich niemals zu verlieren. Schade eigentlich?
In diesem Sinne, frohes Aufreißen!

Felix – Der Film

Manchmal frage ich mich, warum ich eigentlich nicht beim Film bin. Zumindest an mangelndem Schauspieltalent kann es nicht liegen. Im Gegenteil: ich bin offenbar sogar so begabt, dass ich manchmal nicht mal mitbekomme, wenn ich schauspielere. Dafür überrasche ich dann alle außer mir, wenn ich damit aufhöre und einfach wieder ich bin.

Immer wieder bekomme ich zu hören, dieses oder jenes hätte man (oder Frau) nicht von mir gedacht. Normalerweise lässt mich dieser Satz etwas konsterniert zurück. Warum, frage ich mich dann, sollte diese oder jene Handlung nicht zu mir passen? Oder anders formuliert: habe ich denn vorher wirklich ein so komplett anderes Bild vermittelt?
In letzter Zeit habe ich einige Dinge in meinem Leben verändert. Einige dieser Veränderungen recht drastisch ausgefallen. In so fern ist es also vielleicht nachvollziehbar, dass der Eine oder Andere etwas überrumpelt davon war – aber überrascht? Das hat mich irritiert.
Eigentlich war ich immer der Meinung, dass mein Leben ziemlich vorhersehbar wäre. Keine plötzlichen Wendungen, keine aufregenden Sprünge, und selbst die größeren Brüche normalerweise von langer Hand vorbereitet – kurz: kein besonders großes Kino. Aber vielleicht habe ich mich ja geirrt?
Vielleicht hat sich nur einfach noch nicht der richtige Regisseur gefunden, der sich an einen Stoff wie Felix – Der Film heranwagen will? Vielleicht läuft schon irgendwo auf der Welt ein Casting, in der es um die Besetzung der Hauptrolle geht? Ja, vielleicht streiten sich gerade jetzt, in diesem Moment, Brad Pitt und Orlando Bloom, wer mich besser darstellen kann?
Naja, vielleicht auch nicht. Genug Größenwahn für heute. Und morgen? Lasst Euch überraschen!
In diesem Sinne, wir sehen uns dann im Kino!

Sex im Flugzeug II

Eindeutig zu wenig Sex!

Dieser Schluss liegt jedenfalls nahe, wenn ich mir die Zugriffsstatistik meines Blogs der letzten drei Monate angucke. Demnach ist gut ein Viertel der Besucher von Felix-Welt über eine Google-Suche hier gelandet – mit zum Teil recht eindeutigen Suchbegriffen. 

Gut, der mit Abstand häufigste Suchbegriff ist (immer noch) schlicht “Felix Welt”, was mich, ich gebe es ja zu, schon freut. Andererseits wird gehen die Google-Anfragen schon ab Platz drei in eine gänzlich andere Richtung: “Riga Sex” steht hier nur knapp vor “Sex im Flugzeug”. Später folgen “Mottoparty Nutten” (Platz 8), “Porno im Flugzeug” (Platz 11) und “Weltsex” (Platz 15) – was immer damit gemeint ist. 
Leider ist davon auszugehen, dass keiner dieser ach so verzweifelt Suchenden bei mir fündig geworden ist. Traurig, eigentlich. Außerdem hinke ich, so ganz ohne Sex, meiner Zeit ohnehin eindeutig hinterher – und das um fast 50 Jahre!
Sex verkauft Spinat” titelte schon 1961 Die Zeit und beschrieb die Marketingstrategie einer Lebensmittelfirma, die ihre Waren vor allem fernmündlich via Telefon an den Mann zu bringen versuchte: “Dem Kaufmann wird es leicht, einem anderen Mann ein ‘Nein’ durch den Draht an den Kopf zu werfen”, zitiert der Autor des Artikels einen Angestellten der Firma und konkludierte: “Wie wäre es [...] wenn eine schöne Frauenstimme den Kaufmann zärtlich umwerben und sozusagen um die Order buhlen werde? Dann würde der Kaufmann nicht mißmutig auf den Gefrierschrank schielen und den Hörer auflegen, sondern, das wöchentliche zärtliche Telephonat freudigst erwarten.”
Die meisten meiner Einträge hier haben nichts (oder nur wenig) mit Sex zu tun. Oft sind es ganz alltägliche Situationen, die ihren Weg in mein Notizbuch und letztlich in mein Blog finden. Trotzdem werden sie gelesen – und dafür möchte ich mich bedanken!
In diesem Sinne – und bis bald!

Falsche Erwartungen

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt – dieser Spruch ist nicht nur altlug, sondern auch wahr. Erst kürzlich hat mir eine gute Freundin von einer Bekannten erzählt, die sich selber großzügig Sex vor der Ehe gestattet hat. Offenbar geprägt vom US-Fernsehen hatte sie sich aber vorgenommen, bis zur Hochzeit höchstens mit zwanzig verschiedenen Männern zu schlafen. 

Diese Grenze ist nun erreicht –  und sie dabei, ihre Ex-Freunde durchzutelefonieren. Sie hatte einfach nicht erwartet, dass sie Nummer Zwanzig erreichen und noch immer ledig sein würde.
Doch nicht nur bei solch lebensbestimmenden Entscheidungen wie der Zahl der erlaubten Sexualpartner kann man böse daneben liegen, wenn man von falsch prognostiziert. Oft sind es gerade die kleinen Dinge, die einem ein Höchstmaß an hellseherischen Fähigkeiten abverlangen: gehe ich auf die Party von xy, oder mache ich endlich den lange geplanten ruhigen Abend zu Hause? Fülle ich den Kühlschrank mit Zeugs vom Spätkauf nebenan, oder gehe ich doch noch zum schnell zum Supermarkt?
Das Problem bei diese Entscheidungen ist, dass sie für sich genommen zwar weder dramatisch noch großartig weitreichend sind, ihnen aber immer ein gewisses lebensveränderndes Potenzial innewohnt. 
Gemeinerweise erschließt sich das nicht immer sofort.
Ja, im Gegenteil, oft ist dieses Potenzial sogar gut versteckt. Man kann weiß schließlich nicht, dass man ausgerechnet im Supermarkt die Mutter seiner zukünftigen Kinder kennenlernen wird (man greift aus Versehen zur gleichen Packung Nudeln und kommt irgendwie ins Gespräch). Im Spätkauf dagegen sind Nudeln ausverkauft und man bleibt einfach nur hungrig. 
Auch ahnt man natürlich nicht, dass die Party bei xy todlangweilig wird, der Abend zu Hause dagegen in Australien endet (man sieht diese Reportage im WDR und stellt fest, dass Auswandern eigentlich genau das Richtige ist – so nimmt das Schicksal seinen Lauf). 
Zugegeben, das ist nun etwas weit hergeholt. Trotzdem kann ich mich nicht ganz von dieser Idee der entscheidenden Momente freisprechen. Manchmal glaube ich wirklich, dass es hin und wieder Kleinigkeiten sind, dumme Zufälle oder banale Entscheidungen eben, die einen in die eine oder andere Richtung driften lassen (siehe allerdings auch: Die Gummibandtheorie). Verwirrend, wenn man länger darüber nachdenkt, oder? 
Eines weiß ich jedenfalls genau: mit wie vielen Frauen ich vor der Ehe schlafe werde ich nicht im Vorfeld festlegen! 
In diesem Sinne, nicht alle Entscheidungen auf einmal essen!