Monthly Archive for November, 2007

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Deutsches Bier

Deutschland sei toll, sagte der eine Traveller auf Englisch. Besonders Berlin. Ja, bestätigte der andere enthusiastisch, besonders das deutsche Bier sei großartig. Und die Clubs. Sie prosteten einander zu.

Es muss so gegen fünf Uhr morgens gewesen sein. Die jungen Männer, beide Anfang 20, waren Backpacker aus Australien. Einer aus Melbourne, einer aus Sydney. Beide waren schon seit ein paar Wochen auf unterschiedlichen Routen in Europa unterwegs. Sie hatten sich an diesem Abend beim PubCrawl kennengelernt, jener berühmt-berüchtigten organisierten Sauftour, die jedes Jahr pünktlich zum Sommerloch in den unterschiedlichsten Medien rumgereicht wird.

Berlin sei die beste Stadt in Deutschland, erklärte der eine Australier bestimmt, mindestens so gut wie Amsterdam. Nur dass man hier nicht kiffen dürfe, das störe etwas. Der andere nickte. Aber das deutsche Bier, das sei großartig. Das beste der Welt. Sie prosteten einander zu. Einer von beiden zog einen abgegriffenen Reiseführer aus der Tasche. Offenbar versuchten sie, die Route der absolvierten Kneipentour auf der Karte nachzuvollziehen.

Schließlich wandten sich an mich. Ob das hier, Kreuzberg, eigentlich West- oder Ostberlin sei, wollten sie von mir wissen, nachdem sie getrunken hatten. Und wo denn eigentlich diese Berliner Mauer genau wäre, auf der Karte sei die nicht eingezeichnet. Ich erklärte es ihnen. Beide waren sichtlich überrascht. Damit hatten sie nicht gerechnet. Sowohl die Tatsache, dass die Mauer seit fast 20 Jahren Geschichte und Kreuzberg ein Teil Westberlins war, schien sie zu verwirren.

Auf den Schreck tranken beide noch einen Schluck Bier. Dann reichten sie mir die leeren Flaschen. “German beer – best beer on the world”, lobten sie erneut, “we’ll have another one”. Beide nahmen sich ein Becks Lemon aus dem Kühlschrank und prosteten einander zu.

In diesem Sinne, auch Reiseführer-Lesen kann bilden – muss aber nicht.

Postabituriale Kommunikation

Ich habe einen blauen Brief bekommen. Meine Leistungen in den Fächern “Postabituriale Kommunikation” und “Nachabituriales Feiern” seien nicht ausreichend, meine Versetzung gefährdet. Dringend erforderlich daher der Besuch eines Seminars mit dem Titel “Flammendes Partyinferno in Praxis, ohne Theorie”. Sowas bringt einen zum Nachdenken.

Mein Abitur ist mittlerweile achteinhalb Jahre her. Mit einigen der Leute, die damals mit mir die Schulbank gedrückt haben, bin ich noch (oder mittlerweile) eng befreundet, andere wiederum habe ich seit der Zeugnisverleihung nicht mehr gesehen. Bei manchen tut mir das Leid, bei anderen nicht, und bei wieder anderen ist es mir völlig egal.

Es ist komisch, wie sich eine Welt, die auf einen bestimmten Ausschnitt zentriert ist, plötzlich weiten und von ihrem Ausgang emanzipieren kann. Ein nicht unbedeutender Teil er Leute, mit denen ich im Juni 1999 das Abi-Zeugnis entgegen genommen habe, ist mir mir eingeschult worden. Damals waren wir sechs und es ist ein komisches Gefühl, wenn man plötzlich vor Augen geführt bekommt, dass diese Leute mittlerweile zum Teil selber Kinder mit Schultüten haben.

In jedem Abi-Jahrgang gibt es zudem gewisse Grundtypen. Da sind immer die “Coolen”, immer die “Freaks” und immer diejenigen, die irgendwo dazwischen sind (interessanterweise werden sich wohl neun von zehn eher “dazwischen” sehen als irgendwo sonst, aber das nur am Rande). Allerdings gilt diese Ordnung immer nur für die jeweilige Gruppe. Ein komischer Gedanke, dass vielleicht die Freundin, der beste Freund oder gar der eigene Chef beim jeweiligen Abi-Treffen der (Ex-?)Freak ist.

Ich bin eigentlich immer gern zur Schule gegangen. Dennoch bin ich durchaus froh, das Schubladendenken der praeabiturialen Kommunikation irgendwann hinter mir gelassen zu haben. Auf ein Wiedersehen mit all den Leuten von damals bin ich trotzdem gespannt. Schon wegen der Vorurteile.

In diesem Sinne, frohes Wiedersehen!