Wer bist Du?

Im letzten Monat wurde diese Seite ungefähr 700 Mal aufgerufen. Das ist nicht viel, vergleicht man mein Blog mit Seiten wie Spiegel-Online, dass allein pro Tag auf 2,3 Millionen Besuche kommt (dafür beträgt die durchschnittliche Verweildauer pro Tag und Nutzer dort auch nur etwas über eine Minute, hier sind es fast acht Minuten – immerhin). Trotzdem ist es eine Menge, wenn ich mir vor Augen halte, dass es ja hier letztlich um nichts anderes geht als um mich und meine Gedanken.

Manchmal frage ich mich daher: wer bist Du, der dies jetzt liest?
Kenne ich Dich? Kennst Du mich? Wie bist Du auf meine Seite gekommen, was hat Dich hier gehalten?

Klar, von einigen Leuten weiß ich, dass sie regelmäßig hier vorbei gucken. Ich kenne die meisten, die hier schon Beiträge kommentiert haben. Von einigen anderen Freunden weiß ich, dass sie immer mal wieder vorbei schauen, ohne zu kommentieren – nicht selten hat mich das Gespräch mit ihnen sogar zu einem Eintrag inspiriert. (Nichts desto trotz bin ich manchmal verwirrt, wenn ich auf Dinge angesprochen werde, die ich schreibe.)
Doch wer sind die Anderen? Die Seitenstatistik hat bislang etwas über 200 verschiedene Besucher identifiziert. Ich glaube nicht, dass ich jeden davon persönlich kenne.

Ich gebe zu, auch ich lese recht regelmäßig in verschiedenen Blogs. Nicht alle der Leute, die da schreiben, sind direkte Bekannte von mir. Einige kenne ich über Freunde, weil die mir die Seite mal empfohlen oder verlinkt haben, andere habe ich einfach zufällig entdeckt.
Es ist komisch, wenn man jemanden eigentlich nicht kennt, weil man einander nur ein oder zwei Mal flüchtig begegnet ist, vielleicht einander nur vorgestellt wurde, und doch in gewisser Weise am Leben dieser Person teilnimmt.

In diesem Sinne, viel Spaß beim Miterleben!

Entscheidende Momente

In dem Film “Back to the Future II” gibt es eine Szene, wo der Erfinder der Zeitmaschine, “Doc” Emmet Brown sagt, das Jahr 1955 scheine ein besonderes Jahr auf dem Zeitstrahl zu sein: eine Art Weiche oder so. Entsprechend haben Ereignisse, die in diesem Jahr ihren Anfang nehmen, sowohl im ersten als auch im zweiten Jahr der Trilogie entscheidenden Einfluss auf das Leben des Protagonisten, Marty McFly.

Einmal ist sein Existieren als solches bedroht, da seine Mutter sich in ihn, statt in seinen Vater verliebt – letztlich steht also sein Geburt auf dem Spiel und er beginnt sich aufzulösen.
Ein anderes Mal motiviert Marty seinen zukünftigen Vater George dazu, sich ein erstes Mal gegen die Gängeleien von Rowdy Biff durchzusetzen. George erlangt damit ein solches Selbstbewusstsein, dass sein gesamtes Leben einen anderen Verlauf nimmt. Marty kehrt in die Zukunft und in andere (bessere) Familienwelt zurück, in der nicht nur seine Eltern plötzlich erfolgreich sind, sondern er nebenbei noch einen netten SUV fährt.
Erstmal. Denn dann wieder ruiniert ein aus der Zukunft nach 1955 gebrachter Sport-Alamach diese Zukunft wieder. Besagter Biff bekommt dieses Buch von seinem Ich aus der Zukunft geschenkt und schwingt sich mit gewonnen Sportwetten zum Multimillionär auf und heiratet Marty’s Mutter.

Mal abgesehen von den offensichtlichen logischen Schwächen der “Back to the Future”-Reihe frage ich mich manchmal, ob es wirklich solche Momente der Entscheidung gibt. Kann etwa eine verpasste S-Bahn die eigene Richtung in der Welt auf den Kopf stellen?
Um ehrlich zu sein, ich habe keine Antwort darauf.

Gucke ich zurück, kann ich jede Menge von Zufällen und Kleinigkeiten ausmachen, die letztlich weit reichende Folgen hatten. Andererseits – vielleicht wäre ich ohne diese Dinge auf anderen Wegen ebenfalls dort angekommen, wo ich jetzt bin (oder zumindest an ähnlicher Stelle). Weil die Grundrichtung eben doch meist die gleiche gewesen wäre.

Aber man muss ja nicht immer gleich so absolut denken: gehen wir doch eine Stufe nach unten. Ich sitze am Telefon und überlege, ob ich eine bestimmte Person anrufen soll. Wir stehen am Anfang von etwas, das vielleicht eine Beziehung werden könnte, kennen uns aber noch nicht so gut, dass das völlig unbefangen von sich geht.

Ich sitze also vor meinem Telefon: Ich will nicht zu aufdringlich sein und sie gleich verschrecken. Schließlich weiß ich selbst, wie anstrengend (und abschreckend!) zu sehr klammernde Menschen sein können. Rufe ich sie jetzt an ist das vielleicht der Tropfen, der die Waage in Richtung “klammern” schwenken lässt und sie wendet sich ab.

Andererseits hat das zwischen uns in den letzten paar Tagen merklich an Fahrt gewonnen. Wir verstehen und mögen uns, sind aber eben beide keine ganz einfachen Menschen. Warte ich mit dem Anruf zu lange, riskiere ich vielleicht das, was wir aufzubauen angefangen haben. Sie ist intelligent, witzig, hübsch – ich bin definitiv nicht der einzige, der an ihr interessiert ist. Mache ich mich zu rar, verliere ich sie möglicherweise an einen meiner sicher zahlreichen Nebenbuhler.

Je länger man über so etwas nachdenkt, desto mehr Bedeutung scheint dieser eine Anruf zu haben. Oder?

Vielleicht ist es ja ganz egal, so lange die Richtung stimmt. Vielleicht gibt es so etwas wie Schicksal und je nachdem ob ich anrufe dauert es nur etwas länger oder eben kürzer, bis wir zusammen finden?

Und wenn nicht: vielleicht ist es trotzdem egal, denn egal welche Abzweigungen man im Leben nimmt, man kann nie sicher sein, wie es gewesen wäre, hätte man den anderen Weg gewählt. Ganz zu schweigen davon, dass es ja unendlich viele Wege und Kreuzungen gibt – das Leben ist schließlich voll von Mini- und Mikroentscheidungen, die einzeln oder kumuliert ihren Beitrag zum großen Ganzen leisten.

So oder so, jede Entscheidung für etwas ist zugleich eine Entscheidung gegen etwas anderes. Manchmal ist das offensichtlich, aber längst nicht immer. Dann kann man nur spekulieren, wo man gelandet wäre, hätte man sich an dieser oder jener Stelle anders entschieden.

In diesem Sinne, frohes Entscheiden!

Wahlweise

Was, wenn wir es vorher gewusst hätten, worauf wir uns einlassen? Wenn wir die Wahl gehabt hätten. Wenn jemand uns vorher eine Broschüre in die Hand gedrückt hätte, in der alles drin gestanden hätte, auf Hochglanzpapier wohlmöglich. Auf der letzten Seite dann zwei Felder: “Ja” und “Nein”. Wo hätten wir unser Kreuz gemacht?Im Leben gibt es immer wieder Momente, wo man das Eine gegen das Andere abwägen muss. Entscheidungen, wo man sich überlegen muss, ob der Gewinn den Einsatz rechtfertigen wird. Wähle ich den Abenteuerurlaub, bei dem ich genau weiß, dass nicht alles nach Plan laufen wird? Akzeptiere ich lauter Unbekannte, hoffe aber darauf, dass neben dem Überwinden derselben genug Schönes abfallen wird?

Zwar verspricht der bunte Prospekt ein unvergessliches Erlebnis, aber vielleicht fühle ich mich ja auch so ganz wohl. Warum soll ich mir das also antun?

Nennen wir den Abenteuerurlaub Leben.
Bevor wir auf die Reise geschickt werden, kriegen wir einen bunten Prospekt in die Hand gedrückt. Lauter bunte und vielversprechende Bilder, vermutlich auf Hochglanzpapier gederuckt. Dazu jede Menge Kleingedrucktes. Wir würden lieben, heißt es da, große Momente des Glücks erleben, tolle Dinge sehen und erleben, garantiert. Es gäbe so viel Tolles zu erleben, wir müssten nur wollen!

Allerdings wäre nicht alles schön. Das Leben, so heißt es auf Seite 2, sei eben nicht nur ein Zuckerschlecken. Herbe Rückschläge würden uns erwarten und großer Schmerz. Viele Ängste, die uns quälen werden, das Verlassen werden, Rückschläge ertragen und allerlei anderes unschönes Zeugs.
Es sei nun an uns, sagt der große Unbekannte, ein Kreuz zu machen. “Ja” oder “nein”, nur “vielleicht” is’ nicht. Was würden wir wählen?

Ich glaube, dass man vieles nicht getan hätte, wenn man vorher gesagt bekommen hätte, wie es sein würde. Nicht, dass es letztlich so furchtbar gewesen wäre, die Sache an sich nicht. Wohl allerdings die Beschreibung derselben. Steckt man drin, sehen die meisten Dinge plötzlich ganz anders aus, nicht selten halb so wild, und am Ende ist man froh, sie erfolgreich durchgestanden zu haben.

Hätten wir vorher gewusst, was uns im Leben so alles erwartet, hätten wir uns entschieden, es zu leben?
Oder sind wir, die wir nun mal hier sind, etwa einfach nur all diejenigen, die “ja” angekreuzt haben?

In diesem Sinne, frohes Wählen!

Frauenprobleme

Es fing gegen drei Uhr nachts an. Bewaffnet mit ihrer Bettdecke, einem Kissen und einem grimmigen Gesichtsausdruck stand sie vor mir: “They only bite me, I will sleep here!” (Sie beißen nur mich, ich werde hier schlafen). Dann begann sie, mir ihre Mückenstiche zu zeigen. Ziemlich viele, das stimmte wohl, und an Stellen, nach denen ich bestimmt nicht gefragt hätte.

Zugegeben, woanders hätte mir das vielleicht sogar gefallen, zumal die junge Spanierin recht hübsch war. Aber wie sich die meisten wohl gedacht haben, spielte sich die beschriebene Szene nicht an meiner Wohnungstür ab, sondern am Tresen der Hostelrezeption. Sie ließ sich dann auch recht einfach klären: mit einem Bett in einem anderen Zimmer.

Schwerwiegender schien dagegen die Schwierigkeiten des völlig betrunkenen Bayern, der kurz darauf vor mir stand. Gut genährt und mit breitem, süddeutschen Dialekt erklärte er mir um vier Uhr morgens, er habe ein Problem mit seiner Frau. Lange Kunstpause – ich hoffte auf eine Erklärung. Die blieb aus, also entschied ich mich vorsichtshalber, den guten Mann zunächst mal nicht zu ernst zu nehmen. Statt dessen bot ich ihm an, im Backoffice nachzusehen, ob ich vielleicht noch eine andere Frau da hätte, die er statt dessen haben könnte.

Und tatsächlich: einen Moment schien er ernsthaft darüber nachzudenken. Sollte das die Lösung sein? Dann besann er sich aber anders. Während er sich mit beiden Händen mühsam am Tresen festhielt, intonierte er erneut laut und in merklich gelalltem Bayrisch: “I hoab an Probbblem mit mai Waib!”

Um es kurz zu machen: seine Frau hatte ihn geschickt, ein Handtuch zu besorgen. Das war das Problem. Das war alles!
Zwar versuchte er mich noch eine Weile zu überzeugen, noch ein paar Bier mit ihm zu trinken (“I hoab da nämlich an Probbblem mit mai Waib!”), das war es dann aber auch. Nach gut 20 Minuten wankte er, samt Handtüchern, ohne Bier, zurück in sein Zimmer und zu seiner Problemfrau.

Allerdings war die Nacht da ja noch jung. Zu guter letzt, gegen sechs nämlich, stolzierte ein nicht mehr ganz junger Mann mit interessanter Lockenfrisur ins Hostel. Im Schlepptau: eine schweigende Frau mit schüchternem Gesichtsausdruck und viel zu viel Schminke darüber. In der Hand zwei Rosen. Solche, wie sie auch völlig überteuert in Kneipen verkauft werden.

Sie bräuchten ein Zimmer, nur für ein paar Stunden, erklärte er mir in fließendem Deutsch. Sie seien Araber und im Urlaub hier. Wenn hier nichts mehr frei wäre, solle ich mich doch bitte ans Telefon schwingen und ihnen ein Bett besorgen. Seine Frau sei müde und er auch. Ich dagegen war eigentlich nur verwundert: sind nachts eigentlich alle verrückt? Oder nur wenn ich arbeite?

In diesem Sinne, frohes Wahnsinnen!

Geht nicht (Platzmangel)

Mein Schreibtisch ist zu klein. Ich muss nun echt voran machen mit meiner Master-Arbeit, aus verschiedenen Gründen, doch so geht das nicht. Der Platz reicht einfach nicht.


Vor mir steht der Laptop, links davon der Drucker und ein Stapel Notizzettel. Die sind wichtig, denn ich schreibe mir dauernd irgendwas auf. Dazu: ein halb gefüllter Becher mit Kaffee, Handy und Festnetztelefon, allerlei Bücher und Berge aus Kopien und Notizen, zum größten Teil wild durcheinander weil ich gerade an mehreren Kapiteln gleichzeitig schreibe.

Suche ich etwa die Zusammenfassung von Shearers “Private Armies” muss ich erst Frau Holmqvist, Frau Avant und Herrn Kümmel zur Seite räumen. Brauche ich später wieder eine Zusammenfassung der Werke dieser Damen und Herren, muss Shearer wieder weichen und verschwindet unter P. W. Singer. P. W. brauche ich aber eigentlich ständig und komischerweise hat dieser Mann die Eigenart, sich immer andauernd unter Weber zu verstecken.

Wie gesagt: so geht das nicht. Ich brauche einen größeren Schreibtisch. Oder besser noch: eine Sekretärin. Dann würde mich auch nicht immer wieder das Telefon beim Arbeiten unterbrechen. Außerdem könnte ich sie jetzt bitten, mir noch einen Kaffee aufzusetzten. Weil ich aber keine Sekretärin haben, muss ich das nun selber tun.

In diesem Sinne, frohes Wühlen!

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